heftigen Hustenanfall fort. "Daher kommt e r nicht: wir stehen nicht in seiner Gnade; er bekümmert sich auch nicht um uns, was mir übrigens sehr angenehm ist. – Aber sagt mir über Eins Eure Meinung – ich weiss, Ihr denkt viel und habt in manchen Sachen einen ausserordentlichen Scharfblick – wofür haltet Ihr i h n eigentlich?"
Herr Sträuber zuckte bei diesen Worten hoch und lange die Achseln, dann schob er seine Unterlippe vor und entgegnete: "Das mag der Teufel wissen."
"Na, gebt was los!" meinte der Hausherr, da Jener zu zaudern schien. "Ihr habt gewiss viel darüber nachgedacht und auch Manches in Erfahrung gebracht."
"Erfahren habe ich eigentlich über ihn nie etwas," erwiderte Herr Sträuber. "Aber meine idee steht so ziemlich fest."
"Nun denn?" –
"Dass er keiner unseres Gleichen ist, das liegt am Tage, ebenso, dass die Gestalt, unter der er bei uns erscheint, nicht seine wahre ist. – Ich halte ihn mit einem Wort für einen vornehmen und reichen Herrn, dem es nun einmal Spass macht, eine solche Rolle zu spielen."
"Ja, ja, das denke ich auch."
"Der eine Freude daran findet, so eine unsichtbare und mächtige Hand über die Menschen auszustrecken, und hier und dort Einen zu schütteln und zu kneifen; dessen Laune es ist, manchmal Jemand, der sich vielleicht seinen Zorn zugezogen, gewaltig zu treffen. – Denn aus Eigennutz oder des Verdienstes halber hat er sich nicht mit uns eingelassen, das liegt am Tage."
"Gewiss nicht; ich wüsste mich wenigstens nicht zu erinnern, dass er je auch nur Nadelknopfs wert von dem Erworbenen für sich in Anspruch genommen."
"Ihr müsst aber da etwas unterscheiden," fuhr Herr Sträuber mit einem pfiffigen gesicht fort; "er verlangte freilich nie etwas, was für uns Wert hat, aber die Sachen, die er sich vorbehielt, und die wir hie und da mitnahmen, mussten doch wohl für ihn wichtig sein, denn er hat sie uns meistens reich bezahlt."
"Und was waren das für Sachen?"
"Papiere, lieber Freund! – Dokumente; was weiss ich! Oftmals Briefschaften, ja nur ein einfaches Porträt, das er haben wollte. Und wie genau wusste er immer, wo das zu finden sei. In solchen Fällen gab er das Zimmer an, den Tisch oder den Schrank, wo sich die und die Kassette befände; ja er wusste oft, wo der Schlüssel war, oder sagte, man müsse sie aufsprengen oder ganz mitnehmen."
"Aber Papiere von Geldwert nahm er nicht?"
"Davon habe ich niemals etwas gehört. – Als ich ihn damals sah – er gab uns in d e r Nacht über einen verwickelten Fall eine sehr genaue Instruktion – sprach er etwas, das ich nicht vergessen werde. – Einer ist auf dieser Erde der Sklave des Anderen, sagte er; mir macht es nun einmal Vergnügen, so eine recht scharfe Peitsche über Alle schwingen zu können, nachdem sie mich lange und schwer gegeisselt. – Zu derselben Zeit bekam der Matias noch einen ganz sonderbaren Auftrag, den er auch mit einer unglaublichen Gewandteit ausführte. – Was meint Ihr wohl, Meister? – Er musste sich mit grosser Gefahr in ein Haus schleichen, mehrere Türen öffnen, und das alles nicht um etwas zu nehmen, sondern um etwas zu bringen."
"Ah! Sträuber, Ihr bindet mir Eins auf."
"Gewiss nicht; mich soll der Teufel holen! Er bekam von ihm ein Paketchen mit Briefen, und die musste der Matias dort in einem Schreibtisch in ein ihm genau bezeichnetes Fach legen."
"Das begreife ein Mensch."
"Ich hab's begriffen," sprach Herr Sträuber schmunzelnd, indem er die linke Hand mit ausgespreizten Fingern von sich abstreckte; "das war eine Mine, die er in dem haus legte, die artig aufplatzte und dort mehr Verwirrung anrichtete, als wenn wir hunderttausend Taler gestohlen hätten."
In diesem Augenblicke vernahm man ein leises klopfen an der Haustüre.
"Wer kann das sein?" fragte Meister Schwemmer.
"Vielleicht der Matias."
"Nein; der klopft nicht so leise," sagte der Hausherr. "Geh an die tür!" rief er seiner Frau, die eben wieder eintrat, zu, "und schau, wer da ist. Wir brauchen keinen Besuch."
"Dem klopfen nach," meinte sie, "ist es der Schneider von drüben."
"Ah! mein Freund Schellinger!" rief lustig Herr Sträuber. "Den müsst Ihr auf einen Augenblick herein lassen, das ist ein gar zu amüsanter Kerl; er soll uns von seinen Reisen erzählen. – Nicht, Meister?"
"Meinetwegen!" entgegnete der Hausherr. "Ich habe eigentlich nichts dagegen; eine halbe Stunde kann er schon da bleiben. Aber dann kommt der Matias, und der ist, wie ihr wisst, kein Freund von solchen Schnurrpfeifereien."
Die Frau öffnete die tür und Herr Schellinger trat ein. Er rieb sich fröstelnd die hände, bewegte seine Schultern hin und her, und sagte dann: "Guten Abend bei einander; heute Nacht wird's kalt, ich wollte mir nur noch eine Handvoll Wärme mitnehmen, ehe ich in mein Bett gehe."
"Ja