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davon. – Eine wahre Sklaverei!"

"Aber Euer Excellenz nehmen alle Dinge zu schwer; ich glaube, ich würde es mir viel bequemer machen."

"Das glaube ich selbst," erwiderte der Hofmarschall mit einem wichtigen Lächeln, "aber nehmen Sie mir nicht übel, da würde auch Manches drunter und drüber gehen."

"Das ist möglich: was nicht zu halten wäre, liess ich eben fallen."

"O ihr jungen Leute habt gut sprechen! Man muss den ganzen Tag mit Anstrengung aller seiner Kräfte die Zügel halten, denn wie man ein bischen nachlässt, so gibt's rechts und links Konfusionen."

"Aber heute zum Beispiel könnte es sich Euer Excellenz doch bequemer machen. Da gibt's doch bis zur Tafel nichts mehr zu tun: die Einladungen sind gemacht, das Diner ist seiner Vollendung nahe und die Säle in der besten Ordnung."

Der Hofmarschall war mit einer wehmütigen Miene an's Fenster getreten und blickte jetzt achselzuckend nach dem Adjutanten um, der hinter ihm stand. – "Ich will Ihnen einen Beweis geben, wie kurzsichtig ihr jungen Leute seid, mein lieber Graf," bemerkte er nach einer Pause. "Sie sagen, die Einladungen seien gemacht. Allerdings sind sie gemacht, auch angenommen; aber ist es meine Schuld, dass sich zwei, drei Personen heute Nachmittag unwohl fühlen und mir absagen lassen? – Zwei, drei Personen, sage ich Ihnen, und eine darunter, die Seine Majestät sogleich vermissen werden. – Was nun tun?"

"Nun," entgegnete der Adjutant, "die Tafel um so viel kleiner machen."

"Eine Tafel von hundertundzwanzig Couverts nur so im Handumdrehen kleiner machen!" lachte krampfhaft der Hofmarschall. "O Graf Fohrbach! Sie sind ein vortrefflicher Reiteroffizier und Adjutant, abernun, man kann das nicht anders von Ihnen verlangen."

"So machen Sie ein paar andere Einladungen!"

"Als wenn Hofeinladungen zu einem Neujahrsdiner nur so leicht gemacht wären! Die heutige Gesellschaft wurde gebeten auf den speziellen Befehl Seiner Majestät. Alles, was ich noch dazu tue, geschieht auf eigene Verantwortung, und für drei, die ich selbstständig einlade, bekomme ich dreissig Feinde über den Hals, die Alle glauben, an Ihnen wäre viel eher die Reihe gewesen. – Ah! ich habe ein hartes Brod."

"Da würde ich es machen wie beim Militär, und mir immer eine Reserve halten."

"Das habe ich auch," erwiderte wichtig die Excellenz. "Aber wenn uns die Reserve ebenfalls im Stich lässt! Sehen Sie" – damit erhob er den Arm und zeigte auf eine Fensterreihe im grossen hof – "da hinten wohnt, wie Sie wissen, der alte pensionirte GeneralAdjutant, der, wie sich von selbst versteht, ein- für allemal zur Hoftafel eingeladen ist, aber sich fast jedesmal hartnäckig entschuldigen lässt. Bei dem war ich nun vor einer halben Stunde in person, um ihn zu bitten, diesmal doch zu kommen. – Keine Rede davon! Ich vernahm auch schon im Vorzimmer, dass ich vergeblich komme, denn er brüllte wieder einmal so laut, dass man es durch drei Zimmer hören konnte."

"Hat er Schmerzen?" fragte anscheinend ganz unbefangen der Adjutant.

Der Hofmarschall wandte den Kopf rückwärts und sah ihn mit einem sonderbaren Blicke an. "Ah! was Schmerzen!" versetzte er, "Sie kennen den doch lange genug, um zu wissen, dass der keine Schmerzen hat."

"Also vielleicht wieder eine Familienscene?"

"natürlich; das hört da niemals auf."

"Die arme kleine Frau!"

"Na, na!" sagte die Excellenz, indem sie leicht mit der Hand an dem gestickten Uniformskragen herum griff, "das nimmt Alles freilich Partei für die hübsche Baronin, aber –"

"Euer Excellenz sagten: aber –" versetzte der Adjutant nach einer längeren Pause.

"Allerdings könnte man da auch ein Aber vermuten," fuhr der Hofmarschall fort. "Ich versichere Sie, lieber Graf, Unsereins, das so lange hier aus und ein geht, wirft zuweilen einen scharfen blick hinter die Coulissen."

"dafür ist Euer Excellenz bekannt," antwortete der Graf im Tone der grössten überzeugung. – "Aber die Baronin nimmt sich so in Acht, sie vermeidet völlig ein Gespräch mit jungen Leuten; sie tanzt auf den Bällen nur mit alten Generalen und obersten Hofchargen, die dem Gemahl doch unmöglich Argwohn einflössen können."

"Wie? Weil sie nur mit obersten Hofchargen tanzt?" fragte Seine Excellenz leicht pikirt. Doch fuhr sie gleich darauf in anderem Tone fort: "Ja, das ist Alles wahr; man spricht auch nicht von der Gegenwart, sondern" – hier hustete der Hofmarschall wieder bedeutend, als habe er schon zu viel gesagt.

"Allerdings von der Vergangenheit," nahm der Adjutant leichtin das Wort. – "Wissen Sie, Excellenz, die böse Welt macht sich kein Gewissen daraus, einer schönen Frau was Uebles nachzusagen. – Und am Ende, was spricht man von der Baronin?"

"Ich nichts; Gott soll mich bewahren!"

"Ja, ich auch nichts. Aber ihre Herkunft ist doch wohl sattsam bekannt."

Der Hofmarschall schüttelte leicht mit dem kopf.

"Nicht? – Ich habe wenigstens geglaubt, sie sei aus einer bekannten alten schottischen Familie."

"On