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: "Bei Gott! dieser gute Graf hat etwas gelernt. Gestehen Sie, Ihnen hat der Salon der Fürstin X. bei uns vorgeschwebt und Sie haben den hiesigen darnach gebildet, aber wirklich mit vielem Geschmack und Eleganz. Wahrhaftig, Graf Fohrbach, Ihr Geist ist ein dankbares Feld für Bemerkungen, die man Ihnen gelegentlich macht; Sie haben da meine idee mit den transparenten Blumen vortrefflich benützt, – in der Tat, vortrefflich benützt. Nur wissen Sie, was ich hie und da noch besser gemacht hätte? – Zwischen dem Grün hindurch ein Bouquet Wachskerzen. Ich versichere Sie, der Glanz der Lichter zwischen den Blättern macht eine fabelhafte wirkung. So war es auch bei der Fürstin X., das allein haben Sie vergessen."

So plauderte Herr von Dankwart unermüdlich fort und eilte dabei mit ausserordentlicher Beweglichkeit, ohne auf seine Reden irgend eine Entgegnung abzuwarten, zu den verschiedenen Gruppen wo er Wachslichter angebracht zu haben wünschte, und als er sich endlich wieder zu der Gesellschaft umdrehte, bemerkte er, dass Alle das Zimmer verlassen hatten bis auf eine alte Gräfin, die ihm mit wahrer Bewunderung zuzulauschen schien, denn sie war von der Frau Herzogin sehr abhängig und erhielt durch die Hand des Herrn von Dankwart vertraulicher Weise manche Unterstützung.

Im Vorzimmer, um bis an das Ende des Apartements zu gehen, sah man die Dienerschaft des Hauses die Erfrischungen herrichten, und die Limonaden sowie das Gefrorene vorher heimlicher Weise versuchen, ob es auch wohl würdig sei, den Gästen präsentirt zu werden; – sowie auch den Herrn von Dankwart, der eigentlich hieher gehörte, und der einem Kammerdiener anempfahl, es ihm ja augenblicklich zu melden, sobald der Wagen der Frau Herzogin vorgefahren sei.

Einen unserer Bekannten suchten wir bis jetzt überall vergebens, den Herrn von Brand nämlich, der aber eingeladen und auch erschienen war. Doch fanden wir ihn nicht, weil er, wie der Herr von Dankwart, bald hier bald dort war, übrigens eine ganz andere Rolle spielend; denn während dieser sich vordrängte, viel sprach und also leicht bemerkbar war, zog Jener sich zurück, knüpfte fast gar keine Unterhaltungen an und schien nur aus der Ferne dies und das zu beobachten.

Jetzt näherte er sich dem Spielzimmer, trat aber dort sogleich in eine Fensternische und liess sich auf einem kleinen Fauteuil nieder, der ihn durch den daneben herabhängenden Vorhang fast ganz verbarg.

Es waren in diesem Zimmer drei Spieltische aufgestellt, und man arbeitete fast überall mit dem Strohmann; doch war der Stuhl desselben fast nirgendwo unbesetzt, und wenn sich ein Zuschauer von demselben erhob, so nahm gleich ein anderer darauf Platz.

An dem Tische, der dem Baron zunächst stand, sass Seine Excellenz der Oberststallmeister, der Hofmarschall, sowie ein kleiner alter, vertrockneter Herr, dessen Bekanntschaft wir noch nicht gemacht. Er hatte ein spitziges Gesicht von unangenehmem Ausdruck, tief liegende, trübe Augen, wenig Zähne und auf dem kopf eine Perücke, deren Farbe offenbar zu dunkel abstach gegen seine fahle, verlebte Gesichtsfarbe. Der alte Herr sass mit ziemlich gekrümmtem rücken da und bückte sich bei jeder Karte, die ein Anderer ausspielte, noch tiefer hinab, wobei er die Augen blinzelnd zusammen kniff. Zuweilen bediente er sich auch einer Lorgnette, die neben ihm lag, um einen etwas entfernten Stich betrachten zu können. Seine Finger waren unendlich mager und zitterten oftmals so heftig, dass er mit der rechten Hand nachhelfen musste, um die in Unordnung geratenen Karten wieder gehörig aufzurichten.

Wenn wir dem geneigten Leser sagen, dass er von seinen Mitspielenden mit "Excellenz" angeredet wurde, dass er über der weissen Atlasweste ein breites Band trug, sowie auf dem schwarzen modischen Frack einen blitzenden Stern, so wird derselbe versichert sein, dass wir ihn soeben mit einer sehr vornehmen person bekannt gemacht haben.

Es war dies Seine Excellenz, der in dieser geschichte schon einige Mal erwähnte pensionirte General-Adjutant Baron von W., in seiner Jugend ein gewaltiger Eroberer in mancherlei Beziehungen, jetzt nur noch eine alte, verdriessliche Ruine, die nur in solchen Augenblicken etwas freundlicher aussah, wenn sie von der Sonne allerhöchster Huld und Gnade beschienen wurde.

Neben ihm, auf dem platz des Strohmanns, sass seine Frau, die Baronin W., und man konnte sich keinen grösseren Kontrast denken, als dieses Ehepaar darstellte. Sie war eine schöne Frau in den Zwanzigen, hatte volle, schwellende Formen, einen unbeschreiblich weissen, aber sehr blassen Teint und die schönsten hellblonden Haare, die man sehen konnte. Die Baronin war einfach in hellblaue Seide gekleidet; ihr Schmuck war unbedeutend und bestand nur in Perlen, die sie am Armband und in den Ohrringen trug. Sie war, wie gesagt, heute noch eine der reizendsten Erscheinungen, musste aber vor Jahren wunderbar schön gewesen sein, als sich die Frische der Jugend noch in den Formen ihrer Gestalt ausdrückte und als ihr jetzt etwas umflortes Auge noch im vollen Glanze strahlte. Sie war etwas stark geworden und ihre Augenlider hatten eine eigentümliche Färbung; dunkler als die Stirne lag über ihnen ein Schimmer von Rosa und Braun, welches aber das Gesicht durchaus nicht entstellte, ja es womöglich noch anziehender und interessanter machte. Wie schon gesagt, sass sie an der Stelle des Strohmannes und hatte den vollen weissen Arm so auf die Ecke des Tisches gelegt, dass der Fächer, der am Handgelenke befestigt war, frei herab hing und hin- und herschwebte, welches Spiel sie angelegentlich zu betrachten schien. Zuweilen aber, wenn