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"Nur zu," erwiderte der Andere lächelnd; "ich kann mir fast denken, was da heraus kommen wird. Lass deinen Phantasieen vollen Lauf; – genire dich gar nicht."
"O Eugen, das sind nicht bloss Phantasieen; ich fürchte, es ist etwas Wahres dahinter. – Eugeniens Vater – es ist leider einmal ein Anverwandter von dir –"
"Sehr, sehr entfernt," versetzte der Major.
"Ja, ja; aber dieser Herr von S. steht, wie du weisst, in keinem guten Renommée."
"Er ist etwas Spieler und Aventurier; aber eigentlich Schlimmes kann man ihm nicht nachsagen."
"Bis jetzt nicht, aber –"
Der Graf stockte, weil ihn ein eigentümlicher blick seines Freundes traf.
"Aber –" fuhr er nach einer Pause fort – "er ist derangirt; würde er sich etwas daraus machen, wenn ihm zum Beispiel der Herzog, der sehr reich ist, auf die eine oder die andere Art wieder emporhelfen wollte? – Doch verzeih' mir, dass ich das sage; ich weiss wohl, ich bin ausser mir, vielleicht sinnlos. Mir scheint, ich spreche ohne allen Verstand."
"Nein, du sprichst ganz verständig," erwiderte der Major mit grosser Ruhe, während er mit vieler Sorgfalt ein grosses E auf die angehauchte Fensterscheibe zeichnete. "Deine Worte sind nicht sinnlos, und ganz im Vertrauen gesagt, halte ich den Herrn von S. zu allerlei fähig, Seine Durchlaucht den Herrn Herzog nicht minder. – Denn haben wir junge Leute zu unserer Zeit Besseres getrieben?"
"Aha! doch dergleichen nicht!" rief Graf Fohrbach entrüstet. "Ich wenigstens habe um einer vergnügten Stunde willen nie das ganze Lebensglück eines Mädchens und desjenigen, der sie liebt, auf das Spiel gesetzt."
"Du nicht?" fragte lachend der Major. "In deiner Gesellschaft hast du allerdings dergleichen nicht versucht; aber blicke tiefer hinab, da taucht dir doch vielleicht irgend eine Erinnerung auf, welche mit dieser geschichte Aehnlichkeit hat."
"Du könntest Recht haben," antwortete Graf Fohrbach, nachdem er einige Augenblicke nachgedacht.
"Aber das gehört eigentlich nicht hieher," fuhr der Andere fort. "Genug, ich gebe dir zu, der Vater wäre vielleicht im stand, sich die Tochter abkaufen zu lassen. – Wie kannst du aber nun glauben, dass Eugenie, dies unschuldige geschöpf, dies reine Herz, wie du sie selbst oft genannt, in dergleichen willigen könne! – Schon der Gedanke müsste ein solches Mädchen vor Abscheu wahnsinnig machen."
"Du bist älter als ich und erfahrener," erwiderte kopfschüttelnd der junge Mann, "und es scheint mir, ich muss dich belehren. Man wird es freilich nicht wagen, ihr einen solchen Antrag zu machen, aber man hilft dem anderen Teile, indem man ihm die Annäherung erleichtert; und die wird uns nicht schwer," fügte er mit Betonung bei, "wenn man Herzog ist und eine gewandte Zunge hat."
"Die dir auch nicht fehlt!" rief halb entrüstet der Major. – "Aber jetzt habe ich die geschichte vollkommen satt. Weiss der Teufel, dass ich mich immer für Eugenie herum zanken muss! Kaum bin ich von haus fort, wo mir meine Frau die Ohren voll geplaudert, so komme ich vom Regen in die Traufe, und hier an einen wütenden Liebhaber."
"Siehst du, Verräter!" sagte der Graf mit halbem Ernste; "deine vortreffliche Frau denkt und fühlt gewiss wie ich. Oh! die Weiber haben darin einen unbeschreiblichen Takt! Auch sie wird es merken, dass hier nicht Alles in Richtigkeit ist. Nicht wahr? – Sprich! ich habe Recht."
"Was wird sie merken!" erwiderte eifrig der Major mit komischem Zorne, da er sich in die Enge getrieben fühlte. "Nichts merkt sie; das ist wieder wie in so manchen Dingen, viel Lärmen um nichts; Alles, was die Leute sagen und was meine Frau schwätzt und was du fürchtest, läuft am Ende auf nichts mehr und nichts weniger hinaus, als auf eine vielleicht unschuldige Courmacherei."
"Die du also doch am Ende zugibst!"
"Ja, die ich am Ende zugebe," entgegnete der Major nach einem tiefen Atemzuge. – "Aber jetzt lass mich zufrieden. Da wäre mir ein Spaziergang in frischer Luft auf alle Fälle viel besser bekommen."
"Nun, es ist nur gut, dass deine Frau wie ich denkt," sprach der Adjutant nach einigem Nachsinnen. "Das ist ein vortreffliches Weib; ich werde mich an sie halten."
"Um gemeinschaftlich über mich zu raisonniren?" lachte der Major, der sich von seinem stuhl erhob. – "Nun, das kannst du noch heute Abend tun, freilich werde ich dabei sein und – Eugenie, aber ihr braucht euch gar nicht zu geniren: euch zuliebe will ich mich mit dem schönen Ehrenfräulein in irgend einer dunkeln Ecke festsetzen, und dann kannst du meiner Frau sagen, was du willst."
"Ich verstehe dich nicht recht," erwiderte aufmerksam der Graf, indem er sich ebenfalls erhob und seinem Freunde, welcher das Zimmer zu verlassen sich anschickte, folgte. "Was faselst du eigentlich von deiner Frau und Eugenie?"
"Nun ja, undankbarer Mensch!" sagte lachend der Major, dafür, dass