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, dass sich der Herzog für meine Tochter interessirt, dass er Alles daran wenden wird, ihre Bekanntschaft zu machen. Und Beides, setzte sie mit einem leichten Lächeln hinzu, lässt sich ja ganz gut vereinigen."

"Alle Wetter! Steinfeld," rief der Herzog, "mir scheint, Sie haben auf meinen Namen gesündigt. Das muss ich mir wahrhaftig ausbitten; habe ich doch das Mädchen nur ein einziges Mal und ganz zufällig gesehen."

"Ich stand erstarrt da," fuhr der Erzähler fort, ohne erst auf diese Einwendung des Herzogs etwas zu erwidern. "Was ich ihr für harte Worte sagte, bin ich nicht im stand euch anzugeben; es ist auch ganz gleichgültig. Nur muss ich leider gestehen, dass nichts vermochte, die freche Stirne dieser Frau erröten zu machen. Sie setzte mir mit klaren Worten auseinander, die sorgfältige Erziehung ihrer Tochter habe ihr kleines Vermögen verschlungen, sie befinde sich dem Nichts gegenüber, wenn es ihr nicht gelinge, einen derartigen glänzenden Sort für Elisen zu finden."

"Steinfeld ist ein Verräter!" rief der Herzog halb im Ernste, halb im Scherze. "Gesteht, meine Herren, wenn er als Freund handeln wollte, so musste er mir augenblicklich sagen: das habe ich erlebt, das bietet man Ihnen; was denken Sie davon?"

Der Erzähler warf einen eigentümlichen blick auf Seine Durchlaucht und entgegnete mit kaltem, ironischem Tone: "Abgesehen davon, gnädiger Herr, dass sich in diesem Falle Frau von Z. wirklich nicht in mir geirrt hätte, und ich in dieserdelikaten Angelegenheit fähig gewesen wäre, einen Unterhändler abzugeben, so wollte ich hauptsächlich Ihre Kasse schonen, welcher es gerade in dem Augenblicke sehr wehe getan hätte, so zehntausend Gulden wegzuwerfen."

"Zehntausend Gulden!" sagte nachdenkend der Major. "Das ist allerdings eine schöne Summe."

"Welche mir die Mutter mit der grössten Ruhe als Kaufpreis für ihre Tochter vorschlug."

"Das ist ja völliger Sklavenhandel," mischte sich der Rat kopfschüttelnd in das Gespräch.

"Aber ein sehr erlaubter," entgegnete Herr von Steinfeld mit bitterem Tone. "Um solche Kleinigkeiten bekümmern sich unsere Philantrophen nicht. – Doch bleiben wir bei unserer geschichte. Ich nahm meinen Hut, verliess Zimmer und Haus auf eine etwas stürmische Art, und irrte stundenlang in den Strassen umher, ehe es mir gelang, meiner tiefen und schmerzlichen Bewegung Herr zu werden. Als ich nach haus zurückkehrte, fand ich einen Brief der Frau von Z., den ich begreiflicherweise sogleich vernichtete. Den andern Tag kam ein zweiter, ein dritter, die ich alle nicht las, also auch nicht beantworten konnte, worauf denn am darauf folgenden Morgen sie selbst in mein Zimmer trat und mich beschwor, unsere Unterredung zu vergessen. Sie sei allerdings zu weit gegangen, sagte sie, und bedaure das unendlich, bitte mich aber dringend, heute noch ihre Tochter zu besuchen, da Elisedas versicherte sie mich mit einem feierlichen Schwurenicht eine Silbe von allem Dem wisse und nicht begreifen könne, wesshalb ich mehrere Tage nicht gekommen sei. – Der Mensch ist schwach; ich liess mich also erbitten und ging den andern Tag wieder hin. Das Mädchen war allein, machte mir zärtliche Vorwürfe über mein Ausbleiben, war aber sonst unbefangen und natürlich wie immer. War ich ja doch schon vorher vollkommen überzeugt, dass sie nicht das Geringste wusste von dem Verkauf, den ihre eigene Mutter mit ihr beabsichtigte! Mich aber hatte diese geschichte einigermassen erkältet, nicht sowohl gegen Elise selbst, als gegen ein verhältnis, das auf so trauriger Unterlage zu ruhen schien. Wie gesagt, ich war überzeugt, dass sie keine Ahnung von dem Vorhaben ihrer Mutter hatte; aber ich war nicht mehr im stand, ihr frei und offen wie früher in die Augen zu sehen. Mir schien der Duft von ihrem Leben hinweggewischt, und in meinen Träumereien sah ich immer eine fremde kalte Hand, die gewaltsam diese Blüte entblättern, dies gute, reine Herz zerstören werde. –

Glücklicherweise hatte ich schon vor dieser Begebenheit von einer Reise gesprochen, die mich einige Zeit von W. fern halten werde. Ich sagte also in den nächsten Tagen, dass mich meine Geschäfte hinweg riefen, und reiste ab. Elise warf sich mir, ehe ich sie verliess, laut weinend in die arme und drang so lange in mich, bis ich ihr feierlich versprach, sobald als möglich zurückzukehren. Nun hoffte ich aber, die Zerstreuung auf dieser Reise würde mich das Mädchen so weit vergessen machen, um, wenn ich je wieder nach W. käme, im stand zu sein, dies verhältnis nach und nach aufzulösen. – Aber dem war leider nicht so: je mehr Tage und Meilen mich von ihr trennten, desto frischer und lebendiger trat ihr Bild im Wachen und Träumen vor mich; nichts war im stand, es zu verwischen, nicht die fremden Städte und Länder, die ich sah, nicht die Zerstreuungen, in welche ich mich gewaltsam stürzte, und ich eilte in einer wirklich fieberhaften Hast immer weiter und weiter, um mir selbst die Möglichkeit abzuschneiden, früher als ich gewollt nach W. zurückzukehren."

"Ah! das waren die dringenden Geschäfte in England, von denen ich damals so viel hören musste," bemerkte der Herzog. "Nun, lange genug blieben Sie aus."

"Musste aber doch endlich zurückkehren," fuhr der Erzähler achselzuckend