liegend und sprechend, knickte sie zusammen, ihr Kopf sank tief herab, und ohnmächtig, wie sie war, wäre sie auf den Boden niedergestürzt, wenn sie nicht einer der Zimmerleute gehalten hätte.
"Das ist gescheidt," – sagte Richard, der sie mitleidig betrachtete und seltsam mit den Augen blinzelte. – "Bravo! Da fällt sie um und das in einem recht geschickten Augenblick. – Schellinger, du weisst mit den Frauenzimmern umzugehen, bück' dich ein bischen zu ihr herab und schau nach, was da zu machen ist."
Der Schneider tat wie ihm geheissen, richtete ihren Kopf auf und blickte um sich her, während er gerührt sprach: "Das arme geschöpf! Man hätte sich das denken können! – Wenn nur etwas wasser da wäre!"
"Hier ist welches," sagte eine frische Kinderstimme hinter Richard.
Und als dieser sich umwandte, sah er einen kleinen Knaben, der sich anfänglich hinter den Bettschragen verkrochen hatte, jetzt aber ruhigen Muts zum Vorschein kam. Seine Kleidung sah ziemlich zerlumpt und abgerissen aus, und er hatte den Kopf mit einem blutigen Tuche verbunden. Doch waren seine Züge keck, ja fast heiter, und seine dunklen Augen blitzten mit sichtlichem Behagen.
"Hier ist wasser," wiederholte er und zeigte auf einen grossen Krug, der in der Ecke stand.
Der Garderobe-Gehilfe tauchte ein Tuch hinein und bespritzte alsdann die Schläfe der Ohnmächtigen.
"Und wer bist denn du?" fragte Richard den Kleinen, der aber statt aller Antwort pfiffig lächelnd den Kopf schüttelte und mit dem Finger unter den Bettschragen wies.
"Was willst du? – Was ist denn da?" fragte der Zimmermann leise, indem er seine Axt etwas in die Höhe hob.
"Einer," entgegnete das Kind, "Einer von Ihnen."
Auf diese Nachricht bückte sich Richard alsbald nieder, um unter das Gerüst zu schauen, und entdeckte da in der Ecke einen Mann, der augenscheinlich dahin gekrochen war, um sich zu verbergen.
"He da, mein guter Freund!" rief er ihm zu. "kommt einen Augenblick hervor; ich möchte doch gar gern Jemanden vom haus zu Gesicht bekommen, dem ich mitteilen könnte, was wir hier in der Kinderstube zu tun haben. – kommt nur hervor, es soll Euch kein Leid geschehen; wir wollen Euch auch ruhig hier lassen, wenn Ihr nicht vielleicht auch ein gestohlenes Kind seid. – kommt nur, kommt, sonst muss ich ein bischen helfen."
Eine kleine Weile schien sich der unter dem Schragen zu besinnen, dann aber seufzte er tief auf und schob sich rückwärts hervor. Zuerst kamen ein paar ziemlich lange Beine zum Vorschein, dann ein schwarzer Frack, der in die Höhe gerutscht war und so oberhalb der Hose sehr gelbe Wäsche sehen liess. Dann richtete sich die Gestalt in die Höhe, und Herr Sträuber in ganzer Figur, den Hut in der Hand, mit einem aschfahlen und verstörten Gesicht, stellte sich der Gruppe dar.
"Ein gutes Gewissen scheint der mir auch nicht zu haben," sagte Richard zu den Anderen. – "Wer ist das, Schellinger? – Du kennst ja dieses Volk so ziemlich."
Der Schneider, dem es unterdessen gelungen war, vermittelst des kalten Wassers Katarine wieder zu sich zu bringen, schaute in die Höhe und erwiderte: "Das ist Herr Sträuber, von dem ich dir heute Abend schon Einiges gesagt."
"Ja, Sträuber ist es in eigener unglückseliger person," sagte der Schuft mit einer demütigen Verbeugung. – "Erlauben vielleicht die Herren, dass ich mich entferne?" setzte er nach einer Pause mit einem falschen blick hinzu.
"Nein, nein!" entgegnete eifrig der Schneider, "es ist besser, er bleibt da, bis wir uns entfernt haben; er könnte uns sonst noch allerlei Unheil bereiten; weisst du, uns aus einem dunkeln Winkel hervor etwas anhängen. Halte ihn an deiner Seite, bis wir in die obere Stadt kommen, und dann kannst du ihn springen lassen."
Der Herr Sträuber dachte an die Polizei, und hoffte aus der Gesellschaft des Schneiders und der Zimmerleute unbemerkt entschlüpfen zu können, wesshalb er mit grosser Freundlichkeit erwiderte: "Meine Herren, Ihr Vorschlag ist mir sehr angenehm, und ich mache mir eine Ehre daraus, Sie zu begleiten." Darauf schlug er zierlich die hände auf dem rücken zusammen, setzte den rechten Fuss vor und schien es tiefgerührt mit anzusehen, wie die Mutter des armen kleinen Mädchens durch die Bemühungen des Herrn Schellinger allmählich wieder zu sich kam und sich dann mit Richards Hilfe aufrichtete, ohne jedoch ihr Kind aus den Armen zu lassen. –
– – Unterdessen hatte sich Meister Schwemmer vorn in der Wohnstube eher von seiner Ueberraschung und seinem Schrecken erholt, als von dem Erstickungsanfall, der ihn in Folge des Rauches überfallen. Er hatte sich mühsam erhoben und in die Küche geflüchtet, während seine Frau kaltes wasser auf die brennenden Holzscheitchen goss. Nachdem so das Feuer gelöscht war, riss sie das Fenster auf, um frische Luft einzulassen, dann kehrte sie zitternd vor Zorn und Schrecken zu ihrem mann zurück, der lauschend an der Tür stand, die von der Küche auf den gang und in das Kinderzimmer führte. Er winkte seiner Frau mit der Hand, näher zu kommen, und als sie neben ihm stand, flüsterte er ihr zu: "Das war eine abgekartete geschichte