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, dann aber mussten ihn die Damen entdeckt haben; genug, sie liessen den Wagen halten und die Alte rief dem Kutscher zu, er solle nachsehen, wer hinten aufstände, sie hätten keinen Bedienten und brauchten auch keinen, und er solle sie augenblicklich verlassen. – Was war zu machen? Baptist kletterte hinab und musste sich bequemen, hinter dem Wagen, der im scharfen Trabe fuhr, zu laufen. So ging es durch die ganze Stadt, zum entgegengesetzten Tore hinaus und nach einer der entlegensten Vorstädte. Baptist aber blieb ausdauernd bei dem Wagen, bis dieser endlich vor einem haus hielt, und dort hatte er obendrein die Kühnheit, den Schlag zu öffnen, um den Damen beim Aussteigen behilflich zu sein. Doch stiess die jüngere verächtlich seine Hand zurück, und die ältere hielt ihm eine Strafpredigt und sagte, sie hätte wohl nicht übel Lust, die Polizei herbeirufen zu lassen, damit sie geschützt sei vor Unberufenen und Spionen. Baptist entschuldigte sich mit dem Befehl seines Herrn, der ihn beauftragt habe, um jeden Preis zu erfahren, wo die beiden Damen wohnen, worauf dieser Herr auch nicht ohne einige kräftige Bemerkungen davon kam. Dann gingen sie in's Haus, riegelten hinter sich zu und liessen Baptist einigermassen verdutzt auf der Strasse stehen. Doch merkte er sich genau die Hausnummer, und da es für Nachforschungen zu spät war, so stellte er sie den andern Morgen in aller Frühe an und erfuhr, die ältere Dame sei eine witwe, Frau von Z., das Mädchen ihre Tochter Elise, und Beide erst seit ungefähr einem halben Jahre in der Stadt. Woher sie gekommen, konnte man ihm nicht sagen."

"Das war eigentlich eine kräftige Abweisung," sagte der Rat. – "Ich hätte mich darnach um keinen Preis mehr in der Strasse sehen lassen. – Und die Sache war aus?" fragte er.

"Nein, mein Lieber," erwiderte Herr von Steinfeld; "sie fing hierauf erst recht an. Ich hatte nun begreiflicherweise nichts Eiligeres zu tun, als mich hinzusetzen und ungefähr folgenden Brief zu schreiben: Gnädige Frau! – Ich bin in Verzweiflung. – Durch die ungeschickte Zudringlichkeit meines Bedienten ist Ihnen gestern Abend, wie ich soeben zu meinem grössten Schrecken erfuhr, ein unangenehmer Moment bereitet worden, was mir um so schmerzlicher ist, da mein Bedienter, wie ich vernommen, einen Auftrag von mir vorschützte, der ihn veranlasste, Sie auf so rücksichtslose Weise vom Teater bis in Ihre wohnung zu verfolgen. – Leider muss ich bekennen, dass ich nicht ganz ohne Schuld bin; doch als ich, ich gestehe es, überrascht von dem Anblick Ihrer fräulein Tochter, mich erkundigte, welcher Familie sie angehöre, geschah dies gewiss nicht in der Absicht, Ihnen durch Nachforschungen irgend welcher Art lästig zu fallen, wie in der Tat geschehen. Da ich es nun aber für eine dringende Pflicht halte, Sie, gnädige Frau, wegen der Ungeschicklichkeit meines Dieners um Verzeihung zu bitten, würde ich es als die grösste Gunst ansehen, wenn Sie mir eine Stunde bestimmen wollten, in welcher es mir vergönnt wäre, Ihnen zu sagen, wie unendlich ich den gestrigen Vorfall bedaure etc."

"Brrr!" machte der Major. "Damit zogst du eigentlich ärger an der Klingel als dein Bedienter."

"Nein, nein!" lachte der Herzog. "Er sprach durch die Blume per Besenstiel."

"Es war allerdings ein gewagter Schritt," fuhr der Erzähler fort, "so mit der tür in's Haus zu fallen. Aber was konnte daraus erfolgen? – Gab sie mir keine Antwort, so musste ich einen andern Weg einschlagen oder von der ganzen geschichte abstehen. An das Mädchen hätte ich auf diese Weise nicht geschrieben, aber der pfiffige Baptist, der in der ganzen Stadt seine Verbindungen hatte, versicherte mich, Mutter und Tochter seien zwei ganz verschiedene Naturen. Mit der Alten sei es, wie man ihm gesagt, nicht ganz richtig, aber das Mädchen sei in jeder Hinsicht ein wahrer Engel. – Genug, ich schrieb; schickte aber den Brief durch meinen eigenen Bedienten, und erhielt am andern Tage die Antwort, Frau von Z. sei geneigt, meine Entschuldigung anzunehmen. – Dass ich mich zur bezeichneten Stunde hin begab, brauche ich wohl nicht zu erwähnen."

"Aber ich muss beifügen, dass dies in meinem Wagen geschah," sagte der Herzog. "Gütiger Himmel! wozu habe ich damals nicht dienen müssen."

"Ich gestehe, gnädiger Herr, dass ich allerdings Ihren Wagen nahm, muss aber dabei bemerken, dass er mir von der Mutter sogleich bei meiner Ankunft die Bemerkung eintrug, es sei durchaus nicht artig von mir, die erhaltene erlaubnis zu missbrauchen, indem ich in ihrer kleinen bescheidenen Strasse mit der glänzenden Equipage ein solches aufsehen hervorrufe. Ich nahm auch geduldig diese Zurechtweisung hin und bat demütig für meine beiden Vergehen um Verzeihung. Madame empfing mich allein in ihrem Zimmer; es war das eine wohnung, bescheiden aber anständig möblirt. Ich zog mich aus der geschichte des gestrigen Abends so gut als es eben gehen wollte, indem ich versicherte, der Anblick ihrer Tochter habe auf mein Herz einen unauslöschlichen Eindruck gemacht."

"Und das hörte sie geduldig an?" fragte der Major.

"Sie lächelte dazu," fuhr Steinfeld fort, "und ich sah, dass Baptist in dem einen Teile seines Berichtes vollkommen Recht hatte