aufgekündigt hat."
"Die Canaillen!"
"Die Kindsfrau meinte, sie habe sich bei anständigen und ehrlichen Kindern verdingt, sei aber nicht dazu gemacht, uneheliche Bälge aufzuziehen."
"Das sagte sie dir in's Gesicht?"
"O nein; Franz, der Kutscher, hat es mir erzählt."
"Und der?"
"Er bat mich zu gleicher Zeit um erlaubnis, die drei Weibsbilder zum haus hinaus werfen zu dürfen."
"Die hätte ich ihm erteilt."
"Um noch mehr Skandal zu haben! Du wirst schon sehen, was die drei Weiberzungen von mir aussagen werden."
"Ja, ja."
"Die haben mein verhältnis zu jener unglücklichen person schon lange gewusst, oh! ganz genau gekannt. Glaube mir, Artur, die werden mir einen schönen Namen machen. Und dagegen vermag kein ehrlicher Mann, keine Macht dieser Welt etwas."
"Onkel Artur!" rief Anna, "schau dir unser Kind an. Papa hat es für uns zum Spielen mitgebracht; wenn es einmal schöne Kleider bekommt und brav ist, so wird es unser Schwesterchen; nicht wahr, Papa?"
"In deinem Hut und Mantel," sagte Oskar mit Kennermiene, "sieht es gerade aus, wie du, Anna."
"Verlangen die Kinder zuweilen nach ihrer Mutter?" fragte Artur leise.
"Selten, eigentlich nie," erwiderte traurig der Bruder. "Es ist ihnen etwas ganz Gewöhnliches, dass sie sie nicht sehen."
"Hast du draussen die Kisten gesehen und die Koffer, Onkel Artur? Wir verreisen; ich weiss es ganz gewiss."
"Ja, wir gehen," setzte Anna hinzu, "weit, weit fort."
"Und haben heute Morgen schon eine Reise gemacht," sprach der Knabe. "Anna gehört die grosse Kiste, mir der Koffer; das sind zwei Kutschen, in denen wir schon weit weg gefahren sind. Ich war der Fuhrmann; wo hast du meine Peitsche gelassen?" wandte er sich an die Schwester.
"Das geht nun seit gestern so fort," sagte leise und traurig der Vater; "die armen, armen Dinger! Schon als eingepackt wurde, brachten sie auch von ihren Kleidern und Wäsche herbei und wollten nicht begreifen, warum die Sachen von Mama allein in die Koffer gelegt würden."
"Quäle dich doch nicht selbst mit diesen Gedanken," entgegnete Artur. "Du bist weicher als die Kinder. Vor allen Dingen lass uns ruhig überlegen, was zu tun ist. Mama hat dir neue Dienstboten besorgt, nicht wahr?"
"Ja, sie kommen schon heute."
"Nun denn, was denkst du mit dem kind da anzufangen?"
Der Doktor zuckte mit den Achseln. "Ich werde es in irgend eine ordentliche Anstalt tun," sagte er.
"Das ist nichts," erwiderte Artur. "Hättest du es von seiner gestorbenen Mutter weg gleich in eine solche bringen lassen, so wäre es ganz gut gewesen. Aber jetzt, wo nun einmal die fatalen Gerede über dich in der Stadt gehen, würde das nur zu neuen Klatschereien Stoff geben. – Das Kind muss verschwinden, man muss es zu stillen, verlässlichen Leuten tun, die es vertrauensvoll aufnehmen, die es gut behandeln und weiter nicht darüber sprechen."
"Solche Leute sind selten," meinte trübe lächelnd der Doktor.
"Wüsstest du Jemand?"
"Allerdings sind sie selten," entgegnete der Maler und blickte nachdenkend zum Fenster hinaus; "sehr selten, aber es gibt noch gute, edle Herzen, die nach Kräften Gutes tun, ohne darüber zu sprechen, – edle Menschen, die ihren nächsten lieben, namentlich wenn er in Not ist."
"Die sind schwer zu finden und zu erkennen."
"Zu erkennen leicht, wenn man sie gefunden," sprach Artur mit Wärme. "O, der Glanz ihres Auges sagt dir, dass das Herz gut und edel ist; ein offenes ehrliches Lächeln lässt dich auf den Grund ihrer Seele blicken, ein einziges Wort, mit dem süssen Klang ihrer stimme gesprochen, lässt dich fühlen, dass es wahr und aufrichtig gemeint ist; an dem Hauch, der von einem solchen Wesen ausgeht, erkennst du, dass du es mit einem edlen reinen Geschöpfe zu tun hast."
"Artur! Artur!" sagte erstaunt der Bruder. "Du redest dich ordentlich in's Feuer, du schwärmst. Kennst du vielleicht ein solches Wesen?" – Er stützte den Kopf in die Hand und blickte fragend in die Höhe. – "Ja," fuhr er nach einer Pause lächelnd fort, "du hast soeben ein Porträt skizzirt, und wenn es dem Originale wirklich ähnlich sieht, so möchte ich es wohl kennen."
"Du sollst es kennen," entgegnete Artur mit weicher stimme. "Das Original, das ich dir mit voller Wahrheit nicht zu schildern vermag, ist ein Mädchen, das ich liebe, und wie liebe, Eduard! das mein werden muss, und sollte ich Alles daran setzen, viel, viel darüber verlieren. – O, das wäre ein Verlust, bei dem ich tausendfach gewinnen müsste."
"Ja, verlierend zu gewinnen, sagte, glaube ich, ein gewisser Romeo bei einer ähnlichen Veranlassung," meinte der Doktor und betrachtete aufmerksam seinen Bruder.
Dieser tat einen