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Sie an die Polizei." – Er hoffte bei diesen Worten irgend eine Aenderung auf dem offenen und freundlich lächelnden gesicht des Herrn von Brand zu entdekken, hatte sich aber vollkommen geirrt, da zuckte keine Miene, da verriet nicht der mindeste Schatten eine Ueberraschung oder Bewegung.

"An die Polizei soll ich denken? – Wie so?" fragte er ganz ruhig. "Coeur de rose! was hat die mit schönen Mädchen zu tun?"

"O Sie Undankbarer!" erwiderte der Hausherr. "Soll ich wirklich Ihre Sünden offenbaren? Habe ich denn nicht gesehen, wie Sie der schönen Auguste im Wintergarten eifrig die Hand geküsst!"

"Hätte ich das wirklich getan?" fragte Herr von Brand, sich affektirt besinnend. – "Ja es ist möglich. Gott! in dem Gewühl passirt Einem so Manches!"

"Er ist ein Don Juan," sagte entschieden der Herzog. "Aber er mag sich stellen wie er will, mit der Tochter des Polizei-Präsidenten hat es noch einen anderen Haken; ich habe allerlei darüber munkeln gehört."

"Die alte geschichte!" entgegnete achselzuckend der Baron. "Weiss Gott im Himmel, ich werde noch ein Einsiedler werden müssen, um allem Gerede zu entgehen."

In diesem Augenblicke erhob sich im Vorzimmer ein so lautes und anhaltendes lachen, dass sämmtliche Herren erstaunt aufhorchten. Es war das ein so lustiges Gelächter, dass es unmöglich von einem der Bedienten herkommen konnte. – Es musste ein Fremder und doch Bekannter sein.

Gleich darauf vernahm man auch die stimme des Kammerdieners, der mit Entrüstung sagte: "Aber mein Herr, es ist keine Zeit, dem Herrn Grafen einen Besuch zu machen; überhaupt dringt man unangemeldet nicht da hinein." – "Lassen Sie mich nur," erwiderte die stimme; "Sie werden sich einen Dank verdienen, wenn Sie mir helfen, den Grafen zu überraschen."

Dabei wurde die Tür geöffnet und es trat leicht und gewandt ein junger Mann in das Zimmer, der aber in seinem sonderbaren Anzuge durchaus nicht zu den schwarzen Fräcken, den weissen Hals- und Ordensbändern hier passte.

Es mochte das ein Mann von vielleicht dreissig Jahren sein, hoch und schlank gewachsen, aber dabei breitschulterig und von energischem, kräftigen Wesen. Man sah das an der Art, wie er in das Zimmer schritt, wie er seinen Kopf trug und an der abweisenden und gebieterischen Handbewegung, die er gegen die Bedienten machte, welche ihm folgen zu wollen schienen. Er trug einen kurzen und dicken Reiserock, hatte um den Hals einen Shawl gewickelt und an den Füssen Pelzstiefel, die ihm bis zum Knie reichten; eine Mütze hielt er in der Hand, doch war diese Hand klein und zierlich und mit feinen lederfarbenen Glacéhandschuhen bedeckt.

Der junge Mann schritt lächelnd auf den erstaunten Kreis der Herren zu, die am Kamine sassen, und wusste dabei so zu manövriren, dass man sein Gesicht nicht eher deutlich sah, bis er sich mitten in der Gruppe befand, und es von dem Feuer und den Wachskerzen hell beschienen wurde.

Ein Ausruf der Ueberraschung und der Freude entfuhr nun aber dem mund fast aller Anwesenden.

"Ist denn das ein Gespenst!" schrie der Herzog. – "Hol' Sie der Teufel! Wo kommen Sie her?"

"Bist du es wirklich, Hugo?" rief Graf Fohrbach, der aufgesprungen war und dem Angekommenen herzlich die Hand schüttelte. – "Wo kommst du her?"

"Dass ich kein Gespenst bin, gnädiger Herr," entgegnete der im Reiseanzug lachend, "können Sie erfahren, wenn Sie die Gnade haben wollen, mir Ihre Hand zu reichen. – So! – Dass ich direkt von einer Reise komme, werdet ihr übrigens meinem Aeussern anmerken."

"Er ist immer noch der Alte," versetzte der Herzog, während er seine Finger rieb, die ihm Jener etwas heftig gedrückt hatte. – "Aber jetzt lassen Sie sich nieder, unsteter Mensch, und berichten Sie ordentlich, in welchem Weltteil Sie zuletzt waren!"

Ehe der Angekommene diesem Befehle Folge leistete, blickte er sich rings im Kreise um, reichte dem Rat freundlich die Hand und machte eine stumme Verbeugung gegen Artur und den Baron Brand, die er beide noch nicht kannte. Der Letztere stand ihm aufrecht gegenüber, und als sich diese beiden Männer nun plötzlich anblickten, wichen sie, obgleich kaum bemerkbar, vor einander zurück. – Der Baron fasste sich übrigens augenblicklich wieder und lächelte so unbefangen wie vorher. Der Andere fuhr mit der Hand über das Gesicht bis zum vollen blonden Barte hinab und verbeugte sich leicht, als Graf Fohrbach sagte: "Baron von BrandHugo von SteinfeldArtur ErichsenBeide gute Bekannte und Freunde."

"Ehe ich mich niedersetzen kann," sprach Herr von Steinfeld, "muss ich Sie vorher um erlaubnis bitten, gnädiger Herr, eine kleine Toilette machen zu dürfen. – Du gibst mir wohl einen leichten Rock," wandte er sich an den Grafen, "und erlaubst, dass ich mir in deinem Schlafzimmer die schweren Stiefel ausziehen lasse. – Apropos! deine Dienerschaft hätte mich bald zur tür hinaus geworfen."

"Sie hätten Ihren Namen sagen sollen!" lachte der Herzog. "Durch das viele Bartwerk in Ihrem Gesicht sind Sie sogar für Ihre besten Freunde unkenntlich geworden."

"Dazu rechnen Euer Durchlaucht doch wohl nicht die Bedienten?"

"Du