nach einer grossen Soirée noch eine Stunde ruhig eine Cigarre beisammen rauchen zu können. Er hoffte, der Herzog werde ihn zum Dableiben nötigen; doch schien dieser etwas an Schwerhörigkeit zu leiden, denn er versicherte den Herrn von Dankwart, er fände es vollkommen begreiflich, dass er, ein kleiner, schwacher Mann, sich bei seiner Lebhaftigkeit von einer solchen Soirée höchst angegriffen fühle, und er nehme es ihm durchaus nicht übel, wenn er sich augenblicklich zurückziehe.
So musste er denn das Zimmer verlassen und sich zu seinem Wagen begeben. Umsonst versuchte er es, mit dem Hausherrn ein interessantes Pferdegespräch anzuknüpfen: der Graf achtete nicht darauf; umsonst streckte er seine hände rechts und links aus: es war Niemand da, der Lust hatte, sie zu drücken; und so schlich er sich denn hinaus, liess sich den Mantel umgeben, wobei er dachte, es sei doch für einen feinfühlenden Mann sehr unangenehm, in eine Gesellschaft zu geraten, die im Punkte der guten Lebensart so sehr weit zurück sei.
Im kleinen Arbeits-Kabinet etablirten sich unterdessen die Herren auf eine bequeme und angenehme Art. Um das lodernde Kaminfeuer hatte der Kammerdiener alle möglichen Fauteuils gestellt, auch kleine Divans, und darauf machte es sich Jeder so bequem, wie nur irgend möglich. Dem Herzog hatte man die rechte Ecke eingeräumt, und er lag lang ausgestreckt in einer Chaiselongue, mit grosser Behaglichkeit ein Glas Punsch schlürfend und den Dampf aus seiner Cigarre ziehend. Hinter ihm lehnte aufrecht in der Ecke Baron von Brand, dessen Anzug noch so korrekt und untadelhaft war, als habe er soeben erst das Ankleidezimmer verlassen, was man von den übrigen Herren nicht sagen konnte; hier bemerkte man eine gelockerte Halsbinde, dort einen über der Weste schief zugeknöpften Frack; ja, der Herzog hatte sein grosses Ordensband über die Schulter geworfen und es hing solchergestalt über die Lehne herab. Der Major von S. sass in der anderen Ecke ebenso bequem, wie Seine Durchlaucht in dieser; der neue Rat, Eduard von B., hatte tausendmal um Entschuldigung gebeten, dass er eine Stellung annehmen müsse, die sich eigentlich nicht mit der Etikette vereinbaren lasse, aber es sei ihm unmöglich, den rechten Fuss mit einem etwas zu engen Stiefel auf den Boden niederhängen zu lassen. Artur sass gerade vor dem Kamine auf einem niedrigen Sessel und betrachtete aufmerksam die Züge des Herzogs, die er vor ein paar Tagen auf die Leinwand zu skizziren angefangen.
So sass die Gesellschaft rauchend und trinkend und unterhielt sich von der vergangenen Soirée, wobei mancherlei sehr Pikantes vorkam; namentlich waren die Erzählungen des Herzogs mit den sonderbarsten Einfällen und Bemerkungen gewürzt.
"Ich habe mich übermässig angestrengt," sagte er unter Anderem, "und mit einer wahren Aufopferung getanzt. – Steh' mir Einer in Gnaden bei! – aber es ist wahrhaftig keine Kleinigkeit, all' Das aushalten zu müssen. – Sie, Baron Brand," wandte er sich an diesen, "habe ich recht vermisst. – Wo zum Teufel staken Sie denn fast den ganzen Abend? – Schau mir Einer seine Toilette an und sage mir, ob der Mann nur einen einzigen Schritt getanzt haben kann?"
"Da sind Euer Durchlaucht sehr im Irrtum," erwiderte der Angeredete und warf einen wohlgefälligen blick in den Spiegel. "Im Gegenteil: ich habe sehr tüchtig getanzt; aber man hat seine Bewegungen in der Gewalt; man echauffirt sich nie; man behält immer noch etwas übrig und gibt sich nie ganz aus."
"Das ist ein schönes Kompliment für uns!" lachte der Herzog. – "Also wir haben uns vollkommen ausgegeben, sind fertig – ganz hallale? – Aber Scherz bei Seite, Baron, ich habe mehrmals scharf nach Ihnen ausgeschaut und hätte gern von Ihnen profitiren mögen; ein paarmal wäre mir Ihr coeur de rose recht erwünscht gekommen. Aber wenn man Sie braucht, sind Sie nicht da."
"Er war anderweitig sehr beschäftigt," sagte wichtig der Rat.
"Ja, Baron," meinte der Major, "wenn man aus der Schule schwätzen wollte!" –
"Allons, meine Herren! keine Geheimnisse!" rief der Herzog. "Wir sind ja ganz unter uns. – Welchem Ehemann ist er gefährlich geworden?"
"Ich sah ihn mit der Baronin von W. eifrig conversiren," versetzte der Rat.
"Und ich kann schwören, dass er der Oberstofmeisterin bedeutend die Cour machte."
Der Baron lächelte wohlgefällig und drückte so kokett als möglich sein duftendes Battisttuch an die Lippen. "Nur zu, meine Herren," sagte er, "nur zu, ich halte stille. Ah! ich sehe, dort unser Maler will auch über mich herfallen, und ich muss gestehen, der hat mich wenigstens nicht hinterlistig belauscht, sondern trat mir offen entgegen, als ich in einer sehr angenehmen und eifrigen Konversation begriffen war. – Aber – Stillschweigen," setzte er mit einem sehr süssen Lächeln hinzu, indem er den Finger auf den Mund legte.
"Und an mich denken Sie nicht?" fragte Graf Fohrbach. "Nehmen Sie sich zusammen! Ich könnte Ihrer Sünden schlimmste aufdecken."
"Sie? Da wär' ich begierig."
Der Graf wandte den Kopf herum und blickte den Baron einige Sekunden fest an; dann nahm er die Cigarre, aus welcher er sehr bedächtig einen langen Zug getan, leicht in die Hand und sagte: "Baron, denken