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dit," erwiderte der Hofmarschall, nachdem er einige Augenblicke vor sich niedergesehen.

"Nun, dem mag sein, wie ihm wolle!" fuhr lebhaft Graf Fohrbach fort. "Jetzt führt sie einmal einen guten Namen, und ich setze wirklich den Fall, es sei etwas in ihrem früheren Leben nicht ganz korrekt, so hat sie das jetzt in ihrer freudlosen Ehe tausendmal abgebüsst. Nehmen Sie mir nicht übel, es ist keine Kleinigkeit, mit dem alten General auszukommen. Er hält sie wie seine Sklavin, aber nicht wie seine Frau."

Die letzten Worte hatte der junge Mann etwas lauter gesprochen, wesshalb sich der Hofmarschall sorgfältig im Zimmer umschaute, ob sie sonst Niemand gehört. Dann, als scheine ihm dies Gesprächstema für den Ort, wo sie sich befanden, zu gefährlich, änderte er es offenbar absichtlich, indem er einen tiefen Seufzer ausstiess und hierauf sagte: "Ich hatte geglaubt, Seine Majestät sei schon zurück; so muss ich mir denn selbst zu helfen suchen."

"Soll ich Ihnen ein paar Einladungen vorschlagen?" fragte der Adjutant lächelnd, nachdem er seiner Excellenz bis zur tür des Vorsaals gefolgt war.

"natürlich einige von euch jungen Leuten," entgegnete der Hofmarschall mit emporgezogenen Augenbrauen.

"Nun, wenigstens welche, von denen man weiss, dass sie kommen, die in der Nähe zu finden sind."

"Zum Beispiel?"

"Da ist Eduard v. B., unser bisheriger Assessor, der gestern Regierungsrat geworden ist; er könnte bei dieser gelegenheit seinen zierlichen Dank anbringen. – Ich weiss, wo er ist."

"Das kann ich ohne Befehl nicht tun."

"Oder den Baron von Brand. – Ich bin gewiss, Sie finden die Beiden auf dem Cavalier-Casino bei einer Partie Piquet."

"Den Baron von Brand?" sagte die Excellenz und machte dazu ein Gesicht, als habe sie plötzlich auf ein Sandkorn gebissen. "Nein, nein, nehmen Sie mir nicht übel, das ist nicht meine leidenschaft; es tut mir jedesmal leidaber im tiefsten Vertrauen gesagtwenn ich den Herrn auf unserem Silber speisen sehe. Ich meine immer, es komme ihm das ungewohnt vor."

"Ah! Excellenz haben einen zu scharfen Witz!" erwiderte lachend der Adjutant. "Und jetzt fällt mir ein, dass ich taktlos war. Richtig, Sie mögen den Baron Brand nicht leiden."

"Das leugne ich auch gar nicht, und ich behauptenatürlich Freunden gegenüberer gehört nicht an den Hof, nicht einmal in die Gesellschaft."

"Da tun Sie ihm wahrhaftig Unrecht; der Baron ist ein vollkommener Cavalier und benimmt sich gewiss als solcher."

"Aeusserlich! äusserlich!" entgegnete der Andere mit einigermassen gereiztem Tone. "Sie werden das auch noch erfahren."

"Aber er geht mit den anständigsten Leuten um! Sie können zum Beispiel nicht leugnen, dass er mit dem Herrn Herzog sehr liirt ist."

"Leider! leider! Ich wollte, dem wäre nicht so, denn was der Eine nicht weiss, das lernt er vom Andern. Unter uns gesagt, ist Seine Durchlaucht seit seiner genauen Bekanntschaft mit dem Herrn Baron nicht solider geworden, das können Sie mir glauben."

"Meinen Sie wirklich?" fragte der Graf mit dem grössten Interesse, das er aber zu verbergen suchte. – "Sind da Geschichten vorgefallen? – O Euer Excellenz weiss doch Alles!" Diese letzteren Worte rief er im Tone der grössten Verwunderung.

"Saubere Geschichten," erwiderte wichtig der Hofmarschall; "Sie erinnern sich doch noch des Refus, den der Herzog erhielt, als es ihm neulich plötzlich einfiel, zum Militär überzugehen und als Offizier in das Gardedragoner-Regiment einzutreten?"

"Gewissganz genau; ich hatte damals zufällig den Dienst. Doch glaube ich, fand man ihn höheren Orts nicht stark genug zum Kavalleriedienst."

"Ah bah!" machte der Hofmarschall und sah den Anderen mit einem eigentümlichen blick von der Seite an. – "Geschichten, lieber Freund! – Geschichten, die einigen Eklat gemacht. – Was weiss ich, oder was will ich davon! Es war da begreiflicher Weise ein junges Weibchen im Spiel, aber von einer anständigen Bürger-Familie; die Sache muss einen sehr unangenehmen Haken gehabt haben, und man fürchtete wohl nicht mit Unrecht, irgend einer der alten Offiziere des Regiments, die überhaupt diesen Einschiebungen sehr unhold sind, möchte dadurch Veranlassung finden, diese fatale Angelegenheit zur Sprache zu bringen. Verstehen Sie mich?"

"Wie kann man denn überhaupt Euer Excellenz missverstehen!" sagte Graf Fohrbach mit einer tiefen Verbeugung. "Ja, wenn die Geschichten nicht wären!"

"Meinetwegen mögen sie ausserhalb des Schlosses treiben, was sie wollen," sprach würdevoll der Hofmarschall; "aber so lange ich den Stab führe, soll mir der Burgfriede gehalten werden in jeder Richtung. Diese jungen Herren denken aber nicht anders, als Alles, was Schönes und Reizendes bei Hof erscheint, sei nur zu ihrem Vergnügen da. Aber das kann ich Sie versichern, Graf Fohrbach: ich bin auch da. Ordnung muss sein, sogar in diesen Dingen bei Hof, und es gibt eine Stelle, wo ich als Oberstofmeister Seiner Majestät ebenso kitzlich bin, wie der hochselige König von Spanien. – Es heisst doch kitzlich?"

"Sterblich bin," verbesserte der Adjutant