, dass ich vor ihm ohnmächtig niedersank. Er hob mich in die Höhe, und als ich wieder zu mir selbst kam, umwehte mich ein eigentümlicher Duft."
"Ein eigentümlicher Duft!" rief der Graf in der höchsten Spannung. "Wie war es? – Sprechen Sie! – sprechen Sie!"
"Es war ein scharfer Duft," sagte das Mädchen, das etwas erschreckt schien von der Heftigkeit des Grafen. "Es war ein Duft wie von lauter Rosen."
"Ah!" schrie Graf Fohrbach, indem er in die Höhe fuhr, als habe er etwas ganz Erschreckliches gehört. – "Ah! – – Coeur de rose." –––––––––––––––––––––––––––
"Nun wissen Sie Alles," sprach ängstlich das Mädchen nach einer kleinen Pause. – "Was soll ich nun weiter tun? – Ich bin jetzt gänzlich in Ihre Hand gegeben, Herr Graf," setzte sie schmerzlich hinzu. "Sie können mich nach beiden Seiten hin verderben: durch eine Anklage bei meiner Herrin, und dadurch, dass Sie von dieser rätselhaften geschichte etwas laut werden lassen. Dort steht meine Ehre, meine Zukunft, hier mein Leben auf dem Spiel."
Während sie so sprach, war der Graf abermals heftig im Zimmer auf und ab geschritten. Doch als sie geendet, wandte er sich rasch zu ihr hin und sagte feierlich: "Gott soll mich bewahren, dass eins von Beiden geschehe! Nein, nein! gewiss nicht! Ihr geheimnis ist bei mir gut aufgehoben."
"Aber was soll ich ferner tun?"
"Machen Sie Ihre Berichte nach wie vor, aber seien Sie klug und lassen Sie von Ihrer Herrin nichts erfahren, was derselben schaden könnte; ich will sehen, was ich für Sie tun kann. – Das schleicht sehr versteckt einher; man muss ihm ebenso begegnen, um es sicher zu treffen."
"Aber wenn man mir neue Befehle zukommen liesse! Zum Beispiel dies oder das zu tun; – was weiss ich? – Etwas, das wir jetzt nicht vorhersehen können?"
"Wenn es Ihnen unschuldig erscheint und – verzeihen Sie mir – Ihnen als kleine Plaudertzaftigkeit oder Nachlässigkeit angerechnet werden könnte, so tun Sie es in Gottes Namen, suchen mich aber von dem Vorgefallenen gleich in Kenntniss zu setzen. Man muss vorderhand allen Eklat vermeiden. – Sonst," fuhr er lächelnd fort, "verlange ich keinen Bericht von Ihnen. – Aber, bei Gott! es ist spät! – Ich danke Ihnen, mein Kind. Bleiben Sie Ihrer Herrin getreu; gewiss, sie verdient es."
"Ob sie es verdient!" entgegnete fast schwärmerisch das Mädchen.
"Wenn Ihnen diese Sache auch noch Ungelegenheiten machen kann, so hoffen Sie doch auf die Zukunft und auf mich. Ich werde mich Ihrer fortan erinnern."
Damit reichte er ihr die Hand, worauf sie das Licht aus der Fensternische nahm, um ihm ein paar Schritte zu leuchten.
"Gehen Sie nicht zu weit mit mir," sagte der Graf, "vielleicht nur bis an die Wendeltreppe; von da finde ich den Weg schon allein."
So tat sie dann auch, und während er behutsam und so geräuschlos als möglich hinab stieg, beugte sie sich oben über das Geländer und streckte den Leuchter von sich, um das dunkle Treppenhaus zu erhellen.
Es wäre übrigens besser gewesen, wenn sie das nicht getan hätte, denn obgleich Mitternacht längst vorüber war und Alles im schloss fest zu schlafen schien, so war dies in Wirklichkeit doch nicht der Fall. Einer der Portiers, welcher seine wohnung an eben dieser Wendeltreppe hatte, hörte mit seinem Ohr die Tritte und öffnete geräuschlos ein Fensterchen, welches auf dieselbe hinausging, und da sah er denn deutlich das Kammermädchen droben stehen, und einen Offizier, in einen Mantel gehüllt, sich sachte hinab schleichen. – Die meisten Schlossbedienten sind auf dergleichen pikante Neuigkeiten begierig und setzen gerne ihren ganzen Scharfsinn daran, sie zu ergründen. Desshalb bemühte sich denn auch der Portier, an einzelnen Kleinigkeiten des Offiziers zu entdecken, welche Uniform er wohl tragen könnte. Unglücklicherweise liess Graf Fohrbach unten an der Treppe seinen Mantel etwas von der Schulter herabgleiten, so dass man Epaulettes und Fangschnüre sehen konnte.
"Aha!" dachte der Portier, "einer der Adjutanten. – Wer hatte den Dienst? – Graf Fohrbach. – Richtig! das ist seine Figur und sein gang." Damit verschloss er sein Fensterchen wieder und schlief nach einigen Augenblicken beruhigt weiter.
Der Graf kam indessen durch das Labyrint von Gängen, Treppen und Vorplätzen glücklich in's Freie.
Es war eine finstere, kalte Nacht, wesshalb er seinen Mantel dicht zusammen zog, als er auf den Kastellplatz hinaus trat. Um von hier nach haus zu gelangen, hatte er zwei Wege; der eine führte durch die höher gelegenen vornehmeren Stadtteile, durch breite Strassen und über bequeme Brücken, war aber bedeutend weiter als der andere, der mitten durch die alte Stadt ging. Doch hatte der Letztere den Nachteil, dass er meistens durch enge Strassen führte, einigemal durch finstere Durchgänge, auch beim Kanal vorbei und über dessen enge und schlechte Brücken.
Doch war es hart gefroren, die Strassen auch reinlich und ohne Nässe, wesshalb der Graf den Weg durch die alte Stadt wählte. Er hatte auch nach allem dem, was er heute Abend gehört, eine leicht begreifliche Lust, sich die finstere Häusermasse, den Fuchsbau,