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war dein Schatz?"

"Sie war es," sagte der junge Zimmermann mit bebenden Lippen, "und sollte sie sterben, dann bleibt sie es auch, dann lebt sie für mich fort; sollte sie aber wieder frisch und gesund werden und leben bleiben, dann ist sie für mich gestorben." –

"Amen!" sagte der Teaterdiener mit unsicherer stimme.

Darauf stiegen Beide langsam die Treppe hinauf, die zur Bühne führt, und nach all' dem, was vorgefallen, war es unheimlich still unter dem Podium.

Siebenundsechzigstes Kapitel.

Im Fuchsbau.

Im Fuchsbau war es in letzter Zeit ziemlich still und geräuschlos hergegangen; Fremde gab es gar keine, und die Stammgäste waren auswärts so beschäftigt gewesen, dass sie nicht Zeit oder Lust hatten, sich hier häufig zusammen zu finden. Ueberhaupt war die Schenkstube nur belebt, wenn es nicht viel zu tun gab, mit andern Worten, wenn nicht viel Geld vorrätig war; dann wurde hier in Erwartung besserer zeiten auf Kredit gelebt. Klimperte aber Silber und Gold in den Taschen, so zog man es vor, andere Kneipen aufzusuchen, nicht weil dort der Wein besser war, sondern weil man unbeobachtet sein konnte, was im Fuchsbau nicht so ganz der Fall war. Da hatten die Wände der Schenkstube Ohren und die alte Pförtnerin scharfe Augen; es schwebte selbst für diese harten Gemüter etwas Drückendes, durch die Räume, und wenn der Klang einer gewissen Klingel erscholl, so waren Wenige, die ihr Glas an die Lippen brachten, selbst wenn sie die Hand dazu schon erhoben hatten.

Auch heute Abend war die Klingel ertönt; da aber ausser der Kellnerin sonst keine menschliche Seele im Zimmer war, so hatte sie nur auf diese ihre wirkung ausgeübt. So hurtig es ihr die alten Beine erlaubten, war sie aufgesprungen, hatte nachgeschaut, ob die Drähte der Klingelzüge auch wirklich unverwirrt neben einander hingen, sie war auf einen Stuhl gestiegen und hatte ein kleines Kästchen betrachtet, welches ungefähr acht Schuh vom Boden an der Wand hing. In dieses Kästchen führte von oben eine kleine feine Kette, welche durch die Decke kam und irgendwo im haus gezogen werden konnte. Auch diesen Zug untersuchte sie, ob er in Ordnung sei und nicht stocken werde; sie zog das kleine Kettchen vorsichtig in die Höhe, worauf eine Feder anschlug und hell und schrill der Klang einer Glocke ertönte. Zu gleicher Zeit öffnete sich der Boden des Kästchens nach unten. Die Alte nickte selbstzufrieden mit dem kopf, als sie sah, dass die ganze Maschinerie in Ordnung sei, und drückte den Boden wieder vorsichtig in die Höhe, dessen Schloss mit einem kleinen Geräusch wieder zusprang.

Dies Kästchen hatte eine sehr wichtige Bestimmung; denn wenn die Glocke anschlug und sich der Boden öffnete, so hatte das alte Weib die Verpflichtung, augenblicklich den Hauptahnen der Gasbeleuchtungsröhren zuzudrehen und so das ganze Haus in tiefste Finsterniss zu versetzen. So lange nun die Alte als Pförtnerin sich hier befand, war das nur ein einziges Mal geschehen und zwar in einer fürchterlichen Nacht, an die sie nur mit Schrecken dachte.

So öde und leer wie das Schenkzimmer waren auch die Treppen und Korridore, obgleich hell beleuchtet; nur in einem Winkel der letzteren ging ein Mann ruhig auf und ab, nach Art einer Schildwache. Und diesen Dienst versah er auch. Von der Stelle aus, wo er sich befand, hatte er zwei lange Gänge, sowie die Haupttreppe im Auge, und wenn er ruhig stand und horchte, so war es ihm möglich, den leisesten Tritt, selbst vom entferntesten teil des Gebäudes zu vernehmen. Die tür, neben welcher er stand, ist uns nicht unbekannt; sie führt in ein kleines Vorzimmer, und von da in das hohe Gemach mit der dunklen Holzbekleidung.

Wie an jenem Abend, dessen sich der geneigte Leser vielleicht noch erinnern wird, waren die dunkeln Vorhänge vor dem Fenster herabgelassen und im Kamine brannten grosse Stücke Holz. Auf dem alten Tische mit der grünen Decke standen zwei brennende Leuchter, und auf dem stuhl mit der hohen Lehne, der neben dem Tische stand, sass er im gleichen Anzuge wie damals. Er hatte die Beine über einander geschlagen und die rechte Hand unter sein Kinn gestützt, während seine Linke nachlässig herabhing und den tscherkessischen Dolch, den er am Gürtel trug, zu wiegen schien. Vor ihm stand Matias in ehrfurchtsvoller Haltung.

"Du meinst also," sagte e r , "dass sich die Polizei um den Vorfall da draussen bei dem Schwemmer weiter nicht bekümmert hat?"

"Ich weiss das sogar genau," erwiderte Matias; "es trieben sich allerdings einige von ihnen an dem Abend dort herumaber," setzte er lächelnd hinzu, "es muss da ein guter Freund von uns dabei gewesen sein, denn sie zogen sich leise zurück, als wir das Haus verliessen, und Einen hörte ich sagen: Ach was! wer wird sich da hineinmischen! Pack schlägt sich, Pack verträgt sich!"

"Und doch hätten sie damals einen guten Fang machen können; aber das Eisen zu deinen Banden, Matias, liegt noch in tiefer Erde, wird vielleicht niemals gefunden."

"Das hoffe ich," entgegnete der Andere mit tiefer stimme. "Ich möchte doch nicht – – so enden."

"Gewiss nicht, Matias; es wäre schade um dich. Was meinst du, wenn wir nach und nach daran dächten, das Geschäft abzuwickeln, wie die Kaufleute