vorüber war, zu welchem sich Alles, was auf das Recht bemerkt zu werden Anspruch machen konnte, in den Vorzimmern und dem Eingang des Tanzsaales zusammengedrängt hatte, lösten sich die Anwesenden in einzelne Gruppen auf, die hohen Personen hielten in den verschiedenen Zimmern ihre kleinen oder grossen Cercles, die jungen Herren und Damen folgten der rauschenden Tanzmusik, die alten Excellenzen und sonstigen Würdenträger zogen sich in die Spielzimmer zurück, und jene Eingeladenen, deren schwarze Fräcke schon mehreren Moden siegreich widerstanden, deren weisse Westen etwas zu kurz, die Handschuhe dagegen etwas zu lang waren, tapezierten die Wände, standen, in der Absicht, auffallend bescheiden und schüchtern zu sein, Jedermann im Wege, traten sich gegenseitig auf die Füsse, machten vor jedem Stern einen tiefen Bückling, wobei sie nicht selten von hinten mit einer alten Dame sehr unangenehm karambolirten, und schwammen im Allgemeinen für sich und Andere sehr unerquicklich auf der Woge dieses glänzenden Lebens dahin, bis sie endlich von der gewaltigen Flut in ein entferntes Nebenzimmer geschleudert wurden, um hier in irgend einer Ecke ruhig zu warten, bis sie mit Anstand verschwinden konnten; oder um ein paar Stunden lang mit grosser Geduld und Ausdauer verschiedene Albums zu durchblättern, wobei sie sehnsüchtige Blicke auf die Uhr warfen und schmerzliche auf ihre Füsse, deren Hühneraugen unter den engen Schuhen von Glanzleder entsetzlich brannten und schmerzten.
Im Uebrigen war jetzt der Ball vollkommen en train; man tanzte, man lachte, man spielte, man unterhielt sich, und dabei rauschten Kleider und Bänder, glänzten Diamanten, Perlen und Sterne, glühten frische Wangen und funkelten schöne Augen.
Der geneigte Leser wird in dem Gewühle hier und in allen Teilen des Apartements viele seiner Bekannten wieder finden: in dem Spielzimmer die Excellenzen, denen er im königlichen Vorzimmer begegnete, hier aber ihrer würdevollen Mienen sowie der Uniform entkleidet, und dagegen angetan mit dem schwarzen Frack, der weissen Weste, über welcher das breite, farbige Ordensband glänzt; – sowie auch den Herrn von Dankwart, der sich bemüht in alle Karten zu schauen, über das Spiel im Allgemeinen zu sprechen, oder hie und da gute Ratschläge im Einzelnen zu erteilen, die ihm aber höchstens einen erstaunten blick eintragen.
Im Tanzsaale finden wir den Major von S., der, obgleich über die Jahre des Tanzens schon fast hinüber, sich doch neulich auf heute Abend zu einem Walzer verpflichtete, ein Leichtsinn, den er nun im Schweisse seines Angesichtes abbüssen muss; den nunmehrigen Regierungsrat Eduard von B., der es an der Zeit findet, sich gründlich unter den Töchtern des Landes umzuschauen; – sowie auch abermals den Herrn von Dankwart, der ohne selbst zu tanzen, über diese Kunst im Allgemeinen sehr gründlich abspricht und einzelnen jungen Damen Ratschläge erteilt, die aber bei den Schönen und Gesuchten ein vornehmes Achselzucken, bei den Bescheidenern und minder Hervorragenden ein leichtes mitleidiges Lächeln hervorbringen.
In den entfernteren Zimmern, an den Tischen mit den Albums sehen wir jene Herren mit den altmodischen Fräcken, Beamte des kriegsministeriellen Departements, junge, noch schüchterne Offiziere und Künstler; – sowie auch wieder den Herrn von Dankwart, der hier als Protektor und Kritiker auftritt, sich so hoch streckt, als es seine kleinen Beine erlauben, die Nase gewaltig erhebt und mit grosser Bescheidenheit versichert, wenn auch seine Anwesenheit in hiesiger Stadt im Allgemeinen noch von keinen grossen Folgen gewesen sei, so müsse er sich doch selbst zugestehen, dass sein Urteil, sein Lob und Tadel auf dem Gebiete der Kunst schon ausserordentliche Früchte getragen. – "Man fürchtet sich vor mir," sagte er, "man weiss, wie ich nur das Gute schätze, aber dem Mittelmässigen streng entgegen trete; man muss es anerkennen, dass ich die Aufmerksamkeit der Frau Herzogin auf manches bisher unbekannte Talent gelenkt, und dass ich so zu sagen Künstler erzogen habe, die es noch zu etwas Grossem bringen werden, wenn sie wie bisher meinen Winken und Ratschlägen Folge leisten."
Im Wintergarten finden wir einige Hofdamen, die plaudernd auf- und abgehen, bald vor dieser Blumengruppe, bald vor jener bewundernd stehen bleiben, während sie häufig ausrufen: "Charmant! – köstlich! – deliciös!" – die dabei ihre weissseidenen Roben sehr in Acht nehmen, damit sie nicht an irgend ein nasses Blatt streifen, und die Alle mit dem Fächer wedeln, sobald Eine die Bemerkung macht, in dem saal sei es unerträglich heiss; – sowie auch den unvermeidlichen Herrn von Dankwart, der über Blumenzucht im Allgemeinen spricht, auch recht anerkennend über den Gärtner des Kriegsministers urteilt, im Einzelnen aber die bündige Erklärung abgibt, dass, obgleich hier viel für Blumenzucht geschähe, die hiesigen Gewächshäuser doch keinen Vergleich aushalten könnten mit denen, die er zu Haus verlassen, und dass, ohne ungerecht zu sein, was Pflanzen und Blumen anbetreffe, hier sich gegen dort wie Sibirien zu Italien verhalte.
Im Salon des jungen Grafen ist dieser selbst und nimmt freundlich und bescheiden die ausschweifenden Lobsprüche einiger alten Hofdamen in Empfang, die ihn versichern, so etwas Magnifikes und wirklich Graziöses noch nie gesehen zu haben; – sowie auch der Herr von Dankwart, der lächelnd hinzu tritt, und dem Grafen vertraulich auf die Schulter klopfen will. Es bleibt jedoch bei dem Versuche, denn Graf Fohrbach macht eine entschieden rückgängige Bewegung, von einem sonderbaren Blicke begleitet, was aber den Herrn von Dankwart durchaus nicht abzuschrecken scheint; denn er nähert sich abermals, reibt seine hände, und sagt, indem er sich auf den Fussspitzen wiegt