Ungeschicklichkeit kann man nichts tun, als sich in Geduld fassen. Und fragst du endlich: "War denn Pique diesesmal wieder nicht recht?" so lächelt man vielleicht mitleidig und entgegnet dir: "Mein bester Herr, Pique an sich wäre schon nicht ganz unrecht gewesen, aber wie können Sie um Gotteswillen den Zehner ausspielen, wenn Sie den Buben in der Hand haben? Das heisst ja mutwillig Alles auf's Spiel setzen! Ah! Das ist doch ein bischen zu stark!"
Wahrhaft peinlich ist es aber nun, Whist mit hohen Herrschaften zu spielen, wo du auf alle Fälle Unrecht hast, wo du keine Gegenrede wagen darfst, wo du beim Unglück, durch schlechte Karten herbeigeführt, dasselbe verschuldet, wo dich dagegen beim Glücke dein Partner oder Partnerin durch ihr glänzendes Spiel mit durchgerissen. Hier erhältst du natürlich selten oder nie einen lauten Vorwurf, aber dafür trifft dich ein sonderbar fragender blick; ein leichter Husten ist dir ausserordentlich verständlich; ein kaum bemerkbares Achselzucken oder ein gelinder Seufzer schmettert dich gänzlich zu Boden. – So ergeht es dem vortrefflichen Spieler, der mit aller Anstrengung seiner Verstandeskräfte bei der Sache ist und sich durch nichts zerstreuen lässt.
Welche Qualen dagegen ein Unglücklicher, ein Liebender, ein Eifersüchtiger am Spieltische der höchsten Herrschaften ausstehen muss, davon, geneigter Leser, bist du vielleicht glücklicherweise nicht im stand, dir einen Begriff zu machen.
Und der arme Graf Fohrbach befand sich in diesem Falle; doch machte er übermenschliche Anstrengungen, sich vor den strengen Augen der Frau Herzogin keine Blösse zu geben, und das Glück, das ihm heute Abend in der Liebe manquirte, war ihm denn auch, gemäss dem Sprichwort, im Spiele günstig, und er bekam, wie der Hofmarschall bei jedem Ausgeben seufzend versicherte, immense Karten. Die Frau Herzogin lächelte holdselig und freundlich, denn Ihre Majestät und Seine Excellenz waren gross Schlemm geworden und hatten einen sehr starken Rubber eingebüsst.
Und nicht allein die verlorene kleine liebenswürdige Soirée bei dem Major v. S. beschäftigte die Phantasie des unglücklichen Grafen, nicht nur der Herzog, der statt seiner dortin gefahren, nein, auch die Marken Seiner Durchlaucht, die vor ihm auf dem Tische lagen, fesselten Seine Aufmerksamkeit, und er musste sie immer und immer wieder nachdenkend betrachten, als verbärgen sie ihm irgend ein wichtiges geheimnis. – Warum wollte sie der Kammerdiener so schleunig fortnehmen? – Sie waren hohl, wie Ihre Majestät meinten, und Ihre Majestät hatten ferner einer geschichte gedacht, wo irgend ein seliger Oberstofmeister in ähnlichen Marken den Damen Billete zuzustekken gewusst.
Wie gesagt, der Rubber war zu Ende und Ihre Majestät schienen nicht darauf zu dringen, augenblicklich einen neuen zu beginnen, sie lehnten sich vielmehr in ihren Stuhl zurück und sprachen leise mit der Frau Herzogin.
Auf den Marken befanden sich, wie Ihre Majestät vorhin bemerkt, in Emaille die vier Kartenfarben. Der Graf spielte mit Treff, nahm die Marke leicht in die Hand, liess sie, wie ganz absichtslos, unter dem Tische verschwinden, und drehte daran. – Ihre Majestät hatte Recht: die Marke öffnete sich und bot ein kleines Gehäuse dar, welches aber leer war und auch nichts Weiteres zeigte, als er auf die Emaille drückte. Ganz geschickt wusste er Treff, nachdem er wieder zugeschraubt hatte, auf den Tisch zu bringen und nahm dafür Caro. – Auch Caro war und blieb leer, ebenso Pique; – aber Coeur. – Scheu blickte er umher, um zu sehen, ob Niemand auf ihn achte. Doch die Herrschaften sprachen noch immer leise zusammen, und der Hofmarschall hatte die Rechnung über den verlorenen Rubber in der Hand und überlegte, wie viele Dukaten ihn das Spiel heute Abend kosten würde. – Richtig! – Coeur war nicht leer; bei einem Drucke auf die Emaille sprang die Cuivette auf, und unter derselben lag ein kleines, zusammen gefaltetes Papier. – War es Unrecht, dies an sich zu nehmen? – Es zu b e h a l t e n – gewiss! – aber nicht, es nur zu lesen und dann wieder hinein zu legen. – Mit diesen Gedanken beschwichtigte der junge Mann sein Gewissen. – "Es das eine Kriegslist," sprach er zu sich selber, "ich recognoscire nur feindliches Terrain; denn der Herzog ist in diesem Punkte mein Feind, und ich fürchte, wir werden einen erbitterten Krieg mit einander führen. – Nein, nein! – Da gilt keine Schonung. – Wer weiss, ob er selbst mich nicht statt seiner hierher gebracht hat!"
Unter diesen Gedanken hatte er auch schon die Marke geleert, sie wieder zugeschraubt und auf den Tisch gestellt.
Wie aber nun das Papier lesen? – Und das musste schnell geschehen, denn sobald Ihre Majestät zufällig das Spiel aufhob, so hatte er nicht mehr Zeit, den Zettel in die Marke zu stecken, und der schlaue Kammerdiener musste augenblicklich den Verlust desselben entdecken.
Glücklicherweise half ihm der Hofmarschall über diese Klippe hinweg, indem er ihm die Whistrechnung sowie den Bleistift darreichte und ihm sagte: "Sehen Sie doch 'mal nach, Graf Fohrbach, da muss irgendwo ein Fehler stecken, Plus und Minus stimmt mir nicht überein."
"Lassen Sie sehen," versetzte der Graf entzückt, während er das Papier ergriff, seinen Zettel, den er in der hohlen Hand verbarg, geschickt darauf legte und statt sich um die Zahlen zu bekümmern, die Worte las:
"Bericht – wie gewöhnlich