Art; es ist eine Feenoper, im ersten Akte erscheinen einige Elfen und Geister, im dritten kommen einige Bauerntänze und am Ende des fünften ein Schlusstableau, wo die Fee Amorosa, die Beschützerin wahrer Liebe, in den Wolken erscheint, um das nach vielen Schwierigkeiten vereinigte Paar zu segnen.
In der Garderobe waren Mamsell Terese, Mamsell Clara, Mamsell Marie, noch drei Andere von der gleichen Altersklasse, sowie ein halbes Dutzend Ratten, welche Engel und dergleichen zu machen hatten. Die letzten, in sehr safrangelben Tricots, mit weissen Florkleidern, goldenen Gürteln und himmelblauen Flügeln, versuchten ziemlich ungeschickt ihre Gruppirungen, purzelten dabei oft über einander hin, und hatten in ihrer Ungelenkigkeit viel mehr das Ansehen kleiner Kobolde, als Angehöriger der himmlischen Heerschaaren.
Terese stand vor ihrem Spiegel, – eine junge Fee; das schöne Mädchen mit dem vollen Wuchs sah prächtig aus. Sie gefiel sich auch selbst, das sah man an der Art, wie sie ihre Hüften umspannte, den Kopf kokett zurückwarf und sich mit den blitzenden Augen fest ansah. Eine ihrer Colleginnen, ein blasses schmächtiges Wesen im Costüm einer Hofdame, sass vor ihr, fächelte sich mit ihrem Fächer und betrachtete hinter demselben hervor nicht ohne einen Anflug von Neid die schöne Tänzerin.
"Aber, Terese," sagte sie nach einer Pause, "wenn man dich so sieht, reizend, strahlend, da kann man es schwer glauben, dass du dies glänzende Leben verlassen willst, um dich als Hausfrau in eine stille wohnung zurückzuziehen."
"Und doch ist es so, mein Schatz," erwiderte Terese; "ich bin fest entschlossen, mich zurückzuziehen, ich bin um meinen Abschied eingekommen."
"Bei der Intendanz?" fragte boshaft die Andere.
"Bei der Intendanz!" versetzte Terese, indem sie ihren Kopf noch stolzer in den Nacken warf. "Ich verstehe dich wohl, mein Kind," fuhr sie mitleidig fort; "was das Andere anbelangt, da gebe nur ich Abschiede, lass mich aber selbst nie verabschieden. So musst du es auch machen, wenn du einen guten Rat von mir annehmen willst. Ich habe dies Leben satt, ich will mich verändern."
"So ist es also wirklich wahr?" fragte lachend der Teaterfriseur, der heran geschlichen war. "Die schönen Tage von Aranjuez sind also wirklich vorüber? Ich hatte immer noch gehofft, Terese."
"Auf was denn, Sie – Affe! Ich versichere Sie, Fritz, Sie allein können Einem das Leben hier unleidlich machen."
"Ach, der glückliche Berger!" erwiderte Friz seufzend.
"Haben Sie vielleicht die Ehre von ihm gekannt zu sein?" fragte trotzig die Tänzerin.
"Ich kaufe meine Cigarren bei ihm, auch zuweilen Kaffee und Zucker."
"So erhalten Sie uns auch ferner Ihre Kundschaft!" lachte die Tänzerin spöttisch; und damit rauschte sie trällernd in das Nebenzimmer.
Hier befanden sich Clara und Marie in ihrer Ecke, und die erstere sprach mit ihrer guten und lieben stimme, wie es schien, Worte des Trostes zu ihrer Collegin. Wenn man aber das andere Mädchen sah, wie es heute da sass, ein Bild des Jammers und der Verzweiflung, so hätte das härteste Gemüt nicht umhin gekonnt, sich teilnehmend zu erkundigen, was ihr fehle. Ihr dunkles Haar hing aufgelöst über ihren Nacken und ihre Schultern bis auf ihren Schooss herab, so tief hatte sie den Kopf gesenkt. Dabei hielt sie die hände gefaltet, und nur zuweilen zuckten diese zusammen, wenn nämlich von den heissen, schweren Tränentropfen, die unablässig ihren Augen entquollen, auf ihre Finger niederfielen. Diesem Zucken folgte ein schwerer Seufzer, ein Stöhnen, und dann sank sie noch tiefer in sich zusammen.
"Es ist Zeit, liebe Marie," sagte Clara mit sanfter stimme, "dass du dir dein Haar machen lässt. Richte den Kopf ein wenig auf, dass ich deinen Scheitel gerade herstelle. – O, hör' auf zu weinen; das tut mir in der Seele weh. – Oder sprich wenigstens zu mir. – Setzest du denn gar kein Vertrauen mehr in mich?"
"O doch! – o doch!" brachte Marie mühsam hervor; "aber du würdest mich doch nicht verstehen. Gewiss, gute – gute Clara, du kannst mich nicht verstehen. Danke Gott, dass es dir unmöglich ist!"
"Ja, das begreife ich in der Tat nicht," erwiderte die Andere, "denn wenn ich Kummer habe, so ist es mir eine Wohltat, mein Herz gegen irgend Jemand ausschütten zu können."
"Mir auch, mir auch," hauchte Marie. "Du weisst, Clara, dass ich bis jetzt kein geheimnis vor dir hatte. Aber das kann ich dir nicht sagen."
"So sprich mit Terese," erwiderte Clara zögernd; "da kommt sie eben. Du hast etwas auf dem Herzen, das du los werden musst. Sie wird dir auch dein Haar gern machen; ich gehe in's andere Zimmer."
Marie gab keine Antwort, doch nickte sie mit dem kopf, hob ihn dann rasch empor, und als sie Terese bemerkte, die in die tür trat, presste sie, heftiger weinend, ihre hände vor das Gesicht.
– "So – so – so sieht's hier aus?" sagte die Eingetretene, indem sie ihre rechte Hand in die