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nicht weit heraber," – setzte er mit Betonung hinzu, "er braucht das auch nicht, dafür ist er Herzog, und was ihm an Körpergewandteit abgeht, das ersetzt vollkommen seine unglaubliche Zungenfertigkeit."

Bei diesen Worten, die der Major sehr ruhig sprach, zuckte der Graf augenscheinlich zusammen, und dann schaute er seinen Freund fest und mit grossen Augen an, welchen blick der Major mit einem Lächeln zurückgab.

Graf Fohrbach sah forschend im Zimmer umher, dann beugte er sich zu seinem Freunde hinüber und sprach mit leiser stimme: "Das hast du nicht ohne Absicht gesagt!"

"Und was denn?"

"Du weisst schon, was ich meine; es ist das ein Lied ohne Melodie, das ich in kurzer Zeit öfters gehört. – Ja, er hat eine scharfe und gewandte Zunge; aber sage mir, Eugensage mir die Wahrheit, wir sind ja unter unsglaubst du, dass sie auch Geschmack an seinen Worten findet und sie gerne anhört?"

"Lieber Freund," erwiderte ruhig der Major, "das ist eine Frage, die nicht gut zu beantworten ist. Ich kann nur meine Worte von vorhin wiederholen: er ist Herzog und spricht schön und gewandt."

"Da hast du Recht!" rief unmutig Graf Fohrbach. Worauf er die Teaterlorgnette, mit der er bisher gespielt, etwas heftig auf den Tisch setzte und von seinem stuhl aufstand. Dann machte er einige hastige Schritte durch das Zimmer, so dass sein Säbel, den er nicht fest eingehakt hatte, mit dem Ende der Scheide klirrend auf den Boden fiel, was in dem grossen, stillen Gemache einen gewaltigen Widerhall gab, worauf der Adjutant seine Waffe fest in die Hand nahm, ohne aber seinen Spaziergang zu unterbrechen, dem der Major kopfschüttelnd zuschaute.

Nachdem er das Zimmer mehrere Male durchschritten, trat er endlich dicht neben seinen Freund hin, legte ihm die Hand auf die Schulter und sprach mit sanfter stimme: "Sei ehrlich gegen mich, Eugen; du sagst nie etwas ohne Absicht, und deine Worte von vorhin haben einen verborgenen Sinn. Ich weiss wohl, was sie bedeuten sollen; hier in meinem Herzen fühle ich es; aber ich möchte wissen, ob du dem grossen Haufen nachsprichst, denn auch da hörte ich ähnliche Aeusserungen, die ich jedoch verachtete. – Aber nein, nein! du sagst nie eine fremde Ansicht, du sprichst nur nach überzeugung, und ich bitte dich herzlich, teile mir diese mit, sage mir, was du weisst; das kann ja auf alle Fälle nur zu meinem Glücke sein."

Der Major hatte den viel jüngeren Freund, der vor ihm stand und dessen ganzes Wesen bei den Worten, die er sprach, gewaltsam erzitterte, mit wahrer Teilnahme angeblickt. Ja er nahm sanft die Hand, welche er auf seine Schulter gelegt, und sagte: "Höre mich ruhig an. Du wirst hoffentlich überzeugt sein, dass ich Alles tue, was dir nützlich ist, was dir zu deinem Glücke, wie du sagst, verhelfen kann, und wenn ich über die Sache von vorhin etwas Genaueres wüsste, hätte ich es dir schon lange mitgeteilt. Du behauptest, ich forme mir meine eigene Ansicht; das ist ganz richtig, und ich spreche nur dann, wie vorhin, die des grossen Haufens aus, wenn sie mit meinen eigenen zusammen stimmt."

"Und das tut sie in diesem Falle?" fragte der Graf erschrocken.

Der Major nickte mit dem kopf. – "Meine und auch die meiner Frau," sagte er.

"O! das ist sehr schlimm!" rief schmerzlich der junge Mann. "Und ihr habt eure Beweise, dass er sich Eugenien nähert? – Vielleicht auch solche, dass sie seine Annäherung duldet, dass sie ihr sogar lieb ist?"

"Nein, nein, nein!" sprach bestimmt der Major. "Nur nicht gleich wieder fertig zum Durchgehen! Wenn ich auf deine Frage mit Ja antwortete, so müsste ich ja zugeben, die Beiden seien schon im vollkommensten Einverständniss."

"Ja, das ist wahr," erwiderte der Adjutant nach einer Pause wie aus tiefen Träumen erwachend. "Dann wären sie freilich im Einverständniss; und das sind sie wohl noch nicht! – Nicht wahr, Eugen?" fragte er dringend. – "Ah! wenn ich nur an ein solches Einverständniss denke, so steigt mir das Blut in den Kopf und ich sehe nichts mehr. – Ein Einverständniss! – Was könnte zwischen den Beiden für ein Einverständniss sein?"

"Sei nur nicht so exaltirt!" bat der Major. "Setz' dich ruhig dahin. Es sollte mich gar nicht wundern, wenn einer der Kammerdiener seine wissbegierigen Ohren an die tür legte, um dich schreien zu hören."

Der Graf Fohrbach drückte gewaltsam Schärpe und Säbelkuppel herunter; das schien ihn Beides im freien Atmen zu hindern. Dann warf er sich, dem Wunsche des Freundes gehorsam, in seinen Stuhl, der wie wir wissen, so nahe am Fenster stand, dass es ihm leicht wurde, seine brennende Stirne gegen die kalten Scheiben zu drücken.

"Ich möchte etwas sagen," begann er nach längerem Stillschweigen wieder; "aber nimm es mir nicht übel: es ist ein fürchterlicher Gedanke, der auch dich schmerzen muss; aber mir zerreisst er das Herz, und so vergib denn, wenn ich ihn ausspreche.