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bleibt nicht leicht etwas verborgen. – Ich habe immer schon gedacht, der Matias mache zuweilen den Spion gegen uns."

"Nein, gewiss nicht!" erwiderte Meister Schwemmer im Tone der überzeugung. "Der Matias ist ein rauher Kerl, aber verraten tut der Niemand. – Es ist das überhaupt ein rätselhafter Herr," fuhr er nach einer Pause fort.

"Wer? – der Matias?"

"Ach nein! er! – Habt Ihr ihn kürzlich gesehen?"

"Gott sei Dank! nein; nur neulich zufällig erfahren, dass er im haus sei, wie die geschichte mit dem Lakaien spielte."

"Aber Ihr spracht ihn früher schon?"

"Ein einziges Mal. Und ich muss gestehen, da machte er auf mich einen gewaltigen Eindruck. Er ist nicht übermässig gross, aber seine stimme geht Einem durch Mark und Bein, und wenn er eine Bewegung macht, auf und ab geht oder etwas tut, so meint man, seine Glieder seien von Stahl und Eisen."

"Ja, ja, so ist es," entgegnete der Hausherr, während er langsam den Kopf in die Hand sinken liess. – "Aber glaubt Ihr wohl," fuhr er nach einer Pause fort, "dass ihn Jemand von den Anderen genau kennt?"

Herr Sträuber schüttelte den Kopf und versetzte: "Sehr genau kennt ihn gewiss Niemand, am besten wohl der Matias, und dann der Josef, dessen Ihr Euch wohl noch erinnern werdet."

"Richtig, der Josef! – Wo ist der wohl geblieben?"

"Hm! hm!" machte der Andere. Dann hob er den Kopf in die Höhe und blickte seinem Gegenüber forschend in die Augen, so dass dieser fortfuhr:

"Vor mir braucht Ihr Euch nicht zu geniren, denn wir kennen uns lange und genau genug."

"Das ist schon wahr," meinte Herr Sträuber und blinzelte mit den Augen. "Ich habe eigentlich auch schon lange mit Euch darüber sprechen wollen; jedoch –" er warf einen blick auf das Weib in der Ecke, welchen der Hausherr vollkommen verstand, denn er sagte augenblicklich mit seiner heiseren stimme:

"Geh' hinaus und schaue einmal nach den Kindern; ich meine, ich hör' da ein Geschrei."

Worauf sie sich mit einer unmutigen Bewegung erhob und das Zimmer verliess.

"Nun –?"

"Der Josef verschwand also plötzlich spurlos und blieb wenigstens ein ganzes Jahr weg. Eines Abends erschien er nun wieder einmal im Fuchsbau, ganz zerlumpt und abgerissen."

"Er hatte wohl eine Kunstreise gemacht?"

"Wie ich Euch sage: er schaute zum Erbarmen aus. Es war gerade an jenem Abend, wo e r auch im Fuchsbau war. Er muss auch den Josef gesprochen haben, denn der Matias führte ihn auf ein Zeichen der Alten aus der Schenkstube hinweg, und Beide kamen nicht wieder. Matias freilich nur für den Abend, der Josef aber auch am anderen und die folgenden Tage nicht."

"Da wird er wieder auf Reisen gegangen sein?"

Herr Sträuber lehnte sich mit seinem stuhl so weit als möglich vorn über, worauf er mit den Augen blinzelte und leise flüsternd sagte: "Unter uns, Meister Schwemmer, er blieb in der Stadt; ich möchte wenigstens hundert Gulden gegen einen faulen Apfel wetten, dass ich ihn kürzlich wieder gesehen."

"Zerlumpt?" –

"Im Gegenteil: er stand auf einer herrschaftlichen Kutsche, auf's Schönste als Jäger angezogen."

"Nun, das ist was Rechtes. Da wird er eine Stelle haben, wie der selige Lakai."

"O nein; mit dem blieben wir beständig im Rapport, der kannte uns genau und nickte uns auf der Strasse, so oft er nur konnte, verstohlen zu. – Aber Herr Josef sind stolz und vornehm geworden, ein ganz Anderer, kennt uns nicht mehr und wenden den Kopf ab, wenn wir ihn ein bischen scharf anblicken."

Meister Schwemmer schaute an die Decke empor, nahm eine starke Prise und hielt darauf seine Nase eine Zeit lang mit den Fingern fest, während er eifrig nachdachte. – "Das ist allerdings sonderbar," sagte er alsdann. "Aber ich will Euch einen Rat geben, bester Sträuber; wenn sich die Sache so verhält, so tut Euch selbst den Gefallen, und blickt den Joseph nicht so scharf an, denn sonst könnte e r Euch auf kuriose Art zwingen, die Augen niederzuschlagen."

"Immer wieder e r !" entgegnete der Andere und setzte mit prahlerischem Tone hinzu: "Was will e r denn eigentlich? Ich werde doch, beim Blitz! auf der Strasse die Menschen ansehen dürfen! – Ihr habt eine gewaltige Angst vor ihm."

"O lieber Freund," antwortete lächelnd der Hausherr, "wir wissen wohl, wer die meiste Angst hat, aber auch das grösste Maul. Wollte Euch nur sehen, was Ihr für ein Gesicht machen würdet, wenn e r jetzt zufällig zum Fenster herein schaute."

Bei diesen Worten blickte der Sprecher, um den Anderen zu necken, etwas scharf auf die dunkeln Scheiben, worauf Herr Sträuber erschrocken herumfuhr, und dann, als Jener laut auflachte, verdriesslich sagte: "Ah! lasst doch die schlechten Witze! Damit treibt man keinen Spass."

"Na, setzt Euch nur ruhig wieder hin," fuhr Meister Schwemmer nach einem