nicht, Herr Kommissär," erwiderte der Adjutant. "Würde mir das auch nicht erlauben; doch wenn Sie mir eine Frage beantworten könnten, wäre ich Ihnen sehr dankbar dafür."
"Mit dem grössten Vergnügen."
"Wer war jener Herr, der eben mit Ihnen ging und Sie vor wenigen Augenblicken verliess?"
Der Polizei-Kommissär rieb sich die hände und lächelte pfiffig, worauf er sagte: "Das ist eigentlich eine Art Dienstgeheimniss, welches aber Euer Erlaucht mitzuteilen ich mich nicht zu geniren brauche. Jener Herr, der im Mantel, – ich gebe Euer Erlaucht mein Ehrenwort, dass ich seinen Namen nicht einmal weiss, – aber unter uns gesagt," – damit hielt er die rechte Hand an eine Seite des Mundes und flüsterte dem Grafen in's Ohr: "Er ist einer der Sekretäre Seiner Excellenz des Herrn Präsidenten, und gehört zur geheimen Polizei."
"Zur geheimen Polizei?" sprach der Graf im Tone des höchsten Erstaunens.
"Es ist so, Euer Erlaucht. – Aber nicht wahr, das bleibt ganz unter uns?"
Einundsechzigstes Kapitel.
Die Soirée des Kriegsministers.
Wenn bei Seiner Excellenz dem Kriegsminister grosse Soiréen stattfanden, was im Laufe des Winters mehrmals vorkam, so wurden hiezu die unteren Apartements des palastähnlichen Hauses, die sonst immer verschlossen waren, geöffnet. Sie bestanden aus einem grossen Tanzsaal mit Nebenzimmern zu allen möglichen Zwecken; hier konnten die Tänzer ausruhen, dort konnten Mütter und andere Anverwandte sich einer angenehmen Konversation hingeben und doch mit einem einzigen blick den Ballsaal und somit ihre Töchter und Schutzbefohlenen übersehen. Etwas entfernter von der rauschenden Musik waren Konversations- und Spielzimmer, sowie auch ein Gemach, dessen schwere eichene Tische mit Albums aller Art und illustrirten Werken überladen waren.
Wie wir bereits wissen, verband der kleine Wintergarten das Hauptaus mit dem Hintergebäude, wo der junge Graf Fohrbach wohnte. An solchen Abenden aber wie der heutige war nicht bloss der Blumengarten geöffnet, beleuchtet und zum Eingang von Gästen eingerichtet, sondern das Apartement des jungen Grafen mit Ausnahme des Schlafzimmers in die ganze Reihe hinein gezogen, und es wurde hier gewöhnlich soupirt.
Wenn man nun vor Beginn der Soirée durch die ganze Zimmerreihe dahin schritt, wo die hohen Wachskerzen soeben angezündet waren und der Glanz ihrer Lichter noch durch keinen Staub getrübt wurde, wo die Blumen in den Ecken und auf den Tischen noch in ihrer ganzen Frische prangten, wo sich die Möbel der verschiedenen Zimmer und Salons noch in jener gut berechneten Unordnung befanden, die dem Auge so wohl tut, wenn die reine Atmosphäre noch versüsst war durch den Duft der Blumen und Gesträuche aus dem geöffneten Wintergarten, – so musste man sich gestehen, dass dies Apartement, wenn auch wohl in der Grösse und Ausdehnung manchem andern nachstehend, doch an zierlicher Eleganz, Geschmack und Lieblichkeit gewiss weit und breit seines Gleichen vergeblich suchte. Namentlich machte es dem jungen Grafen vieles Vergnügen, seinen ersten grossen Salon, der an das Gewächshaus stiess, immer wieder auf neue Art zu dekoriren und einzurichten.
Heute nun schien er eine Fortsetzung des Wintergartens zu sein, und wenn man hinein trat, so glaubte man in ein grosses Gewächshaus zu kommen. Alle Ecken waren mit dichten Gebüschpartieen besetzt, von welchen sich nach verschiedenen Seiten hin Blumen und Sträucher in das Zimmer hinein zogen, so dass sie dasselbe in eine ganze Menge kleiner Pflanzenkabinete abteilten. Diese nun waren auf das Mannigfaltigste möblirt; hier bot eins Platz für zehn und zwölf Personen, dort vielleicht für fünf und sechs, weiterhin aber sah man recht lauschige Plätzchen, wo nur ein einsamer Sopha oder zwei Fauteuils standen, wie geschaffen zu einem heimlichen Zwiegespräch. Einen Kronleuchter hatte der Salon nicht; er würde auch die ganze wirkung dieses künstlichen Gartens zerstört haben. Zwischen den Blumenpartieen, namentlich aber am Ende derselben, standen kleine Postamente und auf diesen Lampen, welche über die Pflanzen emporragten oder zwischen ihnen durchschimmerten. Die Kugeln dieser Lampen waren mit künstlichen, gemachten und transparenten Blumen umgeben, die nun aus dem dunkeln Grün magisch hervorleuchteten, hier ein Bouquet riesenhafter, glühender Rosen darstellend, dort einen Strauss anderer sanft schimmernder Blüten, oder weiterhin eine Partie weisser, glänzender Lilien.
Auch zu Anfang des Balles, wo sich Alles in den vorderen Zimmern befand, war hier ein recht heimlicher, anmutiger Aufentalt. Da hörte man aus weiter Entfernung das Murmeln der Stimmen, die Akkorde der Tanzmusik, oder, wenn diese einen Augenblick schwieg, das sanfte Plätschern der Springbrunnen in dem anstossenden Wintergarten. Doch liessen sich wenige Gäste hier nieder; man spazierte nur hindurch, um die schönen Arrangements zu bewundern und zog sich hierauf wieder nach dem vorderen Teile des Apartements zurück, weil dort Tanz und Spiel zu finden war, und weil, wie Jedes wusste, der zierliche Salon des jungen Grafen für die allerhöchsten Herrschaften so zu sagen reservirt war, wohin sich diese auch häufig mit einzelnen auserwählten Vertrauten zurückzogen.
Wenige Minuten nach acht Uhr hatte übrigens das ganze Apartement am heutigen Abend den Reiz der Einsamkeit und auch schon teilweise der Frische verloren und diente nur noch zu dem Aufentalt eines wahrhaft fabelhaften Glanzes, der sich in seinen Räumen ausbreitete.
Vor dem Tanzsaale empfing der Kriegsminister die hohen Herrschaften, wobei der alte Herr mehrere tiefe Verbeugungen machte, die bald mit vertraulichem Gruss und einigen freundlichen Worten erwidert wurden, bald auch nur mit einem steifen und sehr vornehmen Nicken des Kopfes, je nachdem man damit eine grössere oder kleinere Gnade andeuten wollte.
Nachdem so der allgemeine Empfang