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und sonstigen Gegenständen. Hier ist für alle Schauerstücke und Feenopern ein wichtiger Platz, denn von hier aus erschallen die unterirdischen und Geisterstimmen, heulen die Winde aus den tiefen Schluchten hervor; von hier züngeln die Flammen aus dem Erdboden, wenn irgend ein finsteres Gespenst über die Oberfläche dahin schreitet, und von hier steigen Engel und Teufel auf.

Bei gewöhnlichen Vorstellungen ist es da sehr dunkel, nur ein paar trübe Laternen leuchten spärlich in dem weiten raum; bei der heutigen Oper aber, wo alle Freuden des himmels, alle Schrecknisse der Hölle losgelassen waren, brannte so viel Licht, um die Gegenstände rings herum notdürftig erkennen zu können; auch war die grösste Versenkung oben offen, und eine starke Helle fiel von da herein.

Richard stand drunten mit seinem Tau, und Schwindelmann, der gerade nichts zu tun hatte, sass neben ihm auf einer der Treppen. Das Teater verwandelte sich in die Schlussdekoration, und droben, von vier Mann getrieben, setzte sich die grosse Flugmaschine in Bewegung. Sie brachte den ganzen Himmel an's Tageslicht, aus dem nun am Ende Fee Amorosa, die Beschützerin der wahren Liebe, auf einer Wolke noch einige zwanzig Fuss höher stieg. Vorher aber kamen noch ein paar lange Scenen, und als droben zur Einleitung in diese eine sanfte Sphären-Musik erklang, zog Schwindelmann drunten seine Schnupftabaksdose hervor, und bot auch Richard eine Prise an, der sie lachend nahm und sagte: "Jetzt kann ich noch meine Hand zu etwas gebrauchen, wenn ich aber nachher die Fee in ihrem Himmel droben festalten muss, da brauche ich beide hände und einen teil meiner ganzen Kraft. – Hier aus dem dunklen raum hinauf gesehen," fuhr er nach einer Pause fort, "schauen die Mädchen wahrhaftig wunderschön aus. Sieh' dir die Terese an, wie sich die prächtig ausnimmt!"

"Gott! das haben wir ja schon tausendmal gesehen," entgegnete Schwindelmann mürrisch. "Und dann steckt ja nichts dahinter; wer sie so wie ich von haus abholen muss oder nachher in den Wagen hineinschieben, für den geht alle Täuschung verloren."

"Na, Schwindelmann," meinte Richard, "du bist ein alter, leichtsinniger Kerl; für dich ist das doch angenehm."

"Weiss Gott im Himmel," entgegnete ernst der Teaterdiener, "die meisten waren mir von jeher gleichgiltig und werden es immer mehr. Weisst du, wer sie so wie ich auch in ihrem Leben zu Haus genau kennt, dem tut es weh, wenn er so sehen muss, wie jetzt bald die, bald jene dumme Streiche macht. Anfänglich kommen sie mit den besten Vorsätzen hieher; sie sind brav und wollen es bleiben, sie wehren sich auch, so lange sie können, aber du lieber Himmel! die Verführung ist zu gross. Ich habe ja gewiss Mitleiden mit den armen Geschöpfen. Weisst du, Richard: hier in Sammet und Seide, Pracht und Glanz, – zu Haus Elend und Not; hier stehen sie von den reichen Gastereien hungrig auf, um zu Haus auch nicht viel mehr zu finden, als Kartoffeln und trockenes Brod. Da kommen dann Anträge und Versprechungen für eine glänzende Zukunft, da wird dann endlich Leib und Seele verkauft – 's ist ein Jammer."

Richard blickte nachdenkend in die Höhe, und der Glanz droben, die Seide, das Gold, die falschen Brillanten, die roten Wangen und blitzenden Augen erschienen ihm minder blendend.

"Ja, es ist ein Jammer," fuhr Schwindelmann fort, indem er heftig auf den Deckel seiner Dose klopfte. "Und man kann es ihnen nicht einmal übel nehmen; wenn angesehene Bürgerstöchter, überhaupt wohlhabende Mädchen tugendhaft bleiben, das sollte sich am Ende von selbst verstehen. Darnach drehe ich keine Hand herum, aber die da obennun, Richard, wehe tut es mir doch, wenn ich es so erlebe, wie eine nach der andern abfällt."

"Na, Schwindelmann, du übertreibst," sagte Richard, "du könntest mir ganz Angst machen. Es sind doch Manche darunter, die sehr ordentlich sind."

"Ja, es hat noch welche; sonst wäre es aber auch zu schlimm."

"denke nur an deine beiden Schätze," fuhr Richard lachend fort, "die Clara und die Marie, – gelt, alter Kerl, für die Beiden gehst du durch's Feuer."

Schwindelmann machte ein Gesicht, als habe er eine saure Pflaume gegessen.

"Richard!" rief Herr Hammer durch das Sprachrohr hinab, "die obere Flugmaschine wird gleich in Bewegung gesetzt. Fasse das Tau an; wenn ich dir zurufe, so wickelst du es um und hältst es fest! Die an der Winde verlassen sich auf dich. Lass mir keinen Achtelszoll fahren!"

"Kein Haar breit!" rief Richard lustig. "Jetzt pass' auf, Schwindelmann! Siehst du deinen Schatz, schau, wie die Marie schön aussieht!"

"Auch die mag ich gar nicht mehr ansehen," erwiderte der Teaterdiener verdriesslich, indem er den Kopf wegwandte.

"Was hast du gesagt?" meinte Richard und fuhr erschreckt herum. – "Hast du von der Marie nicht gesagt, auch die möchtest du gar nicht mehr ansehen?"

"Ja, das habe ich gesagt," versetzte Schwindelmann. "Aber was kümmerst du dich darum? Dich interessirt's ja doch wohl nicht, was die Mädel