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Herzog nicht gerade überzeugt?" fragte er forschend.

"Nein, nein!" entgegnete sie eifrig; "er meint es schlimm und unredlich. O glauben Sie mir, Herr Graf, ich habe ihm gewiss nur Sachen berichtet, die meiner Herrin nicht schaden können; ich habe seinen sonderbaren Zumutungen nie Gehör gegeben, ich war gewiss keine so schlimme Verräterin, wie ich wohl scheine."

"Ei, ei! er machte Ihnen Zumutungen?" sagte aufmerksam Graf Fohrbach. – "In Betreff Ihrer Herrin?"

"Sehr häufig."

"Und worin bestanden diese Zumutungen?"

"Bald sollte ich ihm dies oder das von ihr verschaffenein Band, eine Haarlocke oder ein Blatt ihres Albums, in welches sie zuweilen kleine Gedichte schreibt. Auch verlangte er, ich sollte ihn Abends einmal, wenn fräulein Eugenie ausgegangen, in deren Zimmer führen."

"Was der Teufel! – Und Sie?"

"Bei Gott! ich wies alles das zurück. – Auch wünschte er, ich solle zuweilen beim Ankleiden auf eine unverfängliche Art die Rede auf ihn bringen, um zu hören, was das gnädige fräulein sagen würde. – Aber gewiss, ich tat es nie."

"Sehr gut!"

"Was mir befohlen war und wozu mich mein Schwur zwang, habe ich getan, aber gewiss nur auf die schonendste Art für fräulein Eugenie. – Wenn Sie, Herr Graf," fuhr sie nach einer kleinen Pause stockend fort, – "geneigt wären, den Worten eines armen Mädchens Glauben zu schenken, so würde ich Ihnen bei Allem, was mir heilig ist, die Versicherung geben, dass der Herzog von meiner Dame nie ein anderes Wort erfuhr, als was die ganze Welt wissen kann."

"Und mir würden Sie auch nicht mehr sagen?" fragte er lächelnd.

"Gewiss nicht, Herr Graf," entgegnete sie mit einem festen, offenen blick. "Sie würden das auch nicht verlangen, denn –" Hier schwieg sie plötzlich.

"Sprechen Sie weiter!" sagte er; "denn –"

"Denn," fuhr sie mit einem kaum bemerkbaren Lächeln fort, "denn meine Herrin würde Ihnen vielleicht selbst mehr sagen, als ich dem Herzog zu berichten im stand bin."

"Ah! Sie glauben?" rief er erfreut. "Nun, da wir Beide hier einmal auf so eigentümliche Art zum Austausche von Geheimnissen kommen, so kann ich Sie versichern, ein jedes Wort von fräulein Eugenie zu mir gesprochen, ist mir unaussprechlich kostbar. – Doch wir kommen ganz von unserer Sache ab," unterbrach er mit einem viel ernsteren Tone sich selbst und seine freundliche Rede von vorhin. – "Wollen Sie mir Ihr Vertrauen schenken? Wohlan! ich will Sie anhören, ich will Ihnen raten, wo ich kann."

"Das ist aber eine ziemlich lange und traurige geschichte," entgegnete das Mädchen, "und ich fürchte Sie damit zu ermüden, will mich aber so kurz zu fassen suchen, wie nur möglich."

Darauf nun erzählte sie dem Grafen ganz ehrlich und aufrichtig die geschichte, welche der geneigte Leser bereits weiss, genau so, wie sie solche im Fuchsbau dem Harfenmädchen anvertraut, wie man sie eines Diebstahls beschuldigt und fortgejagt, wie sie darauf mit der Harfenspielerin in jenes Wirtshaus gekommen und wie sie zu Bette gegangen seien. – "Dann wurden wir in der Nacht geweckt," sprach sie weiter: "eine alte Frau hiess mich aufstehen, meinen Anzug zurecht machen und brachte mich hinunter in ein Zimmer, wo ich eine Zeit lang warten musste, – dann führten sie mich vor i h n ."

"Vor ihn? – Wer war denn das?"

"Das weiss ich in der Tat nicht; das schien auch Niemand im haus zu wissen, es hiess nur immer: e r ist gekommen, e r ist da. Aber Jeder, der dies sagte, selbst die rohesten und verwegensten Leute, wie mir schien, sprachen von ihm mit grosser Ehrfurcht, ja mit Angst und Zittern. Die Harfenspielerin sagte zu mir, als man mich aus dem Schlafzimmer abholte: ja, wenn e r dich holen lässt, da hilft kein Widerstreben."

"Das ist sehr seltsam," erwiderte der Graf. – "Also Alle schienen ihm zu gehorchen?"

"Unbedingt."

"Sie wurden also vor ihn gebracht. Tun Sie mir jetzt den Gefallen und nehmen Sie Ihr ganzes Gedächtniss zusammen. Wie sah er aus? Wie ein wilder, verwegener Kerl?"

"Nein, nein!" entgegnete sie eifrig, "so sah er nicht aus; im Gegenteil. Es war ein noch junger Mann von, ich möchte sagen, angenehmem Aeusseren, in Ihrer Grösse, Herr Graf, schlank, von leichten Bewegungen; sein Gesicht hatte eine ziemlich dunkle Farbe, sein Haar war schwarz, seine Augen aber blau, und sein gleichfalls schwarzer Bart hing an beiden Seiten des Mundes herab. – Ich erinnere mich, bei uns Zigeuner gesehen zu haben," fuhr sie nach einem kleinen Nachdenken fort, "gerade so sah er aus, nur dass seine Kleidung nicht zerlumpt war, sondern einfach, aber sehr anständig."

"Und womit war er ungefähr bekleidet?" fragte der Graf mit grosser Aufmerksamkeit.

"Das kann ich nicht sagen," entgegnete das Mädchen; "ich war so bestürzt und überrascht, und in