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Fensternische fast die Lippen blutig biss und den Griff seines Säbels fasste, als habe er nicht übel Lust, diesen gegen einen sehr gefährlichen Feind zu ziehen.

Bis jetzt hatte der Herzog dort hinten bei der Gruppe, wie es schien, nur allgemeine Redensarten an die Damen, die um ihn standen, gerichtet; jetzt aber – "der Teufel soll ihn holen!" dachte der Adjutantwusste er sich so geschickt zu drehen, und so schön zwischen den ehrerbietigst ausweichenden Hoffräuleins zu manövriren, dass er Eugenie von den Uebrigen trennte, und nun auf einmal abseits mit ihr stand. – "Verdammt! was hat er da zu sagen?"

Der Herzog tat eine FrageEugenie von S. schlug leicht die Augen nieder und gab ihm eine kurze, doch wie es schien, nicht unfreundliche Antwort. Darauf zuckte er die Achseln und machte ein betrübtes Gesicht, schien aber gleich darauf über etwas nachzudenken, in Folge dessen sich sein Gesicht aufklärte. Er tat noch einen halben Schritt näher zu dem schönen Mädchen hin und flüsterte ihr etwas auf sehr verbindliche Weise zu. Sie machte eine leichte Verbeugung, vermittelst welcher sie aber um einen ganzen Schritt zurückwich. Der Herzog entfernte sich und der Graf atmete tief auf.

"Und doch ist die Sache nicht ohne allen Grund," sprach er nach einer Pause ergrimmt zu sich selber. "Wenigstens von seiner Seite nicht. Teufel! da gilt es, aufzupassen! Wenn man sich nur wenigstens der Gruppe auch nähern dürfte! Aber Ihre Majestät und die Frau Herzogin scheinen wahrhaftig gerade auf diese Stelle des Saales wie verpicht zu sein. – Ah! jetzt machen sie ihre Komplimente! – Die Damen verneigen sich; Gott sei Dank! – Aber auch Eugenie muss folgen. Weiss Gott im Himmel, ich habe heute kein Glück; war es mir doch nicht möglich, auch nur eine einzige Silbe vor oder nach der Tafel an sie zu richten. – Doch halt! – sie bleibt an der tür stehen. Ah! wenn sie sich umschaut! – Vielleicht nach dem Herzog; doch wenn sie es tut, so werde ich es augenblicklich sehen."

Der Herzog stand auf der andern Seite des Saales, und also war es in der Tat nicht zu verkennen, wohin sich ihre Blicke richten würden. –

Jetzt trat sie unter die tür, in der langen, glänzenden Reihe die Letzte und Schönste. – Ah! sie blieb wirklich einen Augenblick unter der tür stehen, sie wandte wirklich den schönen Kopf rückwärts und blickte nach der Seite hin, wo der Herzog stand, aber dieser blick war flüchtig wie ein Blitz, und sie wandte ihn alsbald wieder fort und liess ihn unverkennbar durch den ganzen Saal gleiten. Suchte sie etwas mit ihren Augen? O, wenn sie ihn suchte! – Wie schlug sein Herz! Er konnte unmöglich ruhig in seinem Verstecke hinter dem Vorhange stehen bleiben, er musste aus demselben heraustreten, und als er das rasch tat, glitt ihm der Säbel aus der Hand und stiess klirrend auf den Parketboden. – Gott im Himmel! flog nicht in diesem Augenblicke ein leichtes Lächeln über ihre Züge? – O Glück! o Seligkeit! Neigte sie nicht leicht das Haupt gegen ihn, ehe sie durch die tür verschwand? – Er hätte darauf schwören können, dass sie es getan. Doch dies Glück wäre zu gross gewesen; er durfte nicht leichtsinniger Weise daran glauben. – Aber etwas Anderes war nicht wegzustreiten, was in diesem Augenblicke geschah: Eugenie liess nämlich, auf jeden Fall ganz absichtslos, ihr Battistsacktuch auf der Türschwelle fallen, wobei es in der Tat komisch anzusehen war, wie im gleichen Moment sämmtliche noch anwesende Offiziere und Herren vom hof sich mit einer wahren Wut darauf stürzten.

Wir brauchen wohl dem geneigten Leser nicht zu versichern, dass Graf Fohrbach eher sein Leben als das Taschentuch in andern Händen gelassen hätte; er hob es im gleichen Augenblicke auf, als der Herzog neben ihm ankam.

Dieser streckte die Hand gegen den Adjutanten aus, als wünschte er das Taschentuch ausgeliefert zu erhalten.

"Es gehört wohl nicht Euer Durchlaucht?" fragte Graf Fohrbach. – "Ich werde mir schon erlauben dürfen, es dem fräulein nachzubringen."

"Versteht sich von selbst!" entgegnete höhnisch lachend der Herzog, indem er einen Schritt zurücktrat. "Dem Sieger gehört der Dank, und d e n will ich Ihnen nicht streitig machen."

Wäre der arme Graf nur Hofmann gewesen, so würde er das Tuch respektvollst dem Herzog zugestellt und sich mit dessen Erkenntlichkeit begnügt haben. – So aber war er verliebt undeifersüchtig, wesshalb er denn auch nur eine flüchtige Verbeugung machte und eilig durch die Zimmerreihe davon schoss.

Das Ehrenfräulein hatte schon mehrere Türen hinter sich, und war gerade im Begriff, das Vestibül zu betreten, wo die Treppe zu ihren Apartements mündete, als sie vernahm, dass Jemand mit klirrenden Schritten ihr eiligen Laufes folge. Sie wandte den Kopf zurück, und als sie sah, dass es Graf Fohrbach sei, der ein weisses Tuch in der Hand hielt, schien sie erst ihren Verlust zu bemerken und machte ein paar Schritte gegen den glücklichen Finder.

Dieser, so nahe am Ziele, wo er den für ihn so köstlichen Fund wieder abgeben musste, konnte sich nicht entalten, ehe er das tat, das seine Tuch sanft an seine Lippen zu drücken, worauf er eine Verneigung machte, die mit einer halben Kniebeugung sehr viel Ähnlichkeit