schien, um eines der transparenten Rosenbouquete zu betrachten, neben welchen sie stand, in Wirklichkeit aber, um ihr glühendes Gesicht zu verbergen.
Von den Worten, die sie mit dem Grafen gewechselt, konnte die Andere nichts verstanden haben: sie waren zu leise gesprochen worden, und diese war zu weit entfernt gewesen. Darauf baute denn auch der junge Mann, und während sich die kleine Hofdame näherte, wandte er sich nochmals an Eugenie und wiederholte dringend seine Frage.
Ehe diese antworten konnte, eilte die Andere aus ihrem Schmollwinkel herbei, sie hatte einen blick in den Wintergarten geworfen, und rief mit komischer Angst: "Gerechter Gott! Eugenie, wir müssen verschwinden, dort kommt der allerhöchste Hof. Rückwärts können wir nicht hinaus, also rasch vorwärts, dass wir nicht von so vielen erstaunten Augen hier im innersten Heiligtum betroffen werden! – Kommen Sie!"
Damit sprang sie lebhaft die Treppen hinab, die in den Wintergarten führten, und Eugenie folgte ihr. Doch blieb diese oben auf der Treppe, gedeckt von dem uns schon bekannten Camelienstrauche, noch einen Augenblick stehen, wandte sich rasch um und bot dem jungen mann, der hinter sie getreten war, ihre Hand, wobei sie mit leiser stimme sagte: "Ja, Graf Fohrbach, ich sage Ja aus vollem Herzen."
Er blieb oben stehen, sie aber schwebte die Treppen hinab, die schöne, schlanke, majestätische Gestalt, und als sie nun dem allerhöchsten hof, der wirklich durch den Wintergarten daher kam, begegnete, und sich graziös vor den Herrschaften verneigte, konnte man nichts Reizenderes und Anmutigeres sehen.
"Ah! welches Glück!" sprach der Graf tief aufatmend, und drückte seine hände fest auf die Brust. "Das ist ein seliger Augenblick, wie ihn ein Glücklicher nur einmal in diesem Leben geniesst."
Zweiundsechzigstes Kapitel.
Eine einfache geschichte.
Die Soirée, von der wir im vorhergehenden Kapitel dem geneigten Leser Einiges mitgeteilt, machte nun alle Stadien durch, wie überhaupt sämmtliche Feste dieser Art. Man tanzte, man spielte, man plauderte, man soupirte, die Lichter brannten herab, die Pflanzen bedeckten sich mit feinem Staube, die Carcelllampen auf den Kronleuchtern und in den Gruppen fingen an trübe zu brennen und zu glucksen, die Konversation wurde matter, Eins ertappte das Andere auf einem unterdrückten Gähnen, und endlich hörte man auf der Treppe Bedienten rufen, drunten Wagen rasseln; eine Menge Gäste drängte sich an den Ausgang des Tanzsaales und in die Vorzimmer, um, noch ehe sich der allerhöchste Hof fort begab, einen freundlichen blick zu erhaschen. Man sah ganze Gruppen sich verneigen, ganze Reihen tief knixen; zum letzten Mal wurde noch mit möglichster Anstrengung gelacht, geflüstert, dann klirrte und rauschte es die Treppen hinab; die Wagen fuhren davon, von dunkelrotem Licht umgeben, – dem Schein der fackeln in den Händen der Vorreiter und Lakaien, der an den Fenstern der Häuser vorbeizitterte und manchem erschreckten Schläfer, den das Wagengerassel erweckte, seltsam und unheimlich an den Augen vorbeistrich.
Jetzt nahm die Gesellschaft droben in den Sälen einen ganz anderen Charakter an; verschwunden schien alle Ruhe und Behaglichkeit, und das Ganze hatte das Aussehen eines Ameisenhaufens, den ein mutwilliger Knabe aufgestört. So rannte Alles durch einander, aus den hinteren Zimmern in die vorderen, aus dem Wintergarten in den Tanzsaal, hier einen Händedruck wechselnd, dort einem Bekannten noch einen freundlichen Gruss zurufend, rechts und links Abschied nehmend und sich darauf beeilend, dem Wirte ein Kompliment zu machen, dann in die Mäntel und Shawls zu schlüpfen, um so schnell als möglich Treppen und Wagen zu erreichen.
Kurze Zeit nachher lag das ganze weite Apartement öde und leer. Seine Excellenz stiegen ziemlich fatiguirt die Treppen zu Ihrer wohnung hinauf, worauf der Haushofmeister mit sämmtlichen Bedienten erschien, um sorgfältig alle Lichter auslöschen und das Silberzeug wegräumen zu lassen, auch Fenster und Türen zu schliessen und darauf die Zimmer im halb verblichenen Glanz sich selbst und ihren Träumereien zu überlassen.
Doch hatten um diese Stunde noch nicht sämmtliche Gäste das Haus verlassen; der junge Graf sah es gern, wenn sich nach beendigter derartiger grosser Soirée noch einige Bekannte en petit comité in seiner wohnung versammelten, um sich von den gehabten Fatiguen bei einem Glase heissen Punsches und einer guten Cigarre zu restauriren.
Da der grosse Salon, wie wir schon wissen, mit zum Feste gedient hatte und jetzt ebenfalls ziemlich derangirt und trostlos aussah, so hatte der Graf sein kleineres Arbeits-Kabinet neben dem Schlafzimmer für seine Gäste öffnen lassen, und der Kammerdiener hatte es so behaglich als möglich eingerichtet.
Eine halbe Stunde nach Beendigung des Balles fand sich denn auch hier fast die gleiche Gesellschaft zusammen, die wir schon einmal in diesen Räumen und zwar zu Anfang unserer geschichte hier beisammen gefunden. Das einzige fremdartige Element, welches man unmöglich ausschliessen konnte, war der Herzog Alfred, der es sich nun einmal nicht nehmen liess, ein Glas der Versöhnung, wie er es auf jenen Wortwechsel im schloss anspielend nannte, mit dem Grafen zu trinken, welcher sich für diese höchste Gnade ausserordentlich dankbar zeigen musste.
Wenn auch die Anwesenheit des Herzogs nicht das Wünschenswerteste war, was der Gesellschaft dieser jungen Männer begegnen konnte, so hatte sie doch ein Gutes, dass sie wenigstens vor dem Dableiben des Herrn von Dankwart schützte, der sich Seiner Durchlaucht zu wiederholten Malen so untertänig und vertraulich als nur irgend möglich mit der Versicherung genähert hatte, er für seine person kenne nichts Angenehmeres, als