und Jugend gestrahlt, jetzt regungslos wie tot hier unten lag.
"Marie! Marie!" schrie Schwindelmann. Dabei stürzte er sich auf die Tänzerin, riss die Taue und Balken um sie her fort, nahm sie sanft in seine arme und indem er neben sie kniete, legte er ihren Kopf behutsam in seinen Schooss.
"Das hat der Himmel getan, nicht ich," murmelte Richard mit dumpfer stimme. – Er schwankte auf seinen Füssen und musste sich an dem eisernen Träger neben sich halten, um nicht hinzustürzen.
über alle Treppen und Leitern hinab stürzte jetzt das Teaterpersonal, die Beamten, kurz was sich auf der Bühne befand, herbei, um sich von der Grösse des Unglücks zu überzeugen. Terese war übrigens die Erste, die herbei kam, sie schauderte einen Augenblick wie vor der Todtenblässe des eben noch so frischen Mädchens, dann fasste sie Richards Arm und sagte, während ihre Zähne hörbar zusammenklapperten: "Das hast du absichtlich getan. Du bist ihr Mörder." – Sie hatte Schwindelmann sogleich gesehen, sie hatte es sich gedacht, welche Unterredung hier stattgefunden.
"Nein, nein!" sagte Richard kaum hörbar, "da tun Sie mir Unrecht; ich weiss nicht, wie mir das Seil entschlüpft."
"Und hat dir Schwindelmann nichts erzählt?"
"O ja, ich tat es," sprach der Teaterdiener mit bekümmerter stimme.
"O grässlich! grässlich!" rief nun Terese laut weinend und warf sich auf die Kniee neben Marie hin. "Du armes, armes geschöpf! – Aber es ist vielleicht besser so." Sie wischte ihr leicht über die Stirne und trocknete ein paar Tropfen Blut ab, die zwischen den bleichen Lippen langsam hervorgequollen waren.
In wenigen Augenblicken umstand ein Kreis entsetzter Gesichter und ratloser Menschen die Unglückliche; viele Stimmen riefen nach einem arzt, doch dauerte es lange, bis man einen gefunden. Der Teaterarzt war, wie das zuweilen zu geschehen pflegt, gerade nicht im Teater, aber einer von denen, die man in die Stadt gesandt hatte, traf nicht weit vom Teatergebäude zufälligerweise auf den Doktor Erichsen, der mit seinem Bruder im Begriffe war nach haus zu gehen.
Der Kreis teilte sich, als der Arzt die Stufen hinabstieg, und Todtenstille herrschte rings umher, als er den Kopf des leblosen Mädchens langsam aufrichtete, hände und arme befühlte und ihr in das halbgebrochene Auge schaute. Kein laut wurde ringsum hörbar, ja alle hielten den Atem an und jedes Auge blickte auf den Arzt. – Als dieser nun leicht den Kopf schüttelte, die Achseln zuckte und mit ernster Miene dem Intendanten, der hinter ihm stand, einige Worte zuflüsterte, sahen wohl Alle, dass wenig oder gar keine Hoffnung sei. Die Tänzerinnen, die sich bis jetzt zurückgehalten, stürzten nun von allen Seiten laut weinend neben Marie nieder, küssten ihr die hände, die aufgegangenen schwarzen Haarflechten, und ein paar steckten eifrig die Granatblüten zu sich, die ihrem Haar entfallen waren.
"Aber wie ist denn das Unglück gekommen?" rief der Intendant, indem er bewegt seine hände zusammen presste. "Wer war unten bei dem Tau?"
Die ihn Umgebenden traten bei diesen Worten scheu vor dem jungen Zimmermann auf die Seite und Richard stand einen Augenblick allein, das Gesicht mit Todtesblässe bedeckt, die bläulichen Lippen halb geöffnet, die Augen starr aufgerissen.
"Ich bin es, der das getan," sagte er nach einer Pause mit tiefem Atemzuge. – Darauf wurde sein blick plötzlich unsicher, gläsern, seine hände griffen um sich, als wollten sie irgend etwas erfassen; seine Kniee knickten ein, und wenn nicht einige der Zimmerleute ihm beigesprungen wären und ihn gehalten hätten, so wäre er zu Boden gestürzt. So aber liessen ihn seine Kameraden langsam niedersinken, und legten ihm seinen Kopf auf eine der Treppenstufen.
Doktor Erichsen verordnete nun, man solle das unglückliche Mädchen aufheben, und dann in einem Tragkorb in ihre wohnung bringen. Er schrieb sich Nummer und Strasse derselben auf und entfernte sich mit Artur. Dass Letzterer gelegenheit fand, der erschreckten Clara ein freundlich tröstendes Wort zuzuflüstern, brauchen wir dem geneigten Leser eigentlich nicht zu sagen.
Man hob Marie auf, brachte sie sorgfältig auf die Bühne, und vier der Zimmerleute trugen den Körper des unglücklichen Mädchens in ihre wohnung. Terese, entschlossen, wie sie immer war, hatte sich in der Eile notdürftig angekleidet, einen warmen Mantel über das leichte Nymphenkleid geworfen und begleitete die arme Marie. Unterwegs hatte sie ihre herabhängenden hände gefasst, und wenn sie dieselben küsste, was oft geschah, so fielen ihre Tränen auf die erkalteten Finger. Das sah aber Niemand, als die Tausende von Sternen, die an dem klaren Himmel glänzten.
Richard hatte sich langsam wieder erholt, Schwindelmann war bei ihm geblieben, hatte ihm seine Jacke aufgeknöpft und kaltes wasser in das Gesicht gespritzt. – "Ist sie fort?" fragte er, als er die Augen aufschlug; "aber nicht wahr, Schwindelmann, sie lebt noch?"
Der Teaterdiener nickte mit dem kopf und dazu zuckten seine Augenlider. Seine alten Augen waren es seit lange nicht mehr gewohnt, von Tränen angefeuchtet zu werden. – "Ja," antwortete er, "sie lebt noch; aber sage mir, Richard, –"
"Was denn?"
"Aber weisst du, Richard, du musst dich nicht scheuen, es uns zu gestehen, – nicht wahr, die Marie