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an, und schielte nur so herüber, bemerkte aber gleich, dass die Sache sehr verdächtig ist, denn ich sah deutlich etwas glänzen, wie Uniformsknöpfe, und vernahm auch das Klirren eines Säbels."

"Das Klirren eines Säbels?" sprach angstvoll Herr Sträuber.

"fragen wir den da!" schrie Meister Schwemmer. "Der weiss darum."

"Ich weiss von nichts," entgegnete der Schneider, indem er zu gleicher Zeit mit der rechten Hand unter den Rock fuhr, wo er auf der Brust das Teaterpistol verwahrt hatte. "Lasst mich ruhig meiner Wege gehen, ich will nichts von Euch."

"Aber wir wollen was von Euch," sagte Matias sehr ernst und trat einen Schritt näher. "Schellinger! Schellinger! Macht Euch keine Ungelegenheit! Mit mir ist nicht zu spassen."

"Ich verlange auch nicht nach einem Spasse mit Euch," versetzte der Schneider. "Drum lasst mich ruhig meiner Wege gehen. – Sonst," setzte er unvorsichtigerweise hinzu, "schreie ich um Hilfe."

"Ah!" rief Matias, einen halben Schritt zurückfahrend, "er will um Hilfe schreien! – Also muss eine Hilfe in der Nähe sein. – So wollen wir dich lieber vorher zu Boden schlagen, und dann kannst du nach deinen Helfershelfern schreien, so lange du magst." – Bei diesen Worten, und noch ehe er sie beendigt, ergriff er einen der schweren Stühle, die hinter ihm standen, schwang ihn mit Blitzesschnelle um seinen Kopf und liess ihn auf den Garderobe-Gehilfen niederfallen.

Dieser aber zog im gleichen Augenblicke sein Pistol aus der tasche und erhob ein lautes Geschrei. Der Schuss krachte los, und Herr Sträuber, der offenbar meinte, er sei tödtlich getroffen, riss die Stubentüre auf und floh behende auf den gang hinaus. Ihm folgte nicht minder behende und gänzlich unversehrt Herr Schellinger, denn der Schlag, den Matias mit Riesenkraft nach ihm geführt, hatte glücklicherweise nicht ihn, sondern den Ofen getroffen, und die in ihren Fugen morschen Eisenplatten desselben so auseinander geschmettert, dass das brennende und rauchende Holz in der stube herumfuhr und einen Qualm verursachte, in dem Meister Schwemmer zu ersticken drohte.

Es war eine Scene unbeschreiblicher Verwirrung;

die Lampe stürzte von dem Tische herunter, und Matias, den seine rasche Tat gereute, stand lauschend inmitten der Dunkelheit und des Qualms, und hörte, wie draussen ein paar Stimmen riefen: "Wir kommen schonwir kommen, Schellinger!" – Rasch eilte er an das Fenster, warf einen blick auf den Hof und dann sprang er zurück und rief dem Hausherrn zu: "Ich kann Euch hier zu nichts helfen, und vielleicht nur Schaden bringen; ich finde schon meinen Weg in's Freie." Damit eilte er durch die Küche und verschwand hinter dem haus.

Schellinger, der einen Augenblick erwartungsvoll

im Gange gestanden, hatte ebenfalls die Stimmen seiner Freunde vernommen und schob den Riegel der Haustüre zurück.

Es war Richard, der eintrat, eine schwere Axt in der

Hand; ihm folgten ein paar andere Zimmerleute, von denen Einer eine Laterne trug. Eine weibliche Gestalt huschte ebenfalls zum haus herein, wurde aber, als sie rasch vordringen wollte, von Richard am arme zurückgehalten, der ihr sagte: "Ruhig, Katarine; gemach, gemach! – Lass uns nur voran gehen; Schellinger kennt die gelegenheit."

Und Schellinger wusste in der Tat ganz genau, wo sich die Kinderstube befand. Er nahm seinem Kameraden die Laterne ab und eilte an das Ende des Ganges.

"Die tür ist offen!" rief er. "Es muss schon Jemand da hinein sein. – Jetzt aufgepasst, Leute, und vorsichtig."

"Wie viel Mann sind im haus?" fragte entschlossen Richard.

"Nur ein einziger," entgegnete der Schneider; "zwei andere, die noch da sind, zählen für gar nichts. Und auch dieser einzige, der mich, beiläufig gesagt, fast todtgeschlagen hätte, wird seine guten Gründe gehabt haben, das Haus zu verlassen; denn sonst hätte er euch, wie ich ihn kenne, den Eintritt ziemlich sauer gemacht."

"Da ist mein Kind!" schrie nun Katarine mit lauter stimme. – Sie war den Männern voraus und, die Warnung Schellingers nicht beachtend, in das Zimmer gestürzt. – "Es lebt! es lebt! – Gott sei gedankt! es lebt!" – Damit sank sie zu dem kleinen Mädchen auf den Boden nieder, presste es heftig in ihre arme, und lachte und schluchzte abwechselnd, während sie ihm Kopf, hände und die geschwollenen Füsse küsste, wobei ihre Tränen reichlich flossen. – "Seht ihr, dass es nicht tot ist!" rief sie triumphirend; "ja, ja, seht nur her, es lebt! – Und der Schein war falsch; die gute Marie hat Recht gehabt. – O wie danke ich euch! Es sieht wohl ein wenig elend aus, auch ist sein blaues Kleidchen ganz zerdrückt, aber das tut nichtsdu bekommst schon ein neues. – O gewiss, ein neues! – Und wieder ein blaues, denn du bist ja nicht tot. – Ha! ha! ha!" lachte sie krampfhaft hinaus, "ja, es lebt, es –"

Diese Aufregung, die Angst und alsdann die Freude war zu viel für ihren schwachen Körper. So auf den Knieen