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befohlen war? – doch davon nachher! – Also Sie trafen hier oder anderswo mit dem Herrn Herzog zusammen, um ihmBericht über Ihre Herrin zu geben, über ihr Leben und Treiben, was sie tut und spricht, zu wem sie geht, wer zu ihr kommt? – Ah! Verrat ohne Gleichen! – Schändlichkeiten, wie noch keine da gewesen! Und das fühlen Sie nicht? Ein solches Verbrechen liegt nicht schwer auf Ihrer Seele? – Pfui der Schande!"

Anfänglich hatte das Mädchen den jungen Mann mit weit aufgerissenen Augen angestarrt, dann schlug sie die hände vor das Gesicht und ein tiefer, schmerzlicher Seufzer wand sich aus ihrer Brust; zuletzt aber, als sein Auge flammte und er mit Entrüstung des schändlichen Verrats gegen ihre Herrin erwähnte, liess sie langsam die hände von ihrem Gesicht herab sinken, atmete tief auf und blickte in die Höhe, aber nicht mehr ängstlich oder niedergedrückt, sondern als wollte sie sagen: Gott sei gedankt! Eine Träne, die in ihrem Auge zitterte, bekräftigte diesen Gedanken.

"So sind Sie der Herr Graf Fohrbach?" brachte sie darauf mühsam hervor.

"Der bin ich. – Woher kennen Sie meinen Namen?"

"O, er wird oft bei uns genannt," entgegnete schüchtern das Mädchen.

Zu jeder andern Zeit hätte ihn dies Wort glücklich und vergnügt gemacht, aber in diesem Augenblicke, wo er einer so ausgedachten Verräterei auf die Spur gekommen war, einer Verräterei gegen sie, gegen das Mädchen, das er so innig liebte, brachte es keine grosse wirkung auf ihn hervor. – Und es war ja nicht nur eine Verräterei gegen Eugenie; wer weiss, welchen Zweck man hatte, ihre Handlungen und Worte zu belauschen, ihre Schritte mit Schlingen und Fallen zu umgeben! – Wohl durchzuckte es ihn seltsam, als das Mädchen sagte, sein Name werde oft genannt, doch machte er eine ablehnende Handbewegung gegen sie.

"So oft genannt," fuhr sie eifriger fort, "dass er mir leicht im Gedächtnisse blieb und dass ich immer auf die Stunde hoffte, wo es mir vielleicht vergönnt sein würde, Sie zu sprechen, zu Ihren Füssen zu fallen, Ihren Schutz anzuflehen."

Bei diesen Worten tat das Mädchen, wie es sagte: es sank neben dem stuhl nieder, und als der Graf erstaunt einen Schritt zurücktreten wollte, fasste es nach seinem Mantel.

"Das ist eine sonderbare Kommödie," sagte er. "Was Teufel brauche ich Sie zu schützen? – Sie scheinen mir selbstständig genug zu sein, stehen ja auch unter weit mächtigerem Schutze, als der meinige ist. Uebrigens bitte ich recht sehr, stehen Sie auf; ich mag Sie nicht da liegen sehen, selbst wenn dies am Ende eine Stellung ist, die Sie wohl verdienen nach dem, was Sie einer gewiss so guten und sanften Herrin getan."

"O mein Gott! ja, sie ist so gut und sanft," versetzte jammernd das Mädchen. Dabei liess sie den Mantel los, stützte sich mit der einen Hand auf den Boden und schien mit der anderen ihre herabstürzenden Tränen zurückhalten zu wollen.

"Die Ihnen gewiss nie Veranlassung zu diesem Schritte gab," fuhr er entrüstet fort.

"Nie," sagte das Mädchen. – "Nie! nie! Man fühlt bei fräulein Eugenie nicht, dass man Dienerin ist; man arbeitet zu seinem Vergnügen, indem man ihre freundlichen Bitten erfüllt; man wird belohnt durch Gutmütigkeit und Vertrauen. – Nie kommt ein hartes Wort über ihre Lippen, nie hat man bei ihr eine Laune zu ertragen."

"Und doch," rief der junge Mann, mehr und mehr überrascht, während er einen blick des Abscheu's auf die Knieende warf, "und doch die Verräterei? – So also belohnen Sie die Liebe und Güte Ihrer Herrin?"

"Ich muss ja wohl!" klagte das Mädchen und rang wie verzweifelnd die hände. "Bei Gott dem Allmächtigen! ich muss, man zwingt mich dazu!"

"Wer kann Sie zwingen? – Sind Sie nicht die Herrin Ihrer Handlungen, sind Sie nicht in dem Punkte vollkommen frei?"

"O nein! o nein! ich bin nicht frei; ich m u ss t e diesen Befehlen Folge leisten."

"Den Befehlen Ihrer Herrin?"

Sie schüttelte mit dem kopf.

"Hat denn sonst irgend Jemand eine Macht über Sie?"

"Ja."

"Eine Macht, die Sie zwingen kann, gegen Ihre Herrin zu handeln wie Sie getan?"

"Ja."

"Also ein Wesen," sprach er, mehr und mehr erstaunt, "das Sie zwingt, Ihre Herrin zu verraten?"

"Ja, ja!"

"Das Ihnen befiehlt, Eugeniens Tun und Lassen genau zu beobachten und darüber Bericht zu machen?"

"O mein Gott, ja!"

"Berichte an den Herzog?"

"Ja, Herr GrafBerichte an den Herzog, oder an wen man mir befiehlt."

Nach diesen Worten faltete sie, immer noch auf den Knieen liegend, die hände und liess den Kopf tief auf die Brust herab sinken.

"Und wer ist dieses Wesen, das eine solche Macht über Sie ausübt?"

"Ich weiss es nicht," sagte sie nach einer Pause, indem sie ihren Kopf erhob und dem jungen mann mit einem blick voll Offenheit, ja mit einem Ausdruck vollkommener