? Da mache ich mir eine undankbare Mühe, denn ist Jener dort wirklich eine verdächtige person, so wird er Verstecke genug in der Nähe haben, wo er mir entwischt, und ich mache ihn auf mich aufmerksam, was alsdann viel schlimmer ist. – Soll ich ihm nacheilen, ihm gerade auf den Leib gehen und ihn dann zu Rede stellen? – Ich habe kein Recht dazu, und vielleicht ist er ein ebenso unschuldiger Spaziergänger wie ich selber. Und gesetzt auch, er wäre das nicht, so spiele ich eine verflucht ungleiche Partie; immer würde ich als Angreifer gelten und mich auf diese Art in Sachen mischen, die sich mit dem Rocke, den ich trage, nicht vereinbaren lassen. Auch weiss ich ja vorderhand genug, und habe eine Spur, der mit Klugheit zu folgen man wohl im stand sein wird."
Er verliess den Fuchsbau und schritt die gleiche Strasse hinauf, die der Unbekannte vor ihm gegangen. Ein paar Mal blieb er stehen, und dann glaubte er wohl hie und da noch die Schritte auf dem Pflaster zu vernehmen, was ihn eigentlich willenlos jedesmal zu stärkerem Gehen anspornte.
So erreichte er in Kurzem die obere Stadt und trat in eine der breiteren Strassen, wo er abermals anhielt, um zu lauschen. Tiefe Stille herrschte rings umher; auch nicht das kleinste Geräusch liess sich vernehmen. Doch jetzt – ja, er irrte sich nicht – vernahm er aus ziemlich weiter Entfernung den leichten Trab eines Pferdes.
Vierter Band
Neunundfünfzigstes Kapitel.
Vorbereitungen zum Gefecht.
Unter den vielen Häusern, vor welchen der Baron Brand am Neujahrstage seine Karte abgab, oder in welchen er durch allerlei Gegenreden und verfängliche fragen, trotz der Versicherung des Bedienten, es sei Niemand zu haus, einen schwachen Versuch machte, seinen Glückwunsch persönlich anzubringen, liess er sich nun bei der wohnung des Polizei-Präsidenten gar nicht abweisen und tänzelte lächelnd die Treppen hinauf, um, wie er sagte, wenigstens droben seine Karte abzugeben. Das tat er denn auch mit auffallendem Geräusche, bat den Bedienten mit sehr lauter stimme, doch ja der herrschaft seine besten Empfehlungen zu melden, wie unendlich er es bedaure, nicht vorgelassen worden zu sein – und erreichte damit vollkommen seinen Zweck. Denn als er schon die tür in der Hand hatte, um sich wieder fort zu begeben, wurde ihm gegenüber der Salon geöffnet, und fräulein Auguste erschien, aber wir können versichern, vollkommen absichtslos; denn als sie den Baron bemerkte, wollte sie sich mit einem kleinen Aufschrei sogleich wieder zurückziehen. Dass ihr aber dies nicht gelang, daran war nur die Geschwindigkeit des baron schuld, der sich augenblicklich näherte, leicht und gewandt ihre Hand ergriff und sie feierlich küsste, während ein tief gefühlter Glückwunsch, das neue Jahr betreffend, seinen Lippen entströmte. "Ah!" sagte er hierauf, "so grausam zu sein, fräulein Auguste, und dem, den Sie Ihren Hausfreund nennen, die tür zu verschliessen!"
"Ohne alle Gnade!" erwiderte lächelnd das Mädchen. "Hoher Befehl von Papa und Mama. – Und leider ohne Ausnahme," setzte sie leise hinzu.
"Und Sie hatten vor, eine Ausnahme zu machen?" fragte entzückt der Baron.
"Ah! jetzt fangen Sie schon wieder an, mich zu examiniren. Man kann sich vor Ihnen nicht genug in Acht nehmen; aber wie gesagt, keine Ausnahme. – Mama meint," fügte sie errötend und mit niedergeschlagenen Augen bei, "es sei noch nicht an der Zeit – irgend Jemand Begünstigungen zu erweisen."
"Aber bald, bald! Auguste," versetzte er stürmisch, und wandte sich bei diesen Worten so geschickt auf der Türschwelle, dass er dem Bedienten alle Aussicht versperrte und es wagen konnte, das leicht zurückweichende Mädchen auf die Stirne zu küssen. – "Und keine Hoffnung," fuhr er nach einer Pause hastig fort, "Sie heute Morgen noch einen kleinen, lieben Moment zu sprechen? – Wird mich Papa nicht vorlassen?"
"Er hat dringende Geschäfte und lässt heute nur die Beamten vom Dienst vor sich."
"Die Herren Kommissäre?"
"Ja, sie machen ihren Bericht."
"Coeur de Rose!" rief der Baron, "da bin ich ja ganz in meinem Recht; erinnern Sie sich, Auguste, Papa war so gnädig, mir neulich die erlaubnis zu erteilen, so einem Berichte anwohnen zu dürfen. – Ich lasse mich bei ihm melden, es gilt nur den Versuch, – und einen Versuch," setzte er zärtlich hinzu, "der, wenn er gelingt, mir das hohe Glück verschafft, Sie – später sehen und sprechen zu dürfen; denn wenn der Herr Präsident mich einmal in's Zimmer lässt, so muss er mich auch nachher zu Ihnen hinüber führen."
"Ja, ja, tun Sie so," entgegnete sie eilig. "Aber jetzt fort! – ich höre Mama." Damit sprang sie in's Zimmer und schloss die tür hinter sich zu.
Der Baron nahm eine wichtige Miene an und bat den Bedienten mit ernster stimme, ihn dem Herrn Präsidenten in Geschäften zu melden.
Worauf er denn auch wenige Augenblicke nachher in das Kabinet des Polizei-Präsidenten geführt wurde.
Dieser war eben im Begriffe, seine Nase spazieren zu führen, denn er hatte sie mit der rechten Hand sanft erfasst, während er, die Linke auf dem rücken haltend, auf und