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aber doch einiger Teilnahme wert, denn sie ist jung, schön und reizend. Hat ihr auch viele Mühe gemacht, wie die person hier schreibt. – Nun, das kann auch eine Spekulation auf meine Kasse sein." – Er überlas den Brief nochmals. – "Aber was soll denn das hier heissen," fuhr er nach einer Pause in seinem Selbstgespräch fort, dass sie da von einem hohen Freunde spricht? – Habe keine idee, was sie damit meint.

Währenddem stand der Jäger hoch aufgerichtet an der tür des Zimmers und schien unausgesetzt das lebensgrosse Bild Seiner Majestät zu betrachten, welches ihm gegenüber hing. Doch wenn man ihn schärfer beobachtet hätte, so würde man wohl bemerkt haben, dass er die blitzenden Augen von Zeit zu Zeit auf seinen Herrn richtete, und dann auf das abgerissene Couvert schaute, das unbeachtet auf dem Boden lag.

"Wann, sagst du, dass dieser Brief gekommen sei?" fragte nun der Graf den Jäger.

"Vor einer kleinen halben Stunde, Erlaucht. Der Kammerdiener nahm ihn selbst in Empfang, siegelte ihn ein und ich eilte augenblicklich damit hierher."

Graf Fohrbach hatte das Billet leicht in die linke Hand genommen und schlug damit auf die rechte, während er nachdenkend bald an die Zimmerdecke schaute, bald vor sich auf den Fussboden. – "Wenn es eine ganz gewöhnliche geschichte wäre," dachte er, "so würde man einfach weder hingehen, noch Jemand hinschicken. Selbst hinzugehen ist mir auf alle Fälle unmöglich; wahrhaftig, es widerstrebt mir, mich in solche Geschichten zu mischen. – Und wen soll ich hinschicken? – Einen Bedienten; vielleicht meinen Jäger dort, der mir nicht auf den Kopf gefallen zu sein scheint. – Nein, nein, das wäre undelikat. – Einen Bekannten also? – Aber wen finde ich gleich? Alle Welt macht jetzt Vorbereitungen zum Diner. – Wenn ich es bei der Hoftafel Jemand sagte! Ich habe so Manchem ähnliche Gefälligkeiten erwiesen; ich würde schon Jemand finden, der vielleicht meine ganze Rolle übernimmt. – Ah! es ist doch bei Gott ein leichtfertiges Geschlecht, diese Mädchen! Die da" – er schlug in diesem Augenblick mit der Hand auf das Papier – "galt als ein Ausbund von Tugend; und was vermochte hier nicht eine Handvoll Goldstücke! – Aber man sagte mir später, sie unterstütze einen alten Vater und kleine Geschwister; das habe ich damals nicht bedacht, und es fällt mir jetzt schwer auf's Herz. Ah! um so besser, dass die Sache so gekommen ist, denn es wäre doch am Ende ein schändlicher Kauf gewesen, den ich da gemacht. – Aber die Summe soll sie haben, – voll, voll! – Ich danke dem Himmel, dass ich jetzt so denke." – Er warf noch einen blick zum Fenster hinaus nach der uns bekannten Richtung, dann erhob er sich und schritt langsam durch das Zimmer auf seinen Diener zu. Halb Weges blieb er aber wieder stehen, indem er zu sich selber sagte: "Ja, ich werde doch Jemand finden, der für mich hingeht. – Wenn ich nur wüsste, wen sie mit dem hohen Freunde gemeint hat! – Halt! da fällt mir was ein! – Richtig! Artur versprach mir, den Brief auf die Post zu werfen oder selbst zu besorgen er wird das Letztere getan haben. Vornehm genug sieht er ausja, es muss so sein: die Alte hat eine neue saubere Kundschaft gewittert. – Aber warum auch nicht? – Ja wahrhaftig, das wäre der beste Mensch, der für mich dort hingehen könnte. Und er tut's, ich habe ihm auch schon Gefälligkeiten genug erzeigt, und am Ende sieht er das eher für eine Annehmlichkeit an, als für eine Arbeit."

Damit drehte sich der Graf rasch wieder um, ging zu dem Tische zurück, wo Schreibmaterialien lagen, steckte den Brief, den er soeben erhalten, in ein kleines Couvert, siegelte es zu und überschrieb es an Artur. – "Diesen Brief," sagte er alsdann zu seinem Jäger, "wirst du augenblicklich besorgen. Du kennst die Adresse? – Geh' sogleich in das Haus dieses Herrn, wenn er nicht da ist, frage, wo er sein könne und suche ihn mir auf. Es ist mir viel daran gelegen, dass er diesen Brief erhält. – Verstehst du?" Franz nickte mit dem kopf.

"Im Falle du ihn also findest, und ihm den Brief selbst in die Hand gibstwas unbedingt geschehen muss, denn auf Zwischenträgereien darfst du dich gar nicht einlassenso wirst du fragen, ob du mir Ja oder Nein sagen sollst. Heisst es Ja, so kannst du ruhig nach haus gehen, und die Sache ist für dich abgemacht; heisst es aber Nein, so lässt du den Brief wieder einsiegeln, stellst dich damit an den grossen Saal, wo heute die Tafel ist, und lässt mir durch einen Lakaien sagen, du seiest da. – Hast du mich wohl verstanden?"

"Vollkommen, Erlaucht: mit Ja ist Alles besorgt, mit Nein komme ich, mir neue Anweisungen zu holen."

"Sehr gut," sagte lächelnd der Graf; "ich sehe, Franz, du bist zu gebrauchen."

"Wenn Euer Erlaucht das wirklich glauben," erwiderte der Jäger mit einem seltsam leuchtenden blick, "so soll mich das