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von allen Seiten herbei.

Herr Hammer sass auf einem hölzernen Felsstück und drehte nachdenkend seine Schnupftabaksdose in der Hand herum; Herr Wander stand vor ihm, aber diesmal ohne Spritze, auch hatte er den Hut auf dem kopf und hielt beide hände auf dem rücken.

"Ja–a– ja–a," sagte der erste Maschinist; "ich versichere Euch, Wander, Ihr habt Euch vorgestern nicht schlecht gemachtAnstand; ich sage es immer: die alte Schule verläugnet sich nicht."

Herr Wander lächelte geschmeichelt.

"Dass ich das versäumt habe," mischte sich Schwindelmann in's Gespräch, "das kann ich mir in meinem ganzen Leben nicht verzeihen. Aber wie kam es denn eigentlich, dass Ihr hier auf der königlichen Bühne aufgetreten seid? Das hättet Ihr Euch niemals träumen lassen."

"Nein!" lachte Wander mit ganz breitem Maul. "Nun, wie kam es? Fra Diavalo sollte im ersten Akte herauskommen, da fehlt auf einmal der Chorist, der ihm den Mantel nachtragen soll. Alle Teufel! die Verlegenheit! Der Herr Intendant stand zufällig dabei und sagten: wen nehmen wir gleich? Sein blick fiel auf mich, – Wander, sagte er da, Sie sind ein alter, routinirter Schauspieler, setzen Sie einen dreieckigen Hut auf und tragen Sie dem Fra Diavalo seinen Mantel nach. Sie werden das ohne probe können. – Und ob ich es ohne probe konnte! Man hat unten im haus gezischelt, o, ich vernahm es wohl, es war gerade, als hörte ich meinen Namen aussprechen. – Das ist Wander! – Wander tritt wieder auf. – Aber nein, ihr Herren da unten, das ist Täuschung: Wander tritt nicht mehr auf. Aber es freut mich doch, dass ich meine letzte Rolle auf dem königlichen Hofteater spielen durfte. Wer könnte es mir verwehren, wenn ich zum Beispiel von mir sagen wollte: – nahm auf der königlichen Hofbühne zu Z. in Fra Diavalo von dem Publikum Abschied."

"Niemand!" lachte Richard, der hinzugetreten war, "Ihr kämt dann höchstens in den Verdacht, als habt Ihr den Fra Diavalo gesungen."

"Wer war denn vorhin an der Donnermaschine?" fragte der Inspizient, der mit seinem Buch aus dem Hintergrunde hervortrat, in sehr ernstem Tone. "Habe ich denn nicht gestern die geschichte bis zum Ekel einstudirt? Und der letzte schlug sogar vor dem Blitze ein; das ist doch unerhört. Wer war's?"

"Ich," sagte Schwindelmann, "und begreife das nicht, ich donnere fast das ganze Jahr und nehme mich ungeheuer in Acht."

"Ich pfeife Ihnen in Ihre Donner vom ganzen Jahr," entgegnete würdevoll der Inspizient, "den heutigen hätten Sie mir gut machen sollen. Auf den Blitz hätten Sie mir achtung geben sollen; wer hat denn je gesehen, dass es zuerst donnert und dann blitzt."

"Das habe ich oft gesehen," erscholl die sanfte stimme Schellingers, der zusammengekauert hinter dem ersten Maschinisten sass. "Im Himmel, wo man nahe dabei ist, tut's gar nicht anders."

"Und Sie waren wohl schon oft im Himmel," fragte der Beamte in wegwerfendem Tone.

"Nicht oft," entgegnete ruhig der Schneider, "aber einmal doch, als ich mit dem grossen Luftballon aufstieg."

"Ah was! dumme Possen!" meinte der Beamte, indem er hinweg ging.

"Das ist doch so klar wie Tinte," fuhr der Garderobe-Gehilfe fort; "hier sind wir unter dem Gewitter, da leuchtet's und dann kracht's, wenn wir uns aber darüber befinden, hören wir es natürlicherweise umgekehrt, zuerst Donner und dann Blitz. Dazu braucht man nicht Inspizient zu sein, um das zu begreifen."

"Und stiegst du damals hoch hinauf, Schellinger?" fragte Richard.

"Wir haben es nicht ganz genau messen können, denn die Schnur, die wir mit hinauf nahmen, reichte lange nicht aus."

"Aber wie hoch kamt Ihr denn eigentlich?"

"Ich glaube, wir kamen bis in den vierten Himmel," sagte der Schneider. "Ihr wisst doch, dass es deren sieben gibt."

"Ja, ja," sprach Schwindelmann nachdenkend, "man sagt zuweilen, man sei bis in den siebenten Himmel verzückt."

"Bis dahin kamen wir nicht," fuhr Herr Schellinger fort.

"Und wie waren die Himmel beschaffen?" fragte Richard lachend.

"In dem untersten war es feucht und kalt, das ist der Regen- und Schneehimmel, im zweiten wurde es schwül, da hält sich der Donner und Blitz auf; im dritten dagegen ist es heiss, das ist der Sonnenhimmel; und im vierten fangen die Engel an."

"Hast du welche gesehen, Schellinger?"

"Nicht deutlich, es schimmerte nur gelb, grün, blau und rot, auch waren wir nur in der untersten kammer, wo die Regenbogen aufbewahrt liegen. – Aber pfeifen habe ich die Engel gehört."

"O, das hörte ich auch schon," meinte Richard lachend, "als ich noch beim Militär war und im Arrest sass."

"Apropos, Schellinger," sprach Herr Hammer nach einer Pause, "werden die Kostüme zum neuen Stück fertig? Ihr habt viel daran zu tun."

"Ich sage Euch,"