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wir die Zeit des Herrn Grafen nicht so sehr in Anspruch nehmen: der Herr Graf sind ja im Dienst. Sie sehenSchärpe und Cartouche."

"Euer Durchlaucht verzeihen," erwiderte ruhig der Graf, während er sich hoch aufrichtete und jedem Einzelnen, den Herzog nicht ausgenommen, fest in die Augen blickte, "mein Dienst ist nach der Tafel zu Ende und ich habe die vollkommenste Zeit für jeden dieser Herren." – Die letzten Worte sprach er mit scharfer Betonung. Dann fuhr er mit einer gefälligen Handbewegung fort: "Ich bitte also, Herr von Werten!"

"Nun ja, bester Graf Fohrbach," entgegnete dieser, indem er sich, einigermasser in Verwirrung gebracht, hin und her wandte und drehte; "ich wollte in der Tat nur so viel sagen, als es sei doch recht angenehm, – und es sei wirklich ein bevorzugter Dienst, der Einem zugleich gestatte, einer so hochverehrten jungen Dame, wie fräulein Eugenie von S. ist, das Schnupftuch aufheben zu dürfen."

"Ah so!" erwiderte nach einem tiefen Atemzuge lächelnd der Adjutant, dem der höhnische blick des Herzogs, mit welchem ihn dieser fortwährend beschaute, das Blut gewaltsam nach dem kopf trieb, ohne ihn jedoch glücklicher Weise vergessen zu lassen, wen er vor sich habe und wo er sich befinde. – "Ah so! also Sie betrachten das Schnupftuchaufheben nur als eine angenehme Nebenzugabe? Das kann ich mir schon gefallen lassen. Und dass das mit dem Dienst eigentlich nichts zu tun hat; – sonst wäre es ja sehr leicht, Adjutant Seiner Majestät zu werden, denn Schnupftücher aufheben können Viele, Herr von Werten. Aber in die Umgebung Seiner Majestät werden nur Wenige gezogen. – Nein, nein!" setzte er lachend hinzu, indem er die Hand des einigermassen erstaunten Offiziers ergriff und sie freundlich schüttelte, "ich hatte Sie missverstanden, Herr von Werten. Stellen Sie sich aber in meine Lage, oder nehmen Sie an, man sagte zu Ihnen: ein Schnupftuch graziös aufheben zu können sei genug, um zum Beispiel in das Gardedragoner-Regiment eintreten zu können; das würden Sie ja auch übel nehmen, mein lieber Herr von Werten, da Sie doch fest überzeugt sind, dass auch noch andere Sachen dazu gehören, um Adjutant Seiner Majestät oder um Offizier in einem Gardedragoner-Regiment zu werden."

Wir wollen gerade nicht behaupten, dass diese Aeusserung des Grafen vor den Umstehenden, namentlich vor dem Herzoge, sehr klug gewesen sei, und sie war vielleicht nur insofern verzeihlich, als er in Letzterem einen, wenn auch nicht gefährlichen, doch zudringlichen und kecken Nebenbuhler sah.

Seine Durchlaucht biss sich denn auch heftig auf die Lippen und erblasste etwas Weniges, fasste sich aber im nächsten Moment wieder, und versuchte ein Lächeln, welches man aber als sehr misslungen betrachten konnte. Besser gelang ihm eine ziemlich hochmütige Verbeugung, als er im Weggehen sagte: "Nun sind Sie also Wohl ebenso zufrieden gestellt, Werten, wie der Herr Graf Fohrbach? – Wenn dem so ist, so können wir für heute diese Unterredung abbrechen; ein andermal vielleicht findet sich eine bessere gelegenheit, dieselbe fortzusetzen."

Damit eilte er hinweg und seine Begleitung folgte ihm.

Der Adjutant blickte ihnen eine Weile nach, dann nahm er seinen Säbel unter den Arm und ging durch die noch immer glänzend erleuchteten Zimmer zurück nach dem Speisesaal, während er vor sich hin murmelte: "Es tut auf die Länge der Zeit nicht gut, dass man diesem hohen Herrn in einigermassen abhängiger Stellung wie ich heute hier im schloss zu begegnen gezwungen ist. Wäre er mir so an drittem Orte gekommen, ich hätte ihm einige passende Worte weiter gesagt, und bin überzeugt, Seine Majestät hätte mir das gar nicht übel genommen. – Doch denken wir nicht mehr daran! Mein Wagen wird unten auf mich warten; für heute gute Nacht, Herrendienst! Wenn ich dann in der Ecke meines Coupé's sitze, so bin ich wieder, Gott sei Dank! ein freier Mann. – Und dann wird Eugenie heute Abend hoffentlich das Gespräch mit mir fortsetzen, um auf meine fragen von vorhin zu antworten. – Die Majorin ist eine kluge Frau, wer weiss, im Laufe dieses Abends werde ich vielleicht noch unsäglich glücklich werden."

So dachte der diensttuende Adjutant Seiner Majestät und schritt mit wahrhaft seligen Gefühlen im Herzen durch den Speisesaal, wo die Lakaien eifrigst beschäftigt waren, das Tafelgeräte hinweg zu räumen.

Die Lampen an den grossen Lustres waren schon ausgelöscht, und nur auf einem Nebentische, der mit Kristall und Silber bedeckt war, brannten noch die Kerzen in einigen Armleuchtern; die Türen standen offen und die flackernden Lichter strahlten auf dem glänzenden Metall, und dem feingeschliffenen Service in einer Menge buntfarbiger Blitze und feuriger Punkte wieder.

Als der Graf vorüber ging, hustete einer der Lakaien bedeutungsvoll und sagte zu dem Tafeldecker: "Dort kommt Seine Erlaucht."

Worauf dieser sich umwandte, dem Adjutanten ehrerbietigst sich näherte und ihm leise zuflüsterte: "Seine Excellenz, der Herr Hofmarschall, haben schon einige Mal nach Euer Erlaucht gefragt und werden im Augenblick wieder hieher zurückkommen."

"Was gibt's denn?" fragte Graf Fohrbach ärgerlich. "Was will man von mir? Es ist doch heute Abend hier nichts mehr zu tun, denn Seine Majestät sind wahrscheinlich in's Teater."

"So ist es," entgegnete händereibend der Tafeldekker.

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