Niemand als Ihr allein."
"Ich?" – "was geht's mich eigentlich an? Meint Ihr denn, dass Jemand, der Abends hinter der Stadtmauer spazieren geht, nicht zuweilen das lachen und Singen Eurer Pflegekinder hört? – lachen und Singen, dass einem ehrlichen mann die Haut schaudern muss."
"Nein, nein, man kann es nicht hören!" schrie Meister Schwemmer. Doch da er augenblicklich heiser war, so setzte er flüsternd und kaum hörbar hinzu: "Niemand als ein Spion kann das hören! und ein solcher Spion seid Ihr! – Ihr! Ihr!" Er warf sich bei diesen Worten gewaltsam vorn über, so dass sich seine spitzige Nase wenige Zoll von der Brust des Schneiders befand, und bei jedem "Ihr!" das er mühsam herausbrachte, stiess er damit vorwärts, als wollte er seinem Gegner jedesmal einen Dolchstoss versetzen.
Das Weib war unterdessen wieder in die stube getreten und hatte sich mit wankenden Schritten genähert. Ihre Nase war stark gerötet, und aus den Augen flammte die Trunkenheit; sie hatte die Kartoffeln fallen lassen, das Küchenmesser dagegen in der Hand behalten.
Herr Schellinger besass wirklichen Mut; denn Angesichts dieser drohenden Geberden, die ihn rings umgaben, zuckte er leicht die Achseln und sagte mit bewundernswürdiger Ruhe, indem er sich langsam erhob: "Ich habe das schon lange gewusst: wer die Wahrheit spricht, den beherbergt man nicht; und desshalb halte ich es für das Beste, wenn ich nach haus gehe."
Bei diesen Worten war er ganz aufgestanden und hatte vorsichtiger Weise den schweren hölzernen Schemel, auf dem er gesessen, wie einen Schild vor sich genommen, während er sich mit dem rücken an die Wand lehnte. Er gebrauchte diese Vorsichtsmassregeln nur wegen des betrunkenen Weibes, deren wilde leidenschaft er wohl kannte, und da er ganz richtig überlegte: "Wenn ich auch wirklich um Hilfe schreie, so kann die mir ein paar Zoll ihres Messers in den Leib stossen, ehe Jemand Amen sagt."
"Nein – nein – er – soll – nicht – von – hier – fort, – jetzt!" – rief Meister Schwemmer. Und dabei machte er den Versuch, sich zu erheben; doch versagten ihm die kraftlosen Beine den Dienst, so dass er in seinen Stuhl zurück sank. – "Er soll – dableiben – bis – der Matias – kommt. – – Und – der wird – gleich – hier sein. – Sträuber – stellt Euch – an die – tür – und lasst – ihn – nicht – – hinaus!"
Dieser tat zögernd wie ihm geheissen; er war auffallend erblasst, und obgleich wenigstens einen Kopf grösser als Herr Schellinger, schien es doch, er würde diesem viel lieber die tür öffnen und ihn laufen lassen, als dass er genötigt sei, ihn am Fortgehen zu verhindern.
Kaum aber hatte sich Herr Sträuber mit dem Rükken dagegen gelehnt, so fuhr er mit einem Ausruf des Schreckens und wie von einer Feder geschnellt wieder in das Zimmer hinein, denn hinter ihm wurde eben diese tür plötzlich geöffnet und der erwartete Matias trat eilfertig herein.
"Da ist – er schon!" schrie Meister Schwemmer eifrig. – "Da ist er schon! – Habt Ihr – die Haustüre geschlossen, Matias? – So, jetzt – stellt – Euch wieder vor die Stubentüre-Sträuber. – Warte – warte, Schneider!" – Er hätte wahrscheinlich noch mehr hinzugefügt, doch überfiel ihn ein so furchtbarer Husten, dass es ihn gewaltsam vorn über und dann wieder zurück an die Stuhllehne warf, und er längere Zeit brauchte, ehe selbst Jemand anders zu Wort kommen konnte.
Herr Sträuber, als er sah, dass es nur eine neue kräftige Hilfe war, die ihn vorhin so in Schrecken gesetzt, zog hastig seinen schwarzen Frack etwas herab, drückte mit einem gelinden Klaps den Hut auf dem kopf fest und stellte sich hierauf an die tür, trotzig und augenscheinlich voll Kampflust.
Matias war in die Mitte der stube getreten und schaute Jeden der Anwesenden der Reihe nach ruhig an. – "Was geht denn hier vor?" fragte er dann nach einer Pause. "Sollte man doch wirklich meinen, der Teufel sei auch hier los."
Der Hausherr, der noch immer nicht sprechen konnte, verzog heftig sein Gesicht und deutete auf den Schneider.
"Was ist's denn mit ihm?" fragte Matias. Und da Meister Schwemmer nicht antwortete, so fuhr er zu Sträuber gewendet fort: "So schwätzt Ihr! Das Maul zu gebrauchen wird Euch doch wohl nicht schwer werden."
"Der Schneider führte hier so eben ganz absonderliche Reden," antwortete der an der tür. "Es ist das ein gefährlicher Kerl geworden –"
"Ein Spion!" rief nun der Hausherr mit einer verzweifelten Anstrengung. – "Man muss ihn festalten, Matias."
"Teufel auch!" entgegnete dieser sehr ernst. "Ich gebe sonst nie viel auf Euer dummes Gerede, aber diesmal mögt Ihr wahrhaftig Recht haben; es ist draussen nicht richtig."
"Wo?" fragte erschrocken Herr Sträuber.
"Als ich eben zum Garten herein will," fuhr der Andere fort, "blickte ich, wie das meine Gewohnheit ist, scharf nach allen Seiten, und sehe da mehrere Kerle, die sich links von hier am Zaune aufhalten. Ich mochte natürlicherweise nicht tun, als ginge das mich etwas