Lest Göte's Braut von Korint und ihr habt zu meiner einfachen geschichte einen hochpoetischen Vorgang. – So war es ihr und mir zu Mut. – Und auch gestorben war sie für mich am andern Morgen, denn ich musste mit einem feierlichen Eide geloben, sie in Zukunft nicht mehr zu kennen, möge sie mir begegnen, wo sie wolle und unter welchen Verhältnissen es auch sei."
"Und Sie sahen sie nie wieder?" fragte der Herzog.
"Schon die bejahende Beantwortung dieser Frage, gnädiger Herr, wäre eine Verletzung meines Gelöbnisses, eine Indiskretion. Doch darf ich Ihnen sagen, dass ich Elisen seit jener Stunde nie wieder gesehen."
"Eine seltsame geschichte!" meinte der Major.
"Der man eigentlich hätte genauer nachspüren sollen," bemerkte der Rat. "Denn dass Frau von Z. nicht die Mutter jenes Mädchens war, liegt wohl am Tage. Es wäre das ein Feld für mich gewesen, wer weiss, wohin uns die Fäden geführt hätten! vielleicht zu einem Mädchenraube, vielleicht zum Schlüssel eines Geheimnisses, vornehme Häuser betreffend."
"Das ist die Frage," versetzte der Hausherr. "Dies Mädchen konnte auch eine arme, vater- und mutterlose Waise sein, bei der man gute Anlagen entdeckte und die man zu dem erzog, was sie später wurde."
"Dem mag sein, wie ihm will," nahm der Rat wieder das Wort, "es bleibt immer ein abscheulicher Menschenhandel."
"Was meint denn unser Baron dazu?" fragte der Herzog und wandte den Kopf rückwärts. – "Sie halten sich da so stille hinter mir, dass wir in der Tat nicht wissen, ob Sie noch existiren."
"Ich habe alles Das gehört," erwiderte Herr von Brand mit einer stark vibrirenden stimme. "Was soll ich darüber sagen? Ich kann nur mit Mephisto sprechen: sie ist die Erste nicht."
Bei diesen Worten hatte er sich hinter dem Fauteuil des Herzogs erhoben, und wenn er sich auch zu einem Lächeln zwang, so sah man es doch an seinen verstörten Zügen, an der auffallenden Blässe, die sein Gesicht bedeckte, und an seinen starren Augen, dass es ihm nicht aus dem Herzen komme.
"Baron, Sie sehen sehr angegriffen aus!" rief Graf Fohrbach, der ihn, wie auch die Uebrigen, erstaunt anschaute.
Herr von Brand fuhr sich mit seinem duftenden Taschentuche über das Gesicht und erwiderte: "Ich kann das nicht läugnen; ich fühlte mich schon zu Anfang des ganzen Abends nicht ganz wohl, mochte aber um keinen Preis eine Einladung zur Soirée Seiner Excellenz versäumen. – Doch ist es sehr spät," fuhr er fort, nachdem er auf die Uhr gesehen, "und wenn die Herren noch bei ihrer Sitzung bleiben, so muss ich mich allein zurückziehen."
"Nein, nein!" rief der Herzog, indem er von seinem Sessel aufsprang. "Alle Teufel! schon zwei Uhr! Ich gehe mit; mag bleiben, wer noch will."
Doch erhoben sich auch die Anderen von ihren Sitzen, reichten dem Hausherrn die Hand und fuhren davon.
Nur der Baron Brand schickte seinen Wagen leer nach haus.
Dreiundsechzigstes Kapitel.
Sklavenloos.
Während des Restes der Nacht, mit der unser voriges Kapitel schliesst, ging der Baron Brand einsam durch die Strassen der Residenz. Er schien sich durchaus keinen Weg vorgezeichnet zu haben, sondern schritt gerade aus, und wenn die Strasse sich auf der Seite, wo er gerade wandelte, bog, so folgte er dieser Krümmung unbekümmert darum, dass er vielleicht eine halbe Stunde später wieder auf demselben platz anlangte, von dem er ausgegangen war. Sein Anzug passte nicht für die kalte Nacht; er trug nichts als seinen leichten schwarzen Frack, durch welchen der Wind unbarmherzig pfiff, während in dem tiefen Schnee seine feinen lackirten Stiefel beständig einsanken. Dazu hatte er den Kopf so tief auf die Brust gesenkt und ging so schwankend und ungewiss, dass die Schildwachen ihn für einen betrunkenen nächtlichen Schwärmer hielten und ihm lachend nachblickten. Nur zuweilen erhob er den Kopf und blickte verstört um sich, worauf er auch wohl mit der Hand über die Stirne fuhr, mit den Zähnen knirschte oder die hände zusammen ballte.
Ganz ohne Absicht gelangte er so in die Nähe des Fuchsbau's; hier blieb er dann aber mit einem Male stehen, blickte in die Höhe und murmelte etwas vor sich hin. – "Es sind ihrer zu viele, die das gehört," sprach er nach einer Pause mit lauterer stimme; "ja, beim Teufel! wenn ich gewusst hätte, dass dieser Herr von Steinfeld so sorglos in seiner Postchaise heute durch den dunkeln Abend gefahren wäre, ich hätte wohl Mittel gewusst, dem Vorwitzigen ein Schloss vor den Mund zu legen, um ihn zu verhindern, seine leichtsinnigen Geschichten vor der ganzen Welt Preis zu geben. – Teufel! Teufel! ich kann da gar nichts machen, ich bin wehrlos wie ein Kind. Wenn er sie in den nächsten Tagen plötzlich wieder sieht, so muss er sie erkennen, denn sie hat sich nicht viel verändert. – Und wenn er auch wirklich sein gegebenes Versprechen hält und sie nicht wieder erkennen will – oh! da ist ein Wort genug, ein blick, um den Verdacht des alten eifersüchtigen Mannes zu erregen. – Die Aermste!" –
Während dieses Selbstgesprächs hatte er sich dem uns bekannten Durchgange genähert und