das für eine Wette?" fragte der Major.
"Wir sassen neulich beim Kaffee," erzählte der Hausherr, "als der Baron Brand auf seinem neuen Rappen vorüber kam. Du weisst, wie er mit der Flüchtigkeit dieses Pferdes renommirt."
"Und da man deine leidenschaft für Wetten kennt," sagte der Assessor, "so trugst du ihm natürlicher Weise gleich eine an?"
"Das versteht sich von selbst," erwiderte lachend der Graf. "Ich schlug ihm also die bekannte geschichte vor, er solle nach dem eine Stunde weit entfernten A. hin und zurück reiten, und ich wolle unterdessen ein halbes Pfund kleiner Bisquite auf einem Sitze essen. Wer zuerst mit seinem Geschäft zu Ende sei, ich mit dem Essen oder er mit dem Hin- und Herreiten, habe begreiflicher Weise gewonnen."
"Und ebenso begreiflich verlorst du," versetzte der Major. "Ich habe diese Wette schon oft machen und verlieren sehen."
"Freilich verlor ich," entgegnete der Hausherr, "aber es fehlten keine sechs Bisquit mehr, und ich hätte unfehlbar gewonnen, wenn ich nicht mit meinem verfluchten Husten wenigstens zwei Minuten eingebüsst hätte. Aber wie gesagt, ich proponire die Wette nochmals, ich kann mich nicht so schlagen lassen."
Der Baron, dem diese Worte galten, blickte auf den Sprecher nieder und lächelte dabei. Aber dieses Lächeln passte so gar nicht zu der hohen Stirne, zu dem ganzen kecken kopf; es war etwas Süsses und Geziertes darin, ebenso wie in seiner Sprache, ja wie in den Worten, die er sprach. Es war eine wirkliche Enttäuschung, ihn, nachdem man ihn gesehen, auch reden zu hören. Dabei war der Klang seiner stimme frisch und kräftig, aber die Manier, wie er seine Worte aussprach, weichlich, ja läppisch – eine böse Angewohnheit oder der Beweis von einem schwachen, verzärtelten Gemüte.
"Nein, nein," sagte er lachend, "die kleine Wette hat mir zu wohl getan; ich versichere Sie auf Ehre, es ist etwas Deliciöses, eine Wette zu gewinnen. Und bei Ihnen kommt man selten dazu, lieber Graf. Aber wenn Sie dieselbe vielleicht umgekehrt annehmen würden, so könnten Sie versichert sein, ich mache mir das unendlichste Vergnügen daraus."
"Dass der Baron den Bisquit verschluckte?" fragte der Major mit seiner tiefen stimme, "das wäre ein Anblick für Götter! Da beteilige ich mich bei der Wette, wenn ich zuschauen darf; ich sehe ihn schon vor mir, wie er mit dem Daumen und dem Zeigefinger jedes Bisquit auf die zierlichste Weise herumdreht, um es mit Anstand in den Mund zu schieben. – Nein, da würden Sie nicht weit kommen."
Der Baron lächelte wohlgefällig, wobei er zwei Reihen schneeweisser Zähne zeigte, dann fuhr er mit der Hand durch das dichte Haar, zupfte seinen Hemdkragen in die Höhe und entgegnete: "Sie haben Recht, Major, ich könnte meine Wette verlieren, bloss durch den Gedanken, vor den Augen Anderer hastig und ungeschickt zu essen. Ich halte das für fürchterlich; wenn ich überhaupt im stand wäre, eine neue gesellschaftliche Ordnung einzuführen, so gäbe es keine Diners, keine Soupers mehr. Es ist doch in der Tat nichts unangenehmer und alle Illusion zerstörender, als wenn man um sich herum eine ganze Menge essender Lippen und kauender Zähne sieht. – Coeur de rose! ich verabscheue das, und wenn ich namentlich an einer Dame Anteil nehme, so bin ich völlig unglücklich, wenn ich mich neben sie zu Tische setzen muss. Ich verbleibe alsdann das ganze Diner mit niedergeschlagenen Augen."
"Unglücklicher Baron!" versetzte Graf Fohrbach. "Man kennt Ihre niedergeschlagenen Augen. Das ist eines von Ihren unwiderstehlichen Mitteln; Sie schauen nur auf Ihren Teller, um dann plötzlich das neben Ihnen sitzende arme Schlachtopfer mit einem einzigen Blicke niederzuschmettern."
Der Baron lächelte wie ein vollendeter Geck, worauf er vergnügt seine Fingerspitzen besah, dann den aufrecht stehenden Enden seines Schnurrbarts eine noch drohendere Stellung gab, nachdem er seine Cigarre auf das Kamingesims niedergelegt. "Sie tun mir Unrecht," sprach er; "ich versichere Sie, wenn ich zuweilen meine Augen auch aufschlage, so habe ich gewiss niemals die idee, indiscrete Blicke umherzuwerfen. Sagen Sie selbst, meine Herren," wandte er sich an die Uebrigen, "kann man überhaupt zurückgezogener leben, kann man weniger aus sich selbst machen, als ich tue?" Bei diesen Worten und einem Lächeln, das augenscheinlich dazu bestimmt war, seine eigenen Worte Lügen zu strafen, zog er sein Tuch aus der tasche und fuhr zierlich damit an seinem Bart und seinen Lippen umher. Das Wehen des Tuches verbreitete einen eigentümlichen, sehr angenehmen Geruch.
"Da hat er wieder ein neues Odeur entdeckt," sagte Graf Fohrbach, indem er mit der Hand die Luft gegen sich fächelte und dann den Geruch eifrig einsog. "Was Teufel ist das wieder?"
"Das sind seine Geheimnisse," versetzte lächelnd der Major. "Aber es riecht in der Tat nicht unangenehm. Wo bekommen Sie das her, Baron? Wie heisst dieses höchst angenehme Parfum?"
Der also Gefragte wedelte mit seinem Schnupftuche hin und her, dann steckte er es in die tasche und antwortete mit grosser Wichtigkeit: "Sehen Sie, meine Herren, das sind meine Geheimnisse. Jeder Mensch hat die seinigen; der Major, als zweiter Chef