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zu sagen pflegen."

Ein leichter Blitz flammte in dem Auge des Mannes auf; doch sprach er gleich darauf: "Sie wissen, Herr, mir gilt nur Ihr Befehl, und wenn Sie verlangen, ich soll mich morgen selbst angeben, so tue ich es."

"Gewiss, Matias, ich weiss das. Aber lassen wir diese Reden! ich hoffe, du sollst noch einmal Zeit genug bekommen, ein ruhiges Leben zu führen, meinetwegen auch zu bereuen und wieder gut zu machen, was du verbrochen. – Also die Schwemmer'sche Wirtschaft hat aufgehört? Wann starb er?"

"Acht Tage nach jenem Vorfalle, Herr. Vielleicht hat er sich zu sehr alterirt; viel aushalten konnte er ohnedies nichtvielleicht auch –"

"Nun was? – Warum stockst du?"

"Nun, ich meine, vielleicht half ihm auch Jemand über seine letzten Lebenstage schnell hinweg kommen."

"Teufel! ich will nicht hoffen."

"Ich weiss nichts genau, aber es wollte mir nicht gefallen, dass sich seit jenem Abend der Sträuber beständig dort aufhielt. Früher war dem in seinem lächerlichen Hochmut das Haus dort viel zu schlecht; wie gesagt, von da an hielt er es mit der alten versoffenen Schwemmer, und wenige Tage nachher lud sie uns zum Begräbniss ihres Gemahls ein."

"Ich fürchte, der Sträuber wird nächstens ein klägliches Ende nehmen," sagte e r nach einigem Nachdenken, und seine Hand fuhr langsam von der Scheide des Dolches nach dem Hefte hinauf. "Wird er genau beobachtet?"

"Allerdings, so genau als es möglich ist; aber er ist schlau wie der Teufel, hat grosse Angst und nimmt sich sehr in Acht."

"Besucht er Häuser, in denen er nachweislich nichts zu schaffen hat?"

"Das wohl, aber wenn man sich bei ihm erkundigt, so hat er immer die triftigsten Ausreden."

"Zum Beispiel?"

"So treibt er sich gern in der Nähe des Schlosses herum. Ich habe ihn schon ein paar Mal aus dieser oder jener tür heraus kommen sehen."

"Immer im schwarzen Frack?"

"Und baumwollenen Handschuhendas versteht sich. Als er mir das erste Mal da aufstiess, folgte ich ihm durch mehrere Strassen, und an einer passenden einsamen Stelle, wo ich tat, als träfe ich ihn jetzt erst zufällig, sagte ich zu ihm: ei, Sträuber, woher des weges? – Ich dachte, er sollte mir irgend eine Lüge aufbinden, und dann wollte ich ihn examiniren; – aber Gott bewahre! er erzählte mir ganz ruhig, er komme vom schloss, wo er seine kleinen Geschäfte habe."

"Und welche? Gab er vielleicht vor, er handle mit alten Kleidern?"

"O nein, dazu ist er zu hochmütig; er sei Agent geworden, sagte er, und dabei zog er seine schmutzigen Vatermörder stolz in die Höhe. – Agent oder Kommissionär für eine privilegirte Leichenkasse."

"Was ist das, Matias?"

"Das sind Anstalten, wo man irgend Jemand versichern lässt, um nach dessen Tod ein gewisses Geld zu bekommen; es passt für den Sträuber, und es ist viel scheues, heimliches Wesen dabei. Man versichert zum Beispiel so einen armen Teufel in einem Dutzend dergleichen Anstalten, dann stirbt er oder sie lassen ihn sterben und bekommen eine recht hübsche Summe. Ich weiss genau, dass der Sträuber und die Schwemmer ihren Mann auf diese Art versicherten, und als er bald darauf an vieler Freundschaft starb, wurde ihnen wacker ausbezahlt."

"Aber was hat er im Schloss zu schaffen?"

"Da macht er mit den Bedienten, so sagt er, die oben erwähnten Geschäfte. Aber ich glaube ihm doch nicht; ich sah ihn zu oft in der Gegend herum flaniren, und Sie können sich denken, Herr, dass ich ihm eifrig nachspüre. Er geht meistens in den östlichen Seitenflügel: dort wohnt ein alter General, ich glaube Baron von W."

"Ah! dahin geht er!" sprach der Andere, plötzlich sehr aufmerksam werdend, wobei er hastig seine Stellung veränderte und seinen Oberkörper aufrichtete. "Das interessirt mich auf's Höchste. Sei so gut, Matias, und nehm' dich der Sache an; spare keine Mühe, keine Kosten, stelle einen oder zwei Vertraute zur Beobachtung auf; er soll keinen Schritt mehr tun, den wir nicht erfahren. Berichte mir täglich darüber und so umständlich als möglich."

"Daran soll's nicht fehlen," erwiderte Matias lächelnd.

"Dann noch eins, Matias," fuhr der Andere mit ernster stimme fort. "Ich habe da unter der Hand etwas von einem Kinderhandel, der schwunghaft betrieben werden soll, gehört. Pfui Teufel! Das ist 'ne Schande, und ich will das nicht leiden. Du weisst, lieber Matias, ich spreche nicht gern zweimal von einer Sache, und wenn ich meine Hand ausstrecke, so zerdrücke ich die Schuldigen, mögen sie sein wer sie wollen."

Matias war bei diesen Worten ein wenig erbleicht und sogar zurückgewichen, als der Andere die Hand nun wirklich ausstreckte.

"Es ist das eine Schande," fuhr dieser fort, "so ein armes Wesen in die Welt hinaus zu stossen, es zu verkaufen zu den gemeinsten Lastern und Verbrechen, es eltern- und heimatlos zu machen. – O, ich