ein falscher Name, den man dem Knaben gesagt, denn –" wagte Meister Schwemmer sich in das Gespräch zu mischen. Doch machte ihn ein blick des Anderen plötzlich verstummen.
"Von hier werde ich das Haus schwerlich finden, aber wenn man mich auf den Platz bringt, wo das schöne Schloss steht – ich habe da viel gespielt und die Soldaten gesehen – da glaube ich wohl, ich würde das Haus finden, wo die gute Frau Fischer wohnt." – Dies sagte der Knabe mit einer freudigen Erregung, wobei seine Augen strahlten.
"Nun gut," erwiderte der Fremde, "den Versuch wollen wir morgen machen; und du siehst mir gerade so aus, als wenn du zu halten im stand wärest, was du versprichst. – Willst du mit mir gehen?"
"Gern! gern!" rief das Kind, und eine tiefe Röte flammte auf seinem gesicht auf.
"Aber doch wohl noch lieber zu deiner Frau Fischer? – Oder bliebst du gern beständig bei mir?"
Der Knabe besann sich einige Sekunden, dann warf er einen blick auf den Meister Schwemmer und das Weib, das unter der Küchentüre erschienen war, um sogleich wieder zu verschwinden. Hierauf antwortete er: "Zuerst möchte ich wohl die Frau Fischer wieder sehen, um ihr zu sagen, dass sie mich hier nicht todtgeschlagen, dann möchte ich aber zu dir kommen und bei dir bleiben. – Ich bin gewiss überzeugt, du hast auch Waffen zu Haus – Säbel oder Pistolen oder auch nur ein Messer."
"Und wozu das?"
"Damit ich mich wehren kann, wenn sie mich wieder fortbringen wollten. – Ja, hätte ich nur an dem Abend mein kleines Gewehr gehabt, das hat ein ganz spitzes Bajonnet, oder hätte mir Einer ein Messer gegeben." – Bei diesen Worten ballte er seine kleinen hände und erhob sie drohend gegen das Nebenzimmer.
Der Fremde betrachtete ihn einen Augenblick lächelnd, und, wie es schien, mit grossem Wohlgefallen. Dann legte er die Hand vor die Augen und sprach wie zu sich selber: "Bei dem Anblick dieses Knaben treten blutige Bilder aus meiner Jugend lebendig hervor. Ganz so stand ich da, nur mit dem Unterschiede, dass ich wirklich ein Messer in der Hand hielt. – Eigentümlich!" Darauf ging er mit raschen Schritten an das Fenster, blickte hinaus und murmelte: "Richtig! Matias ist nicht mehr da. Ich wusste es ja." – Er wandte sich hierauf an den Meister Schwemmer und sagte: "Ist Jemand im haus, der das Kind heute Nacht in den Fuchsbau bringen kann?"
"Der Sträuber wird noch da sein," entgegnete der Hausherr; und dann rief er in's Nebenzimmer hinein: "Geh', such' den Sträuber, er muss sich noch im Haus befinden."
Darauf vernahm man, wie das Weib die Küche verliess und wie sie kurze Zeit nachher mit Jemand im Gange flüsterte.
Der Fremde lehnte sich ruhig wartend an den Tisch, und Meister Schwemmer blickte mit der demütigsten Miene von der Welt nach der Stubentüre, die sich jetzt langsam öffnete.
Herr Sträuber trat ein und blieb, den Hut in der Hand haltend, mit gesenktem kopf am Eingange stehen.
"Ah ja, Herr Sträuber! – Der Beste der Besten!" sagte der Fremde, unverkennbar mit tiefer Verachtung. – "Sie sind mir als Begleiter dieses jungen kleinen Herrn da nicht der Liebste; aber man nimmt, was man hat. – hören Sie mich an!"
Der Andere war auf diese ziemlich laut gesprochenen Worte augenscheinlich zusammengefahren und wagte es nicht, den Kopf zu erheben; er drehte nur seine Augen in die Höhe und erwiderte mit leiser stimme: "Ich höre."
"Sie gehen also mit diesem kind auf dem geradesten Wege nach dem Fuchsbau; doch verstehen Sie mich wohl: auf dem geradesten Wege, halten auch nirgendwo an und sprechen mit Niemand, Sie schauen gerade vor sich hin und lassen mir das Herumgaffen bleiben; es könnte aufsehen erregen, und ich kenne Sie. – Nehmen Sie sich aber ja in Acht, Herr Sträuber," fuhr er in lauterem Tone fort, "dass Sie von dieser Instruktion nicht eine idee abweichen; es könnte Ihnen schlecht bekommen. – Im Fuchsbau wird Matias sein; ihm übergeben Sie den Knaben, er soll ihn für heute Nacht anständig unterbringen. Morgen erhält er meine Befehle."
"Und mit dem soll ich gehen?" fragte das Kind.
"Nur eine kleine Strecke," erwiderte bestimmt der Fremde. – "Also Gott befohlen! Morgen wirst du zu deiner Frau Fischer kommen oder vielleicht zu einem Herrn, der es gut mit dir meint." – Damit reichte er ihm die Hand, und der Kleine folgte seinem Führer, der bereits in den gang hinaus getreten war.
Der Fremde trat an die tür und schaute ihnen nach, wie sie durch die Hausflur dahin gingen. – "Ich empfehle Ihnen den geradesten Weg, Herr Sträuber," wiederholte er nochmals und setzte lächelnd hinzu: "Mit dem kind werden Sie keinen Versuchungen ausgesetzt sein, denn es ist ja ein Knabe und trägt keine Ohrringe."
Sobald die Tritte der Beiden draussen im hof verhallt waren, schlug der Fremde sein Mantelende wieder über die rechte Schulter, nickte dem Meister Schwemmer leicht mit dem kopf zu und verliess ebenfalls das Haus. ––––––––––––––––––––––––––––
Am gleichen Abend hielt Graf