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welcher sehr froh war, dass das ziemlich gefährliche Abenteuer so glänzend und gut abgelaufen, lachte lustig und meinte: "Wenn Schellinger Jakken und Pelzmützen gesehen hat, so wird er dafür seine Gründe haben. – Nun sprich: was denkst du denn?"

"Ja, ja, es kann nicht fehlen," erwiderte der Garderobe-Gehilfe. "Und jetzt erinnere ich mich ganz genau des Gesichtes wieder. – Siehst du, Richard, welchen Nutzen es hat, wenn man auf seinen Reisen gute Bekanntschaften macht, – denn," setzte er flüsternd hinzu, "ich will ein Lump meines Namens sein, wenn der da drinnen nicht der russische Fürst war, von dem ich dir erzählt. Er hat uns mit seinen kosacken aus dieser verwickelten geschichte herausgeholfen."

Damit schlug Herr Schellinger die hände auf dem rücken zusammen, zuckte ein paarmal mit den Achseln und ging ruhig davon, wobei sein unbedeutendes Köpfchen auf dem langen und dünnen Halse stärker als je vorn über wankte.

Die Anderen folgten ihm. –

Der Fremde in der Wohnstube des Meister Schwemmer hatte ruhig gewartet, bis Jene das Haus verlassen, dann nahm er das Mantelende von seiner rechten Schulter herunter, wodurch sein ganzer Kopf frei und auch die arme sichtbar wurden, von denen er einen in die Seite stemmte, während er sich mit dem anderen auf den Tisch stützte.

"Ich will Euch nun zum Abschied einen guten Rat geben," sagte er mit seiner so eigentümlich klingenden stimme. "Tut Euch selbst den Gefallen und lasst die Geschäfte von der Art, wie das, worüber wir soeben verhandelt. In welchem Ruf Ihr in der Stadt und bei den Behörden steht, wisst Ihr selbst am besten; die letzteren sind nun auf Euch besonders aufmerksam geworden, und die Polizei würde Euch heute Abend einen sehr unangenehmen Besuch geschenkt haben, wenn ich es nicht verhindert hätte. – Also nehmt Euch für die Zukunft in Acht; wenn ich das nächste Mal komme, geschieht es nicht, um Euch zu warnen."

Bei diesen Worten wandte er sich nach der tür um und wollte das Zimmer verlassen; doch blieb er plötzlich stehen und fragte: "Wer ist denn das?"

Meister Schwemmer, der mit zerknirschter Miene die Worte des Fremden angehört, blickte in die Höhe und sah den Buben, der sich hinter Richard unbemerkt in das Zimmer geschlichen hatte und bis jetzt ruhig an der tür stehen geblieben war. Er hielt seinen kleinen Körper gerade und aufrecht, schaute unbefangen in die Höhe und blickte den Mann im Mantel fest mit seinen blitzenden Augen an. Dabei hatte er ebenso wie dieser den linken Arm in die Seite gestemmt.

"Das ist ein auffallendes Gesicht," murmelte der Fremde und fuhr sich mit der Hand über die Augen. – "Dieser blick! Und die ganze Form des Kopfes. – Bei Gott! seltsam." – Er wandte sich rasch nach dem Hausherrn um und fragte: "Wem gehört dieses Kind?"

Dieser bückte sich demütig und zog furchtsam die Achseln in die Höhe, als er entgegnete: "Ich weiss es nicht, Herr; gewiss, ich weiss es nicht."

"Keine Lüge, Meister Schwemmer!" –

"Auf meine Seele, nein! – Möge ich verderben, wenn ich nicht die Wahrheit sage. – Der Knabe wurde mir vor Kurzem durch eine Unterhändlerin gebracht, die ich nennen kann; doch war auch das schon die zweite Hand, durch welche der Bube gegangen."

"Es ist möglich, dass Ihr diesmal nicht lügt," erwiderte der Fremde mit einem sonderbaren Lächeln. "Ich will Euch was sagen, guter Meister Schwemmer: bis morgen Abend um sechs Uhr wünsche ich auf's Genaueste zu erfahren, wie die erste Hand heisst, die den Knaben in die zweite geliefert. – Habt Ihr mich verstanden?"

"Ja, Herr. – Soviel ich indessen weiss –"

"Für jetzt nichts Weiteres; ich mag keine Vermutungen. – Also morgen Abend um sechs Uhr etwas, worauf ich mich verlassen kann! – Wer bist du?" wandte er sich an das Kind.

"Das weiss ich nicht," entgegnete der Knabe mit heller stimme. "Ich kann dir nur sagen, dass ich Karl heisse, bei der alten Frau Fischer wohne und von hier fort will."

"So, du willst von hier fort? – Also gefällt es dir da nicht?"

Das Kind blickte scheu um sich, und als es das Weib mit der roten Nase nicht bemerkte, sagte es: "Ich mag nicht mehr bleiben; sie sind so böse, namentlich das Weib mit der roten Nase. Wir bekommen fast nichts zu essen, sie schlagen uns viel, und dann ist es drüben so arg kalt."

"Der legt ein gutes zeugnis von Eurer Wirtschaft ab," sprach der Fremde mit einem flammenden blick. – "Aber es ist wirklich erstaunlich," fuhr er ganz leise fort, "welche Aehnlichkeit ich da heraus finde, namentlich in den Augen; ja sogar, wenn er spricht, die gleichen Bewegungen des Kopfes. – Aber das ist möglich? – Bei Gott! es könnte sein. Nun, wenn Jemand der Sache auf die Spur kommen könnte, so wäre ich der Mann dazu. – Du sprachst vorhin von einer Frau Fischer; getraust du dir vielleicht das Haus, wo sie wohnt, aufzufinden?"

"Das ist gewiss nur