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Sie, Sie schlagen die Augen nieder. – Nun also, ich komme an seiner Stelle; lassen Sie mich hören, was Sie zu sagen haben."

Das Mädchen schüttelte mit dem kopf, schlug die hände zusammen und drückte sie alsdann heftig an ihre Augen.

"Sie trauen mir nicht," fuhr der junge Mann nach einer Pause fort. "Nun, ich finde das begreiflich. – Sie erwarten Jemand, den Sie schon länger kennen, nun erscheint plötzlich ein Unbekannter, – das muss Sie natürlicherweise überraschen. Wenn ich Ihnen aber sage," – diese letzten Worte sprach er in bestimmtem Tone und sehr langsam – "dass Seine Durchlaucht der Herzog Alfred hieher kommen sollte, dass er aber augenblicklich nicht im schloss ist und dass ich statt seiner hier bin, ist das alles nicht wahr?"

Das Mädchen liess ihre hände herab sinken, schaute ihn mit einem festen Blicke an und entgegnete alsdann: "Was hilft mein Leugnen, Sie haben mich ja in Ihrer Gewalt."

"Ach was Gewalt!" entgegnete er unmutig. "Davon kann gar keine Rede sein. Schenken Sie mir Ihr Vertrauen; Sie haben es mit keinem Undankbaren zu tun."

Ein schmerzliches Lächeln flog bei diesen Worten über ihre Züge, dann seufzte sie tief auf und flüsterte: "Es ist etwas Schönes um die Dankbarkeit; o, wenn auch ich dankbar sein dürfte!"

"Also Sie erwarteten den Herrn Herzog?"

"Ja," sprach das Mädchen nach einer Pause mit festerer stimme.

"Schön. – Nun bin ich aber da. – Sprechen Sie ohne Rückhalt. Was haben Sie mir zu sagen?"

"Ich brauche nicht zu sprechen," erwiderte das Mädchen mit sanfter stimme, "ich brauche nur auf fragen, die an mich gestellt werden, zu antworten. Also fragen Sie in Gottes Namen."

Auf diese Worte hustete der Graf gelinde und sah sein Gegenüber erstaunt an. "Das ist ein schönes Labyrint," dachte er. "Finde mir da Jemand einen Ausweg! Ich komme da her, um einen Bericht zu hören, und jetzt soll ich diesen Bericht mit fragen heraus locken. – Was soll ich fragen, ohne mir eine Blösse zu geben? Denn ich weiss nicht einmal, wer das Mädchen ist, und also auch nicht, worüber sie mir Auskunft zu geben vermag. – Helfen wir uns, so gut wir können. Sie muss doch bei irgend einer herrschaft sein, nach der wollen wir uns ein wenig erkundigen; vielleicht gibt sich das Andere von selbst." – "Also," begann der Graf nach einem längeren Stillschweigen und nachdem er sich mit der Hand über das Gesicht gefahren, auch seinen Schnurrbart gedreht und den Mantel etwas von der Schulter herab genommen, "also Sie erwarten meine fragen?"

"Ja," erwiderte das Mädchen.

"Nun denn! – Teufel!" dachte er, "wer ihre herrschaft ist, darf ich nicht fragen, – aber wo sie sich im Augenblicke aufhält. Das geht!" – "Nun denn, ist Ihre herrschaft zu haus?"

"Das gnädige fräulein kamen vor einer halben Stunde."

"Ah! ein fräulein! – Das ist schon etwas!" sprach er für sich. – "Undhm! – siesie blieb zu haus?"

"Sie begab sich zu Bette."

"natürlich! – es ist schon spät. – Und wo war denn das gnädige fräulein, wenn ich fragen darf?"

"Sie fragen nur für den Abend? – Oder meinen Sie den ganzen Tag?"

"Vorderhand ist es mir nur um den Abend zu tun," erwiderte Graf Fohrbach, der wohl fühlte, dass er bald mit seinen fragen am Ende sei. "Dann aber wünsche ich auch Einiges über den Tag zu erfahren."

"Das gnädige fräulein waren von sechs bis halb Acht bei der Tafel und fuhren darauf in Gesellschaft."

"Wohin?"

"Zu dem Herrn Major von S."

"Was?" rief der Graf im höchsten Erstaunen, indem er heftig zusammenfuhr und dicht vor das Mädchen hintrat, "zu Major von S.? – Träume ich denn? – Zu Major von S.?"

"Um Gotteswillen! – ja. Ich sage gewiss die Wahrheit," versetzte sie erschrocken.

"So ist Ihr fräuleinEugenie von S.?"

"Allerdings!" rief das Mädchen, nun ihres Teils überrascht. "Das wussten Sie nicht?"

"Nein, beim Teufel! ich wusste es nicht. – Ah! das ist ein bischen zu stark!"

"So hat Sie auch der Herzog nicht geschickt?" fuhr ängstlich das Mädchen fort.

"Nein, nein, er hat mich gewiss nicht geschickt; aber ich danke Gott, dass ich gekommen bin. – S i e also betrifft dieser Bericht? – Eugenie? – O das ist über alle Beschreibung! Sprich, Mädchen," fuhr er ernster fort, indem er ihr Handgelenk fasste; "jetzt werde ich wirklich fragen stellen, bitte aber um richtige und pünktliche Antworten. – Sie haben also den Herrn Herzog hier erwartet?"

"Ja, ich sagte es schon."

"Und er kam schon öfter hierher in dieses Zimmer?"

"Zuweilen hier, zuweilen anderswo, wie es mir befohlen war."

"Wie es Ihnen