Major?"
"Er meinte, das sei eine ausserordentliche Ehre und Sie würden nicht wenig darüber erfreut sein."
"Aber das war doch nicht Ihre Meinung, fräulein Eugenie? – Gewiss, das dachten Sie nicht."
"Nein, ich dachte das nicht," entgegnete sie offenherzig. "Sie hatten mir ja vorher im schloss gesagt, wie sehr Sie sich darauf freuten, mit mir – mit uns, wollt' ich sagen – den Abend bei Ihrem Freunde zuzubringen."
"Sagen Sie, mit I h n e n , – gewiss nur mit Ihnen, Eugenie!" sagte Graf Fohrbach und erhob seine rechte Hand wie beschwörend gegen sie. – "Was kümmert mich die Gesellschaft, wenn S i e nicht da sind, ja die ganze Welt, wenn ich Sie nicht zu finden wüsste! – Aber," fuhr er fort, als er sah, wie das Mädchen bei seinen heftigen Worten die Augen niederschlug, "ich war an jenem Abend recht unglücklich; die süssen Stunden in Ihrer Nähe, auf die ich gehofft, musste ich mit jenem entsetzlich langweiligen Spiel vertauschen. Ich musste den Stellvertreter des Herzogs machen, der nun statt meiner dortin ging, wo Sie waren, Eugenie, – der Sie sehen, Sie sprechen durfte, während ich allein blieb mit meinen quälenden Gedanken. – Ja, gewiss, Eugenie, die Anwesenheit des Herzogs bei meinem Freunde war mir an jenem Abend sehr, sehr unangenehm."
"Und warum das, Graf Fohrbach?" entgegnete sie mit einem reizenden Lächeln.
"Weil – weil –" sagte er stockend, "weil ich weiss, Eugenie, dass Sie der Herzog mit Aufmerksamkeiten verfolgt."
Sie nickte verschiedene Male mit dem kopf und betrachtete das Blumenbouquet, welches Sie in der Hand trug. – "Ja, ja," sagte sie alsdann mit leiser stimme, "es ist so; er erzeigt mir Aufmerksamkeiten, was mir sehr – sehr peinlich ist. Und er lässt nicht davon ab, obgleich ich dieselben gewiss nicht beachte. – – Gewiss nicht, Graf Fohrbach," fuhr sie nach einer kleinen Pause fort, und schaute ihn dabei offen und ehrlich mit ihren hellen und glänzenden Augen an. – "Aber was kann ich tun? Wie will ich mich in der Stellung, in der ich mich befinde, ein- für allemal dieser Aufmerksamkeiten erwehren? – Die Frau Herzogin lächelt darüber, und würde es sehr ungnädig aufnehmen, wollte man ihrem geliebten Sohne diese unschuldige Freude nehmen."
"O, es ist das nicht Ihr Ernst, was Sie da sagen, Eugenie!" rief entrüstet der junge Mann.
"Ich fühle, dass es bitterer Ernst ist," erwiderte traurig das Mädchen. – "Doch," setzte sie heiterer hinzu, "brechen wir dies Gespräch ab, das für mich und auch vielleicht für Sie peinlich ist."
"Für mich wäre dies Gespräch nur in dem Fall peinlich, aber dann auch fürchterlich und schrecklich, wenn es unbeendigt bliebe!" rief Graf Fohrbach entschlossen. "Desshalb erlauben Sie mir Eugenie, es noch einen Augenblick fortzusetzen. – Freilich könnte es auch wohl mit wenigen Worten beendet sein," setzte er mit sanfter stimme hinzu, und ergriff dabei leicht die Hand des jungen Mädchens, die er ehrfurchtsvoll an seine Lippen brachte; "und diese wenigen Worte würden mich zum Glücklichsten aller Sterblichen machen. Wollen Sie sie nicht gegen mich aussprechen, Eugenie?"
"Ich weiss sie nicht," erwiderte sie errötend.
"Aber Sie müssen sie ahnen, Eugenie," fuhr er dringender fort. "Sie müssen sie in meinen Augen gelesen haben, müssen sie in dem Drucke meiner Hand fühlen, meiner Hand, die jetzt schon schwach und machtlos ist, die bebt und zittert, da sie die Ihrige berührt. – Ja," setzte er mit leuchtenden Augen hinzu, "Sie brauchen nicht einmal selbstständige Worte auszusprechen, Eugenie, Sie sollen mir nur eine Frage erlauben und mir auf diese Frage mit Ja oder Nein antworten. – Aber hören Sie mich an! die Beantwortung dieser Frage entscheidet über das ganze Glück meines Lebens, ja, sie ist so wichtig für meine Zukunft, dass ich Sie zuerst um erlaubnis bitten muss, jene Frage stellen zu dürfen. – Darf ich, Eugenie?"
"So fragen Sie denn," versetzte nach einer längeren Pause das Mädchen, nachdem es scheu und ängstlich um sich geschaut, "so fragen Sie denn in Gottes Namen!"
"Darf ich Sie lieben, Eugenie? – – – O, ich will ja nicht mehr als mit einem kleinen Ja hiezu die süsse erlaubnis," setzte er hinzu, als er bemerkte, wie das Mädchen ängstlich zusammen schauerte. – "Durch die Gewährung meiner Bitte ist ja noch nicht bedingt, dass Sie mich wieder lieben sollen; freilich hoffe ich auch auf dieses übergrosse Glück, aber ich bin nicht so unbescheiden, so viel Seligkeiten auf einmal zu verlangen." – –
In diesem Augenblicke tauchte aus der Ecke des Zimmers die kleine Hofdame wieder hervor und rief lustig: "Jetzt habe ich geschmollt und monologisirt, gelebt, geliebt und genossen des irdischen Glückes so viel als möglich auf einer grossen Soirée – Und Sie, Eugenie, haben Sie auch den Salon betrachtet? – Wenn dem so ist, so wollen wir wieder zur Gesellschaft zurückkehren."
Eugenie wandte den Kopf herum, wie es