du meine Anverwandten verdächtigst, will ich feurige Kohlen auf dein Haupt sammeln; du darfst heute Abend zu uns kommen.
"Und Eugenie ist auch da?" fragte der Andere jubelnd.
"Eugenie ist auch da, und – verstehe mich wohl – sonst Niemand: du, sie, meine Frau und ich, – die vollständigste Partie quarré."
"Major, du bist göttlich!" rief freudig der junge Mann; "es ist ein Unglück, dass Seine Majestät eine Aversion gegen alle Gnadenbezeugungen am Neujahrstage hat; ich würde für dich um den Oberstentitel bitten. – Also wir vier ganz allein?"
"Ganz allein; komm so um acht Uhr, da ist ja die Hoftafel und dein Dienst vorbei; wir trinken Tee, wir machen einen kleinen Whist, wir plaudern, und da es Neujahrstag ist, so soll es dir unbenommen sein, meiner Frau und also auch Eugenie ein kleines Cadeau mitzubringen. Du siehst, ich bin uneigennützig."
"So uneigennützig, dass mir ordentlich vor dir graut. Du hast alle Anlage zu einem vortrefflichen Kuppler. Gott stehe dir bei, oder dem armen Menschen, gegen den du agirst."
"Nun also bis acht Uhr!" sagte lachend der Andere; worauf er dem Freunde die Hand schüttelte und sich empfahl.
Graf Fohrbach begleitete ihn bis in den Vorsaal, wo die Wachen langweilig auf und ab schritten, und wo der einzige Lakai, der keinen Vorwand gefunden, sich zu entfernen, hinter dem Ofen sass und sanft den Schlaf des Gerechten schnarchte.
Fünfundfünfzigstes Kapitel.
Einladungen zu hof.
In sein Zimmer wieder zurückgekehrt, ging der diensttuende Adjutant mit leichten, gefälligen Schritten eine Zeit lang auf und ab, von einer tür zur andern, bei dem grossen Spiegel vorbei, in welchen hie und da einen nicht ganz unzufriedenen blick zu werfen er sich nicht entalten konnte. Er träumte von dem Abend, der vor ihm lag, und sein Herz schlug sehr vergnügt; nur zuweilen blieb er an einem der Fenster stehen, schaute nachdenkend hinaus und zog die Augenbrauen düster zusammen. In solchen Momenten dachte er an die Nebenbuhlerschaft des Herzogs und an alle möglichen Folgen derselben; er wusste ganz genau, was bei vielen Frauenherzen die Durchlaucht vor einem Namen zu sagen hat. Und dann war auch der Herzog in anderer Richtung ein nicht zu verachtender Gegner. Hübsch war er allerdings nicht, weder am Körper noch am gesicht, aber er tanzte gut und unermüdlich, und was seine Zunge anbelangte, so war sie glatt und behende wie ein Aal.
Wenn Graf Fohrbach das alles überlegte, namentlich aber die Leichtigkeit in Betracht zog, mit der der Herzog fast zu jeder Stunde des Tages die in den Gemächern seiner Mutter oder Ihrer Majestät befindlichen Damen sprechen konnte, so überlief es ihn fröstelnd, er fasste krampfhaft den Griff seines Säbels und bohrte die Scheide so heftig in das Parkett ein, dass ihn der Hofmarschall, wenn er es gesehen hätte, unfehlbar wegen freventlichen Verderbens des königlichen Eigentums verklagt haben würde.
Im anderen Augenblicke dachte er dagegen an die Stunden, die er schon mit Eugenien zugebracht, sei es bei den Hoffesten, sei es im haus seines Freundes, und wenn er sich diese in's Gedächtniss zurückrief, so baute er sich aus Blicken, aus Worten, besonders aber aus einem leisen Drucke ihrer Hand auf seinen Arm, den er einst zu fühlen geglaubt, die wunderbarsten Luftschlösser und richtete daran seine Hoffnungen wieder empor. – "Heute Abend," sprach er zu sich selber, "ist in der Tat ein günstiger Moment, wir sind ganz allein, ich bin überzeugt, Eugen wird diskret sein, und dann will ich doch versuchen, ihr irgend ein Wort zuzuflüstern, was mich weiter bringen soll. – Auf jeden Fall weiter, vielleicht zu einer Entscheidung, sei es nun zu meinem Glücke oder zu meinem Unglücke."
Damit nahm er seinen Säbel wieder in die Hand und begann seinen Spaziergang durch das Zimmer auf's Neue, hatte aber dasselbe noch nicht einmal durchschritten, als sich die tür des Vorsaals öffnete und der Hofmarschall herein trat, jetzt schon – es war noch nicht vier Uhr, also noch zwei Stunden bis zur Tafel – in grosser Uniform, den Hut unter dem Arm, das Gesicht wie gewöhnlich mit äusserster Wichtigkeit hoch empor haltend.
Die beiden Herren begrüssten sich, indem der Graf seine ganze Hand hinhielt, in welche Seine Excellenz, wie er es in der Regel zu machen pflegte, nur zwei Finger legte, die aber von dem Adjutanten freundlichst und kräftigst geschüttelt wurden.
"Euer Excellenz sind früh bei der Hand," sagte er hierauf. "Wir haben ja noch zwei volle Stunden bis zur Tafel. Nein, das mache ich mir bequemer; höchstens eine halbe Stunde vorher wird sich angezogen, eine Viertelstunde darauf steige ich in den Wagen und komme an mit Glockenschlag."
"dafür sind Sie auch ein freier Mann, mein lieber Graf," erwiderte seufzend die Excellenz, "haben hie und da, wie heute zum Beispiel, eine kleine Funktion, die aber nach einigen Stunden endet, und an die Sie nicht mehr zu denken brauchen, sobald Sie den Säbel abgeschnallt und den Federhut weggelegt haben. – Aber ich! – Dienst! – Dienst! – Dienst! von Morgens früh, wenn ich meine Augen öffne, bis Nachts, wenn ich sie wieder schliesse; und auch dann noch oft keine Ruhe, denn ich träume