hatte.
"Ah! ich danke Ihnen, Herr Graf!" sagte das schöne Mädchen, während sie das Tuch in Empfang nahm. "Ich habe meinen Verlust jetzt erst bemerkt, und freue mich in der Tat, dass gerade Sie der Finder sind."
"Gewiss, ein glücklicher Zufall für mich, fräulein Eugenie," erwiderte er; "denn er verschafft mir das bis jetzt schmerzlich entbehrte Glück, mich Ihnen einen Augenblick nähern, Ihnen zwei Worte sagen zu dürfen."
"Richtig, Sie sind im Dienst," sprach sie lächelnd.
"Wesshalb es mir um so weniger erlaubt ist, mich unaufgefordert dem hohen Kreise zu nähern, wo Sie als Königin glänzen."
"Ei, ei! Herr Graf!" antwortete sie mit einem Lächeln, das gleich darauf wieder verschwand, als sie rings um sich schaute; "solche Unwahrheiten darf man hier nicht hören."
"Leider! leider!" versetzte er hastig. "Sie haben Recht, Eugenie; man muss sich hier in diesen Mauern mit seinen Worten sehr in Acht nehmen; man darf nur denken. Und das erlauben auch Sie mir, gestrengste aller Damen?"
"Da müsste ich vor allen Dingen erst wissen, was Sie denken."
"O, ich denke nur" – an Sie! wollte er leidenschaftlich ausrufen, doch schloss er diesen Satz anders, indem er sagte: "Ich dachte, ob Sie vielleicht vorhin im saal meine ehrerbietige Begrüssung bemerkten?"
"Als Sie so plötzlich aus der Fensternische hervortraten?" –
"Also Sie haben mich bemerkt, mein fräulein?" sprach er entzückt, denn er dachte, wenn sie mich gesehen, so galt mir auch jener leichte Gruss, – o Gott! vielleicht sogar die kleine Verwirrung, die ich auf ihrem schönen gesicht bemerkt.
"Diese Fensternische ist ein artiger Winkel zum Beobachten," antwortete sie, seiner Frage ausweichend.
"O, ich habe auch dort beobachtet!"
"Das müssen Sie mir ein andermal erzählen," sagte sie mit einem liebenswürdigen Lächeln. – "Recht bald, vielleicht heute Abend noch. – Sie kommen doch zu S.?"
"Gewiss werde ich kommen, fräulein Eugenie, gewiss! O ich freue mich wie ein Kind darauf! – Und Sie?" – Er betrachtete sie mit flammendem blick und erwartete angstvoll ihre Antwort.
"Auch ich gehe gerne zu S.," erwiderte das schöne Mädchen und schlug absichtslos die Augen nieder. Gewiss ohne weitere Absicht, als um ihr Bracelett zu betrachten, dass sie an ihrem runden weissen Arm ein klein wenig drehte. "Namentlich heute Abend gehe ich gerne hin, weil wir, wie ich höre, ganz unter uns sind."
In diesem Augenblick vernahm man Tritte im Nebensaal, wesshalb Eugenie dem Grafen einen flüchtigen Gruss sagte, in das Vestibül hinaus trat und dort zwischen den Säulen verschwand.
Es war gut, dass sie ging, denn der entzückte und glückliche junge Mann war nahe daran, vollkommen den Kopf zu verlieren und dem Ehrenfräulein Ihrer Majestät hier bei offener tür eine Liebeserklärung zu machen, wozu er auch in der Tat den Zeitpunkt nicht hätte schlechter wählen können. Denn kaum war Eugenie verschwunden, so kam der Herzog, gefolgt von einigen Offizieren, lachend und plaudernd daher.
"Aha! unser Ritter!" sagte er. – "Haben Sie Ihre Dame noch erreicht? – Gewiss, Sie haben, denn ich sehe das Siegespfand nicht mehr in Ihrer Hand!"
Der Adjutant war zu glücklich, um diese sonderbare Anrede in deren höhnischem Ton das Verletzende lag, gebührend zu erwidern. Auch war es ja ein Prinz des Hauses, der sich einen gnädigen Scherz mit ihm erlaubte, wesshalb er sich begnügte, Seiner Durchlaucht mit einer höflichen Verbeugung zu antworten: "Ich hatte in der Tat das Vergnügen, fräulein von S. das verlorene Tuch zu übergeben."
"Diese Adjutanten Seiner Majestät sind doch in Wahrheit bevorzugte Leute," mischte sich ein Dragoner-Offizier in das Gespräch, augenscheinlich in der Absicht, um dem Herrn Herzog Stoff zur Fortsetzung eines so pikanten Gesprächs zu geben.
Wogegen Graf Fohrbach trotz seiner guten Stimmung durchaus nicht geneigt schien, einem Anderen auch nur die leiseste idee eines Scherzes über sich zu erlauben, denn er sagte ziemlich ernst und mit festem blick: "Dürfte ich wohl um eine kleine Erläuterung Ihrer nicht ganz klaren Aeusserung bitten, Herr von Werten?"
"Nun das liegt doch auf der Hand," nahm der Herzog das Wort. "Werten meint, es sei doch eine recht angenehme Beschäftigung für einen Adjutanten Seiner Majestät, den Ehrenfräuleins die Schnupftücher nachzutragen."
"Meint Herr von Werten das wirklich?" fragte der Graf mit einer seltsam klingenden stimme.
"Nein, nein, nicht so ganz!" antwortete der Dragoner-Offizier mit einem verlegenen lachen. "Seine Durchlaucht haben den Sinn meiner Worte nicht vollkommen richtig ausgelegt."
"Ja, sehen Sie, Herr von Werten," sagte der Adjutant nun ebenfalls lachend, wobei jedoch seine Mundwinkel leicht zuckten, "das kann Einem schon widerfahren, wenn man sich unberufen in anderer Leute Gespräch mischt. – Würden Sie dann jetzt wohl selbst die Freundlichkeit haben, mir den Sinn Ihrer Worte zu erklären?"
"Ah! lassen Sie es gut sein, Werten!" rief der Herzog. "Das sieht ja aus wie eine kleine Neckerei. Auch dürfen