so edles und reines geschöpf, dabei so unschuldig und wohlerzogen, dass ich es für ein grosses Glück ansah, wenn ich nur ihre Hand ergreifen und sie leise küssen durfte. – Aber," fuhr er nach einer Pause fort, "solche Liebesgeschichten sind für Dritte höchst langweilig; ich musste jedoch der Tatsache erwähnen. Doch gehen wir darüber hinweg, und bitte ich Sie nur noch, meinem Worte Glauben schenken zu wollen, wenn ich Ihnen sage, dass ich es mit einem vollkommen unverdorbenen Wesen zu tun hatte. –
In all' der Zeit hatte mich die Mutter nie mit irgend einer Frage belästigt, welche mein Herkommen, meinen Stand, mein Vermögen oder dergleichen betraf, Elise noch viel weniger; ja sie wich jedem Gespräch aus, das auf dieses Tema führen konnte, und pflegte mir oft, nicht ohne Anflug von Schmerz, zu sagen, wenn ich über Vergangenheit oder Zukunft sprechen wollte: lassen Sie das; mir ist das Alles wie ein schöner Traum, – träumen wir ihn fort bis zum Erwachen; Gott allein mag wissen, ob dies Erwachen für mich schön oder traurig sein wird." –
"Nun, deine Reden über die Zukunft," unterbrach ihn Graf Fohrbach, "werden doch für das arme Mädchen nicht gerade sehr angenehm gewesen sein, denn du dachtest doch gewiss nie an eine Heirat."
"Offenherzig gestanden, es gab Momente, wo ich wohl daran dachte, bis mir alsdann wieder die immer etwas rätselhafte Mutter vor Augen trat. Das kann ich euch versichern: hätte ich dieses Mädchen in irgend einer noch so bescheidenen, aber anständigen und geachteten Bürgerfamilie gefunden, ich würde Alles daran gesetzt haben, sie zu meiner Frau zu machen; und ich bin überzeugt, dass ich mit ihr vollkommen glücklich geworden wäre. – Aber die Verhältnisse hier waren anders."
Bei diesen Worten fuhr er sich mit der Hand über das Gesicht und blickte ein paar Sekunden in das lodernde Kaminfeuer, zog seine Augenbrauen dichter zusammen und fuhr dann fort:
"Eines Tages ging ich wie gewöhnlich nach ihrem haus und fand Frau von Z. allein; ihre Tochter sei ausgegangen, sagte sie. Das war nun schon öfter vorgekommen, befremdete mich auch desswegen nicht, und ich setzte mich in eine Ecke des Sopha's, um sie zu erwarten. Auf meine Frage aber, ob Elise bald kommen werde, erwiderte sie: nein; ich habe sie zu einer Bekannten geschickt, um mit Ihnen einige Worte sprechen zu können. – Sie kommen jetzt, sagte Frau von Z., einige Wochen in mein Haus, Sie erweisen meiner Tochter alle möglichen Aufmerksamkeiten, ja Sie werden mir nicht leugnen können, dass Sie mit derselben bereits ein kleines verhältnis angeknüpft haben. – Ich zuckte beistimmend die Achseln. – Alles Ding in dieser Welt aber, fuhr sie fort, muss doch am Ende ein Ziel haben, und ich möchte Sie nun fragen, welches Sie sich in dieser Angelegenheit eigentlich vorgesteckt haben. – Darauf war nun schwer zu antworten; ich gab ihr allerdings zu, dass mich Elise ausserordentlich interessire, dass ich gern in ihrer Gesellschaft sei, ja, dass ich eine Neigung für sie habe. – Doch werden Sie unmöglich an eine Heirat denken können, entgegnete sie lächelnd. Ich kenne Ihre Verhältnisse ganz genau, obgleich wir, wie Sie selbst wissen, nie darüber sprachen. Sie sind der und der; Sie haben kein bedeutendes Vermögen, und begleiten in diesem Augenblicke Seine Durchlaucht, den Herrn Herzog Alfred von D., dessen Vertrauter und Freund Sie sind."
"Alle Teufel!" machte der Herzog. "Die geschichte fängt an, mich zu interessiren."
"Das Alles konnte ich nicht leugnen," erzählte Herr von Steinfeld weiter. – "Seien Sie offenherzig", fuhr Frau von Z. fort; "glauben Sie mir, ich kenne die Welt und also auch die jungen Kavaliere. – Sie machen meiner Tochter den Hof, Sie bringen ihr Blumen, Sie küssen ihr die Hand, aber dabei werden Sie nicht stehen bleiben wollen. – Ich muss gestehen, dass mich diese Worte auf's Höchste überraschten, denn sie sagte das ohne alle Erregung in einem unheimlich kalten Geschäftstone; und obgleich mich ihre Reden eigentlich empörten, so konnte ich es doch nicht unterlassen, ihr auf ihre wiederholte Frage ganz in der gleichen Art zu antworten. – Nun gut, sagte ich, da Sie also die Welt und die jungen Kavaliere so genau kennen, so will ich Ihnen recht gern eingestehen, dass ich wie diese denke und fühle, und in der Tat einem schönen jungen Mädchen nicht den Hof mache, um bei einem Handkuss stehen zu bleiben. – Schön, versetzte sie, Ihre Offenherzigkeit gefällt mir. Wir werden uns leicht vereinigen. – Ich nehme an, fuhr sie nach einer Pause fort, dass Sie eigentlich im Auftrage des Herrn Herzogs zu uns kommen. – Ihr könnt euch denken, dass ich bei diesen Worten entrüstet in die Höhe sprang, und schon im Begriffe war, ihr eine heftige Erwiderung zu geben; doch dachte ich: du hast sie falsch verstanden, und bat sie in einem strengen Tone um eine Erklärung ihrer Worte. Sie sah mich verwundert an und entgegnete mir mit der grössten Ruhe: Sie müssen mich nicht missverstehen; allerdings weiss ich, dass Sie Elisen, wenn ich mich so ausdrükken darf, für eigene Rechnung den Hof machen, aber ebenso weiss ich