um dich bilden, so dass es aussieht, als läge sie ganz von Bergen eingefasst – eine kostbare goldglänzende Frucht, mitten in einer ungeheuren Felsenschaale, sanft gebettet auf dem saftigen Grün. –
Lasst uns still die Stadt durchschreiten, ich will nicht sehen und gesehen sein, gehen wir hinaus zu einem der Landtore, dem Wege folgend, dessen hohe Ränder mit uralten Aloen bewachsen sind, teils im frischen Safte prangend, auch wohl mit verwelkten Blättern, denn sie trieben einen Blütenstengel, der, dreissig Fuss hoch, nach allen Seiten seine zahlreichen Kronen hinaus streckt, und nun, als er seine Bestimmung erfüllt, vergehen musste. – über eine brücke führt uns der Weg, unten rauscht über die glatten Kiesel ein klares wasser still und behaglich dahin; es fliesst im Schatten grosser Oleanderbüsche, deren prächtige Blumen sich kokett in seinen Wellen spiegeln. An einfachen gelben Häusern kommen wir vorüber, meistens uralten Gebäuden von eigentümlicher malerischer Bauart; man glaubt hinter den vergitterten Fenstern müsste noch heute Turban und Kaftan erscheinen. Schmucklose aber kunstreiche Wasserleitungen lehnen sich an ihre Ecken oder laufen auch wohl auf schlanken Bögen von einem zum andern; Schlingpflanzen umranken sie, schauen aber neugierig in die offene Rinne und das rieselnde wasser, und die tiefer hängenden Blätter schaukeln sich auf der Flut, aufwärts gekehrt und ihre Blüten blicken zu den schlanken Palmen empor, welche die spitzigen Blätter wie schützend über das alte Gemäuer ausstrecken. – Alles hier ist Glut und Glanz, strahlende Lichter und die tiefsten Schatten neben einander, keine nebelhaften, matten Uebergänge wie im kalten Norden. –
So immer weiter wandelnd sind wir langsam aus der Ebene emporgestiegen, und sehen, rückwärts blikkend, die Stadt, die sie umgebenden Gärten, den wunderbaren Berg der heiligen Rosalie, zu seinen Füssen die ruhige, dunkle Bucht, und weiter hinaus das gewaltige Meer, tiefblau und nur an einem Streifen am Horizont bedeckt von Sonnenglanz und Flimmer.
Hier sind wir auch am Ziele. Wir stehen vor einem grossen Tor, das halb von überhängenden Bäumen verdeckt ist, einem Tor mit Eisengittern und tadellosen Wappenschildern. Hinter dem Tore beginnt ein weitläufiger Park, in dem Parke liegt ein grosses Schloss und in dessen prachtvollsten Zimmern ward ich seiner Zeit geboren.
"Ah!" machte Herr Beil, aber so leise, dass es nur wie ein Seufzer klang. Er war mit halb geschlossenen Augen träumend der lebendigen Schilderung gefolgt, er hatte Palermo mit gesehen, er war aus der heissen Sonne in den schattigen Park getreten und sah das Schloss, ja selbst das bezeichnete Zimmer.
Der Baron fuhr sich mit der Hand über die Augen und sagte lächelnd, wie aus einem Traume erwachend: "Ach ja, wir sind Beide noch hier. – War mir doch, als zeigte ich Ihnen die Herrlichkeiten meiner Heimat, knirschte doch ordentlich der Sand unter meinen Füssen; hörte ich doch den Wind durch die Zweige rauschen wie damals."
"Mir war auch so," meinte Herr Beil; "doch ist es das Holz im Ofen, das knirscht und stöhnt, und wenn es auch mit dem Sausen des Winds seine Richtigkeit hat, so streicht er doch leider nicht durch blütenreiche Zweige, sondern spielt mit den ächzenden Windfahnen und den wackeligen Schornsteinen."
"Und mir ist diese wilde Scenerie lieber," fuhr der Baron fort: "ich mag nicht weich gestimmt sein. – Dass ich also geboren wurde, wissen Sie, vorher aber folgten einige für mich nicht unwichtige Ereignisse. Meine Mutter war die Tochter einer der mächtigsten Familien Palermo's, mein Vater aber ein Engländer, der auf einer grossen Vergnügungsreise eines Tages mit seiner Yacht in der Bucht ankerte, an's Land stieg, sich durch gute Empfehlungsbriefe in den besten Häusern einführte, meine Mutter sah, sich in sie verliebte und nicht eher ruhte, bis ihr Vater, der Marchese von B., zu einer Heirat mit dem Fremden willigte. Die Geburt meines Vaters stand übrigens der meiner Mutter nicht nach; er war der älteste Sohn des Lord K., einer reichen schottischen Familie, deren Einwilligung zu der Verbindung mit meiner Mutter zu erhalten er als sehr leicht darstellte. Der alte Marchese, dessen Gunst er sich zu erringen gewusst hatte, gab die Heirat zu und etablirte das junge Paar auf dem schloss, von dem ich Ihnen sprach.
Wenn auch mein Vater von seinem Vermögen noch nichts erhalten hatte, so besass er doch Gelder genug, um bis zur erlangten Einwilligung seiner Eltern glänzend leben zu können. Diese Einwilligung aber blieb aus, ja, auf viele Briefe, welche sowohl der Marchese als mein Vater nach Schottland schrieben, erfolgte keine Antwort, und als man sich endlich eines Geschäftsmannes bediente, berichtete dieser, Lord K. habe sich in Folge dieser Heirat von seinem ältesten Sohne losgesagt, ihn enterbt und er existire für ihn gar nicht mehr in der Welt.
Das muss ein harter Schlag für meine Eltern gewesen sein; die Schwestern und Brüder meiner Mutter, in ihrem Stolze gekränkt, zogen sich von ihr zurück, der Marchese von B. starb bald darauf, und da nur ein geringer teil seines Vermögens meiner Mutter zufiel, auch die Gelder meines Vaters ziemlich aufgezehrt waren, so musste man sich einschränken. Uebrigens schien das dem jungen Paar keinen Kummer zu verursachen, sie liebten sich herzlich; ihre Kinder – das war ich und eine Schwester – wuchsen zu ihrer Freude gesund und kräftig heran, kurz, es war immer noch eine glückliche Familie.