wir uns nämlich in die wohnung und in die Kleinkinderbewahranstalt des Meister Schwemmer begaben.
Herr Hammer und Herr Schellinger traten ebenfalls in diesen Garten, doch gingen sie nur bis zum kleinen baufälligen haus, in welchem, wie wir bereits wissen, der Garderobegehilfe seine armselige wohnung hatte.
Der junge Zimmermann blieb vor der tür stehen, stemmte die arme in die Seite und sagte, während er an dem haus hinauf blickte: "Nimm mir nicht übel, Schellinger, das ist in der Tat eine scheussliche Baracke. Wenn es Einer von unserem Handwerk sieht, so muss ihm völlig übel werden. Es ist mir immer, als sollte ich mit der Schulter auf die eine Seite drücken, dass dies Gestell wieder in's Blei käme. Aber ich fürchte, es könnte umfallen. Sind dir die schiefen Fussböden nicht selbst unangenehm?"
"Mir gewiss nicht," entgegnete ruhig der Schneider, "ich bin das so gewohnt; es erweckt in mir auch eine höchst angenehme Erinnerung, denn von allen Tagen, die ich auf meinen weiten Reisen zubrachte, waren es die glücklichsten, wo ich in einem dorf lebte, in welchem alle Häuser noch weit schiefer standen als dieses hier."
"Und wo war denn das, Schellinger?"
"Das war da vornen," versetzte der Garderobegehilfe, indem er mit dem Zeigefinger seiner linken Hand vor sich hinwies, "in der Wallachei, weisst du, wo alle Männer, die nicht heiraten, zu Wallachen gemacht werden."
"Teufel auch!" sagte lachend der Zimmermann. "Wie bist denn du da glücklich durchgekommen?"
"Ah! das ist sehr einfach. Ich habe mich in jedem Orte, wohin ich kam, provisorisch verheiratet; das geht da vornen herum sehr leicht."
"Ah so!"
"Ja wohl, lieber Richard – Aber siehst du, mit dem dorf war es so: das lag nämlich am fuss eines starken Geberges, von welchem im Herbst, wenn der Schnee schmolz –"
"Schellinger, du meinst im Frühjahr."
"Nein, auf Ehre! dort schmilzt er im Herbst. – Und dann kamen dir also die grausamsten Wasserbäche von den Felsen herabgestürzt, und Alles auf das Dach los, und da die Häuser sehr tief lagen, so schoss es zu den Fenstern herein; und desshalb standen alle Gebäude schief. – Verstehst du, Richard – damit das Schneewasser drüben ablaufen konnte."
"Ah! das muss ich mir merken; das ist eine schöne Einrichtung."
"Ja, sehr schön," sprach melancholisch der Garderobegehilfe, während er seinen Schlüssel aus der tasche zog und anfing, die baufällige Treppe hinauf zu klettern. Auf der Mitte derselben angekommen, sah er sich aber nach seinem gefährten um, der drunten stehen geblieben war und ihm lachend zurief:
"Geh nur voran, Schellinger! Mich soll der Teufel holen, wenn das Ding da uns Beide trägt. Wenn dein Hausherr nicht so ein niederträchtiger Hund wäre, da käme ich aus reiner Menschenliebe her und nagelte es mit ein paar Brettern zusammen. Das wankt ja, dass Einem angst und bange wird."
"Ich mache mir nichts daraus," entgegnete der Schneider, indem er vollends hinaufstieg. "Wenn man zum Beispiel in Amerika reist, da wird man solche Stege, die immer auf- und abgehen, sehr leicht gewöhnt. Weisst du, Richard, in den Sümpfen; so ein Sumpf ist seine viertausend Schuh tief, und da muss man hinüber, hat aber weder Damm noch brücke."
"Da geht man wohl auf Stelzen," bemerkte Herr Hammer, der nun ebenfalls vorsichtig die Treppe hinauf geklettert war.
"O nein," sagte sehr ernst der Andere, "das müssten ja Stelzen von viertausend Fuss Länge sein, und wenn ich mich je unterstehen wollte, euch so etwas zu erzählen, da würde es gleich wieder heissen: wie der Schellinger lügt! – Nein, nein! aber die amerikanische Regierung hat unzählige Alligatore angestellt. – Weisst du, was ein Alligator ist?"
"Ja, ich glaube eine Art Krokodil."
"An die achtzig Schuh lang und zehn Schuh breit. Aus ihrem Fette macht man die Stearinkerzen. – Verstehst du: die ächten; aber das kommt nicht hieher. – Nun also, die Krokodile werden auf Kosten der Regierung gefüttert und sind famos abgerichtet. Wenn nun ein Reisender kommt (er muss aber einen Schein gelöst haben für die Krokodilenpost), da ruft er nur: Giv Achtong! und da reihen sich die Bestien an einander, wobei eins das andere immer in den Schwanz beisst. – Und das ist eine vortreffliche brücke; aber sie schwankt ein bischen."
"Das kann ich mir denken, Schellinger."
"Aber sonst ist sie vollkommen sicher; man muss sich nur in Acht nehmen, dass man so einem Krokodil nicht gerade auf die Nase tritt, denn sonst fängt es an zu niesen, und wenn es niest, da hilft dir aller Schutz der amerikanischen Regierung nicht mehr, da fällst du in den Sumpf, wie es schon manch' Einem geschehen ist."
Bei diesen Worten hatte Herr Schellinger seine Stubentüre geöffnet, und Beide traten in das mehr als dürftig möblirte Zimmer. Da befand sich nur ein alter Tisch, eigentlich nur ein Brett, das an der Wand stand, von einem einzigen fuss unterstützt, ferner zwei sehr wackelige Stühle, und in