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Seine Excellenz einen Ton des Missfallens oder der Freude hören liess, hob sie die müden Augenlider empor und schaute über die Karten hin, wobei ein leichtes Lächeln um ihren Mund spielte, wenn sie den Blicken des Gemahls begegnete.

Der Herr von Brand sass so in seiner Ecke, dass ihm Seine Excellenz der General-Adjutant den rücken zudrehte, er dagegen der Baronin in's Gesicht sehen konnte.

Seine Excellenz bekam vortreffliche Karten und nahm häufig ihre Lorgnette, um die Stiche zu betrachten. Auch lachte sie zuweilen laut hinaus, was zwar durchaus nicht angenehm klang, aber die Freude ihres Herzens bekundete.

Die Baronin schien an dieser Freude offenbar Anteil zu nehmen, denn sie liess ihr Fächerspiel bleiben, stützte den Kopf auf ihren Arm und begleitete das triumphirende: "enfinpetit Schlemm!" Seiner Excellenz mit einem freundlichen Kopfnicken.

Als sie in diesem Momente das Gesicht erhob, und, gewiss zufälliger Weise, ihre Blicke durch das Zimmer schweifen liess, begegneten sie denen des Herrn von Brand, der sie aufmerksam und fest ansah. Es musste für sie etwas Seltsames in diesem Anschauen liegen, denn ihre Gesichtszüge änderten sich vielleicht während einer Sekunde, was sie fühlte, denn sie blickte fast erschrocken auf ihren Gemahl, der aber in seine Karten sah und durchaus nichts bemerkt hatte.

Hierauf drehte sich die Baronin nach und nach an dem Tische so, dass sie nach der Fensternische schauen konnte, während die rechte Hand den Spielenden ihr Gesicht verdeckte. Wir müssen nun eingestehen, dass sie jetzt häufig ihre Blicke dem Baron zuwandte, dass dieser ebenfalls scharf herüber sah, ja dass er kurze Zeit nachher ein für uns unverständliches Zeichen machte, welches die schöne Frau dadurch beantwortete, dass sie langsam ihre Augenlider senkte, was offenbar Ja bedeutete; denn nun erhob sich der Baron aus seiner Fensternische und schlich, von den Spielenden ungesehen, zum Zimmer hinaus.

Die Baronin blieb noch eine Zeit lang; dann legte sie ihre volle weiche Hand auf den schlotternden Aermel ihres Gemahls und sagte mit ihrer sanften stimme: "Ich wünsche dir alles Glück wie bisher," – worauf der Oberststallmeister galant erwiderte: "Das wird von ihm verschwinden, sobald Sie, gnädige Frau, ihn verlassen."

"Was übrigens auch nicht mehr als recht und billig ist," meinte einigermassen verdriesslich der Hofmarschall. "Denn Seine Excellenz gehen in der Tat zu grausam mit uns um."

"Mais allez-vous?" fragte mürrisch der Gemahl, indem er der Baronin einen unfreundlichen blick zuwarf. "Man sollte wahrhaftig glauben, es tue dir leid, mich einmal gewinnen zu sehencontre la rêgle."

"Contre la rêgle," lachte laut der Hofmarschall. "Nein, gnädige Frau, geniren Sie sich durchaus nicht; verlassen Sie ihn nur, und wenn ihn damit sein Glück verlässt, so hat er es verdient."

Diese Worte schienen ohne alle andere Deutung gesprochen worden zu sein, doch riefen sie auf dem gesicht des Oberststallmeisters ein leichtes Lächeln hervor, und die andere Excellenz biss sich auf ihre dünnen Lippen, zuckte die mageren Achseln und sagte mit ihrer schnarrenden stimme: "Ah! je ne pense pas de vous retenier. – Beim Spiel," setzte er mit scharfer Betonung hinzu, "nennt ihr oft rasendes Glück, was eigentlich doch nur gutes Spiel ist. – Mais dites moi, allez-vous?"

"Ich will einen gang durch die Apartements machen," erwiderte die Baronin mit leiser stimme. "Graf Fohrbach wollte mich schon vorhin durch den Wintergarten führen; ich muss doch diese Artigkeit vergelten, indem ich ihn aufsuche."

"Eh bien donc!" sprach verdriesslich der GeneralAdjutant, "va – t'en, va – t'en. Du störst ohnehin meine Aufmerksamkeit. – Den Stich," rief er dem Hofmarschall zu, "haben Sie allein dieser Unterredung zu danken. – Diable! quelle distraction."

Die blasse Frau legte nochmals ihre Hand auf seinen Arm, was übrigens keinen weiteren Erfolg hatte, als ein unmutiges Zucken. Dann schwebte sie leicht und anmutig zum Zimmer hinaus.

Im Tanzsaal erblickte sie der Kriegsminister, der sich ihr augenblicklich näherte und artig seine Begleitung durch die Zimmer antrug. Doch sagte sie mit einem freundlichen Lächeln: "Ich sehe wohl, wie Euer Excellenz hier noch von aller Welt umringt sind; auch kommt dort soeben die Frau Herzogin, der Sie nicht aus dem Wege gehen dürfen. Ich will unterdessen schon voraus in den Wintergarten, und wenn Sie später einen Augenblick Zeit haben, so werde ich sehr dankbar für Ihren freundlichen Unterricht sein."

"Sie haben wirklich Recht," erwiderte der Kriegsminister, indem er sich umwandte. "Aber man kann mit Ihnen, schöne Frau, nicht zwei Worte reden, ohne dass man Ihnen zu Dank verpflichtet sein muss. Wahrhaftig, die Frau Herzogin würde in ihrer guten Laune gegen mich geglaubt haben, ich suche sie absichtlich zu vermeiden. – Doch folge ich Ihnen sogleich."

Sie grüsste anmutig und schritt durch den Tanzsaal und die übrigen Zimmer in den Wintergarten hinab, wo sich augenblicklich sehr wenige Gäste befanden. entfernt von diesen und anscheinend eine prachtvolle Camelie betrachtend, stand der Baron von Brand in der Nähe des Einganges zu den Zimmern des jungen Grafen Fohrbach.

Die Baronin näherte sich, und als sie so dicht bei ihm war, dass sie seine Worte verstehen konnte, sagte er: "In