beiden Enden desselben flackerten um diese Stunde noch ein paar trübe Lampen. Doch kannte er den Weg genau, und wenn er sehr behutsam dahin schlich, so geschah dies nur, damit seine Sporen auf dem Steinpflaster nicht klirren und irgend einen der sich unten aufhaltenden Bedienten oder die Wache beunruhigen möchten.
Es ist aber eigentümlich, wie sich in der Stille der Nacht jeder Ton verdoppelt und hörbar ist, den man am Tage gar nicht beachtet. So vernahm auch Graf Fohrbach jetzt deutlich seinen leisen, fast geräuschlosen Schritt, und wenn sich zufällig sein Säbel bewegte, so klirrte es gerade so, als rassele Jemand mit einer Kette.
Der Adjutant erreichte bald das Ende des Korridors und stieg dort eine Wendeltreppe hinauf, die ihn auf einen Vorplatz führte, den er quer durchschreiten musste, um zum Eingang der blauen Gallerie zu gelangen. Hier war es schon schwieriger, sich zurecht zu finden, denn nirgendwo brannte ein Licht, und die Nacht war so finster, dass man kaum die hohen Fenster von der Wand unterscheiden konnte.
Hier war die blaue Gallerie; jetzt galt es, die vierte tür zu finden. Sehen konnte er nicht eine einzige, er musste also an der Wand hintappen und sich seinem Gefühle überlassen.
"In dieser greifbaren Finsterniss," dachte er, "geht mir auf einmal über etwas ein Licht auf; ich erkläre es mir jetzt vollkommen, zu welchem Zwecke sich neulich der Herzog drüben in dem Laden die kleine elegante Blendlaterne kaufte. So ein Ding könnte ich auch jetzt hier ganz gut gebrauchen. – Das war die zweite tür. – Nun kommt die dritte. – Da ist sie! – Aber nun halt! – Wahrscheinlich werde ich an der vierten und richtigen ein Zeichen brauchen, um eingelassen zu werden. Das wäre unangenehm, da ich bis hieher so ohne allen Anstand gekommen und weiter nichts weiss. – Vielleicht auch, dass ich meine Anwesenheit durch einen lauten Schritt anzeigen muss. Hier wohnt eigentlich Niemand, wie ich glaube, und wir können schon ein wenig hörbarer auftreten."
So tat er auch, und dies Mannöver brachte augenblicklich eine wirkung hervor. Es erschien nämlich rechts neben ihm, wo die vierte tür sein musste, ein kleiner leuchtender Punkt, wie wenn sich Jemand mit einem Lichte dieser tür näherte und der Schein desselben durch das Schlüsselloch fiele. – Mit zwei weiteren Schritten hatte er die tür erreicht und nun vernahm er zu seinem grossen Vergnügen, dass dieselbe langsam geöffnet werde. Er ergriff mit der Hand die Klinke, drückte sie ganz auf, trat eilig über die Schwelle und befand sich in einem ziemlich kleinen Zimmer, einem jungen Mädchen gegenüber, das bei seinem Anblick so heftig zusammenfuhr, dass ihr die Wachskerze, welche sie in der Hand trug, fast entfallen wäre. Einen lauten Aufschrei, der wahrscheinlicherweise erfolgt wäre, verhinderte der Graf, indem er den Finger erhob und dem Mädchen leise aber eindringlich: "stille!" zurief. – Darauf verschloss er die tür, schob einen Riegel, vor und liess einen schweren Vorhang darüber fallen, bei dessen Anblick er begriff, wesshalb er früher keine Spur des Lichtstrahles gesehen.
Nachdem dies geschehen, machte er ein paar Schritte weiter in das Zimmer hinein gegen das Mädchen hin, die mit einem wahren Ausdruck des Entsetzens gegen das ebenfalls dicht verhängte Fenster zurückwich.
"Das ist ein sonderbares Abenteuer," dachte er. "Sollte es sich hier um ein einfaches Rendezvous handeln? – Ich glaube nicht; und wenn dem so wäre, müsste ich mich eilig zurückziehen, denn das ginge alsdann über Indiskretion. – Doch nein, nein! die Kleine da hat mir ein ganz anderes Aussehen. – Suchen wir auf eine gescheidte Art zu unserem Berichte zu kommen."
Das Mädchen hatte den Leuchter auf den Tisch gestellt, ohne ihn aus der Hand zu lassen, die noch immer heftig zitterte. Sie hatte eine schlanke, schmächtige Figur, ein schmales, bleiches Gesicht und blondes Haar, welches in zwei dicken, sehr zierlichen Flechten um ihren Kopf gewickelt lag. Ihr einfacher und sauberer Anzug war, wie ihn die Kammerjungfer einer anständigen Dame zu tragen pflegt. – Sie vermochte es nicht, ein Wort hervor zu bringen und starrte den Eingetretenen mit ihren grossen blauen Augen an, wobei sich ihre feinen Lippen krampfhaft bewegten.
"Beruhigen Sie sich doch, mein Kind!" sagte der Graf so sanft als möglich, "ich werde Ihnen gewiss nichts zu Leide tun. Gewiss nicht! – auf mein Wort! Lassen Sie Ihren Leuchter ruhig auf dem Tische stehen und setzen Sie sich meinetwegen in jene Ecke, während ich hier sehr entfernt von Ihnen, auf dem Tabouret Platz nehmen will. – So tun Sie es doch! – Ich komme, bei Gott! in keiner schlechten Absicht."
Nach längerem Zögern tat das Mädchen endlich, wie er ihr geheissen. Sie liess die Hand von dem Tische herabgleiten, ging rückwärts zu dem bezeichneten Stuhl, blieb aber dort aufrecht stehen und schien sich an der Lehne festzuhalten.
"Sie haben mich nicht hier erwartet?" sagte der Graf, nachdem er sie eine Zeit lang betrachtet.
"Nein, nein, nein! gewiss nicht!" brachte das Mädchen mühsam hervor.
"Aber Jemand anders sollte kommen? Schütteln Sie nicht den Kopf: ich weiss Alles. – Jemand anders wurde von Ihnen hier um elf Uhr erwartet. Da hilft ja kein Leugnen. – Sie hatten ihm etwas mitzuteilen. Sehen