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und ganz ergebenst die Frage: "Seine Durchlaucht, der Herr Herzog, werden nicht spielen?"

Die Herzogin hatte aber diese Frage ebenfalls vernommen und versetzte, indem sie die Karten in die Hand nahm: "Mein Sohn wird wahrscheinlich erst zum Souper kommen; ich vergass, Ihnen das zu sagen."

Der Kammerdiener antwortete mit einer tiefen Verbeugung, wodurch er sich zu bedanken schien, dass er aus dem mund der hohen Gebieterin selbst eine Auskunft erhalten. Dann aber schnellte er förmlich in die Höhe, hob seine lange bleiche Nase einige Zoll über das ihr gebührende Niveau, nahm eine sehr wichtige Miene an und spitzte zierlich seinen Mund.

Graf Fohrbach hatte sich unterdessen niedergelassen und war eben beschäftigt, die Spielmarken an seiner Seite auf einander zu schichten, als er mit Verwunderung die dünne weisse Hand des Kammerdieners bemerkte, der sich mit einem süssen Lächeln bemühte, eben diese Marken an sich zu nehmen. Er sah ihn fragend an, worauf derselbe mit ganz leiser stimme entgegnete: "Es sind die Marken Seiner Durchlaucht; ich legte sie dahin, weil ich geglaubt, der Herr Herzog würden selbst spielen."

"So lassen Sie sie auch jetzt ruhig liegen," sagte lachend die Herzogin. "Ich weiss wohl, mein Sohn gibt sie jedesmal nach dem Spiele in Ihre Hand, aber ich denke, sie werden hier ganz gut aufgehoben sein."

Die dünnen Finger zuckten zurück, die Gestalt des Kammerdieners krümmte sich und er schlich rückwärts auf dem Teppich zurück und in das Nebenzimmer. Seine blassen Wangen aber hatten sich sanft gerötet, und sein Auge, scharf und glänzend wie das eines Falken, blickte gierig nach den goldenen Marken.

"Ist etwas Besonderes an ihnen," fragte Ihre Majestät, "dass der Herzog sie sorgfältig aufbewahren lässt?"

"Es ist wahrscheinlich ein Cadeau," entgegnete achselzuckend die Herzogin; "sie sind allerdings von einer netten Arbeit; das Ganze aber ist wohl nichts mehr und nichts weniger als eine von Alfreds Eigenheiten."

"Lassen Sie doch sehen."

Der Graf erhob sich schnell und brachte die vier Marken an die Seite Ihrer Majestät, welche sie in die Hand nahm und betrachtete. "Sie scheinen hohl zu sein," sagte sie; "wahrscheinlich kann man sie öffnen; ich kenne dergleichen Spielereien. – Erinnerst du dich, Hedwig, Papa's Oberstofmeister hatte ebenfalls dergleichen Marken, er schrieb dann kleine Zettelchen, die er hinein steckte und den Damen zuschob. – Ein alter, wunderlicher Herr. Ich sah das häufig, tat aber nicht, als ob ich es bemerkte. Die Marken waren gerade gemacht wie diese, alle vier schraubten sich auf, aber nur eine hatte einen doppelten Boden. Wenn man aber oben auf die Emaille drückte, welche die Kartenfarbe darstellt, so sprang eine andere Cuivette auf und darunter verbarg er seine kleinen Angelegenheiten."

"Das hier gehört vielleicht dem gleichen Zwecke an," meinte die Herzogin. "Gott! wer kann sich um dergleichen bekümmern! – Ist dir's gefällig, das Spiel anzufangen?"

Ihre Majestät nickten mit dem kopf.

"Coeur ist à tout," sagte ganz ergebenst der Hofmarschall.

Geneigter Leser, du wirst gewiss schon sehr häufig in deinem Leben Whist gespielt haben. Es ist das an sich ein harmloses Spiel, ausserordentlich leicht und angenehm, wenn man es mit sehr gutmütigen Leuten spielt, die es gerade so machen, wie du, das heisst, ihre dreizehn Karten eine nach der andern auf den Tisch werfen, die froh sind, wenn sie einen Trique machen, denen es auch nicht darauf ankommt, dass du soeben ihren Piquekönig gestochen, während du doch den Zweier, Dreier und Vierer von dieser schönen Farbe in der Hand behieltest, die es am Ende auch nicht besonders übel nehmen, wenn zum Schluss vielleicht eine Karte übrig bleibt, oder wenn du quatre d'honneur ansagst, während sie doch selbst Ass, König und Dame besassen.

Nicht so angenehm ist dagegen dieses Spiel, wenn du es mit Leuten zu tun hast, die sich einbilden, darin grosse Meister zu sein, und die nicht sehr duldsamer und liebenswürdiger natur sind, die gerne aufbrausen und in allen Dingen Recht haben wollen. Du kannst es machen, wie du es willst: du hast beständig gefehlt; befolgst du die Regeln des Spiels und es gefällt deinem Partner nicht, so zuckt er heftig die Achseln, rückt unmutig auf seinem stuhl hin und her, wirft dir einen zornigen blick zu. Ist es eine Dame, so ergelbt sie auch wohl ganz gelinde, und man sagt zu dir in gereiztem Tone: "Lieber Gott! Man muss doch zuweilen Ausnahmen zu machen verstehen!" – Machst du nun das nächste Mal eine Ausnahme, so hättest du diesmal um Alles in der Welt bei der Regel bleiben sollen. – Spielst du Coeur, so lacht man dir krampfhaft in das Gesicht, denn Pique war ja die angezeigte Farbe; Pique hätte ein Kind begreifen können; um hier bei dieser Veranlassung nicht Pique zu spielen, muss man doch offenbar der schlechteste Spieler sein, der je eine Karte in die Hand genommen. Spielst du nun das nächste Mal bei der ganz gleichen Veranlassung ein unschuldiges Piqueblättchen aus und hast zufällig die richtige Farbe getroffen, wesshalb du deinen Partner triumphirend anblickst, so erwidert derselbe doch diesen blick mit wahrhaftem Entsetzen. Er wiegt den Kopf hin und her, als wollte er sagen: Bei dieser