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entusiastisch fort. "Doch bleiben wir ruhig bei unserer Erzählung. – In meiner übergrossen Bescheidenheit dachte ich anfänglich, die Blicke, die sie zuweilen herauf sandte, können mir unmöglich gelten; ich wollte desshalb eine probe machen, verliess die Loge und stellte mich im Parterre so auf, dass jenes Mädchen, wenn sie nach rechts schaute, mich sehen konnte. Hier geriet ich aber in eine Gruppe junger Leute meiner Bekanntschaft, Kavaliere der reichsten Häuser, Offiziere, die sich alle mit mir in der gleichen Absicht da versammelt hatten." – "Dass Sie daher kommen," rief mir Einer zu, "finde ich vollkommen begreiflich; Ihrem blick entgeht dergleichen nicht." – Sie meinen jene Dame mit dem schwarzen Haar in der Parterreloge? fragte ich. – "Ah! gehen Sie weg, Sie Heuchler!" lachte ein Anderer, "wer wird nach dem schwarzen Haar sehen, wenn man ein so wundervolles Blond vor sich hat?" – kennen Sie das Mädchen? – "Ich nicht." Und Sie? – "Keiner von uns Allen kennt sie; und das will viel sagen," so sprach ein Dritter. "Sie kann noch nicht lange hier sein." – "Und das ist wohl Ihre Mutter, die neben ihr sitzt?" – Es scheint so. – "Aber haben Sie je etwas Schöneres gesehen als das Mädchen?" – "Nein, nein," sagten die Anderen. Und so ging es eine Weile fort.

"Hatte das Mädchen nun bemerkt, dass sie der Gegenstand dieser Aufmerksamkeit war, genug, sie blickte längere Zeit nur auf die Bühne oder sprach mit ihrer Nachbarin. Endlich aber erhob sie ihre Augen wieder und sah nach unserer Loge hinauf. Ich muss gestehen, mir schlug das Herz, denn wahrhaftig, es kam mir vor, als suche sie dort Etwas. – Ich hatte mich in die vordere Reihe meiner Bekannten gedrängt und schaute mit der gespanntesten Aufmerksamkeit nach ihr hin. – Richtig! sie senkte jetzt langsam den blick; ihre Augen fanden die meinigen, und dass sie gerade mich gesucht und gefunden, das sagte mir ein süsses Gefühl in meinem Herzen."

"Glückseliger Hugo!" sprach zerstreut Graf Fohrbach.

"Dass ich an meinem platz stehen blieb, könnt ihr euch denken."

"Und mich liess er allein in der Loge, der Undankbare! – Aber nur weiter; ich bin überzeugt, wir werden in dem Punkte noch schrecklichere Dinge zu hören bekommen."

"Von dem Stücke sah ich begreiflicherweise gar nichts," fuhr Herr von Steinfeld fort; "auch war es wahrhaftig zu rasch für mich zu Ende. Während des letzten Aktes aber ging ich hinaus und suchte unsern vortrefflichen Lohnbedienten. Der kannte sämmtliche gewisse junge Damen der ganzen Stadt; doch es wäre mir schrecklich gewesen, wenn er auch diese gekannt hätte. Aber ohne seine Hilfe konnte ich nichts unternehmen, konnte ich nicht erfahren, wer die Damen seien oder wo sie wohnten. Auch war ich überzeugt, dass sich meine sämmtlichen Bekannten in ihren Weg drängen und den Versuch machen würden, ein Wort anzubringen. Und das wollte ich für meine person gerade vermeiden. Ich begab mich desshalb mit Baptist an die Ausgangstüre, um zu warten, bis sie heraus käme. Dabei geschah nun, was ich vorhin andeutete: alle die jungen Leute, die sie während der Vorstellung angestaunt, schwärmten um sie herum; ja die Kecksten wagten es, die ältere Dame oder sogar sie selbst anzusprechen. Doch hatten Beide ihre Schleier herabgelassen und würdigten keine Frage einer Antwort; sie schritten so rasch durch die Menge dahin, dass Baptist kaum Zeit hatte, sie in Augenschein zu nehmen; doch genügte ihm ein einziger blick, um mich versichern zu können, dass das Mädchen sowie die ältere Frau ihm gänzlich unbekannt seien. – Aber ich muss um jeden Preis erfahren, entgegnete ich ihm, wenigstens wo sie wohnen. Baptist, Ihre Belohnung für diese Nachricht soll glänzend sein."

"Er nickte mit dem kopf und folgte den Damen so schnell, als es das Gewühl erlaubte. Diese hatten das Haus bereits verlassen und schritten über die Strasse, einem Fiaker zu, der auf sie zu warten schien. Ohne sich aufzuhalten, stiegen sie in den Wagen, zogen den Schlag hinter sich zu, und der Kutscher fuhr davonaber nicht ohne den vortrefflichen Baptist. Dieser hatte sich hinten aufgeschwungen, und während er sich auf dem Trittbrette als Lakai einrichtete und die Quasten des Wagens ergriff, nickte er mir zu, als wollte er sagen: seien Sie vollkommen ruhig; die Sache ist bestens eingefädelt."

"Und so verlor ich für den Abend meinen Begleiter und meinen Lohnlakaien," sagte der Herzog. "Ich musste eine Viertelstunde warten, ehe es unserem vortrefflichen Freunde hier einfiel, nach mir und meinem Wagen zu sehen."

"Bedenken Sie aber das Gedränge, gnädigster Herr," entgegnete lachend der Erzähler, "diese Foule von Menschen und Wagen; Sie hätten ja doch nicht nach haus gekonnt. – Wahrhaftig, auf mich brauchten Sie keine Sekunde zu warten."

"Aber auf den Lohnbedienten wartete ich den ganzen Abend vergebens."

"Das kann ich Eurer Durchlaucht nicht leugnen. Er liess sich erst am andern Morgen wieder im Hotel sehen, ummir Bericht zu erstatten."

"Als Bedienter hinten auf dem Wagen war er vom Schauspielhause weg durch einige Strassen glücklich mitgefahren