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mit Blumen besetzt; da dringt kein blick hinein. Und wie das Zimmer so auch die Bewohnerin; das ist nach Goete wie ein eherner Turm, zu dem die Besatzung Flügel haben müsste."

"Ja, ja," erwiderte der Major, und recitirte darauf mit Patos:

"Schön wie der Mond, der einsam wallt,

So schön bist du, doch auch so kalt,

wie ein anderer Dichter sagt, der übrigens noch kein Goete geworden ist." "Es ist eigentlich Unrecht," fuhr der diensttuende Adjutant mit einem komischen Ernste fort, "mit einer so wunderbaren Figur, einem solch' schönen kopf und so viel Verstand an den Hof zu kommen, ohne ein Herz mitzubringen."

"Lass das gut sein," versetzte der Andere bedächtig, indem er seinen schwarzen Schnurrbart strich, "da ist ein Herz, und ich wette, ein sehr gutes und edles. Aber es hat sich mit einem festen Panzer umgeben. – Vielleicht," setzte er in gefälligem Tone hinzu, "weil es geahnet, dass es sich in die Nähe solcher Eroberer, wie du bist, wagen müsse."

Der Graf legte den Kopf in die Hand und entgegnete mit ernster stimme: "Nein, nein, lass die Spöttereien! Ich versichere dichdir im allergrössten Vertrauen zugegeben, was du aber wahrscheinlich schon entdecktes geht mir diesmal über den Spass. Ich stehe an dem Wendepunkt, und du wirst wissen, wohin der eine Weg zielt, wenn ich dir sage, dass Eugenie von S. einen mächtigen, unvertilgbarm Eindruck auf mich gemacht."

"Sagst du das dem Freunde oder dem Anverwandten dieses glücklichen Ehrenfräuleins?"

"Du kannst nun einmal die Scherze nicht lassen!" erwiderte Graf Fohrbach. "Aber man muss sich vor dir in Acht nehmen; nur zum Freunde sprach ich eben."

"Daran tust du sehr Unrecht; du solltest dich dem Verwandten dieses liebenswürdigen Mädchens in die arme werfen. Du weisst, da liesse sich was arrangiren: meine Frau wäre glückselig, eine solche Partie zu stand bringen zu dürfen. Und nehme mir nicht übel, wenn ein Graf Fohrbach anklopft, so öffnet man bereitwillig die tür und setzt keinen Korb davor."

"Das will ich aber eben nicht, du prosaischer Mensch. Hätte ich desshalb mancher Dame den Hof gemacht, und mit einigem Erfolge, um zuletzt eine Ehe einzugehen unter dem Wappen meines Hauses? – Nein, wahrhaftig nicht! Wenn ich mich einmal glücklich verheiraten werde, so müsste das Mädchen, das ich mir erwählt, ihr Alles daran setzen und im Notfalle Alles zu verlassen im stand sein, um mir zu folgen."

"Du hast dich wahrhaftig sehr verändert," bemerkte der Major, "denn es ist das erste Mal, dass ich dich eine Bibelstelle citiren höre. – Also der Herr Graf haben wirklich seine Herrin gefunden? – haben in der Tat sein erlauchtes Herz verloren?"

"Total!" seufzte dieser; "total! – und ich glaube, ich finde es niemals wieder."

Der Major schaute einige Augenblicke nachdenkend zum Fenster hinaus, sah hierauf sein Gegenüber lange und forschend an, und dann sagte er: "Ja, ich habe so was gemerkt. Du bist nicht mehr der Alte, namentlich wenn sie in der Nähe ist. Meine Frau hat mich eigentlich darauf aufmerksam gemacht; du benimmst dich in Eugeniens Gegenwart, um wenig zu sagen, schüchtern. Du hast deine ganze Routine verloren und scheinst mir sogar oftmals um eine pikante Antwort verlegen, woran es dir doch sonst wahrhaftig nicht gefehlt hat."

"Ich fühle das wohl," entgegnete der Graf, "und ärgere mich genug darüber. Aber wenn ich in ihre Nähe komme, wenn sie mich mit ihren grossen Augen so ruhig anblickt, wenn sie mit ihrer tiefen stimme zu mir spricht, so schnürt sie mir das Herz zusammen, ich kann kaum atmen, und wenn mir auch etwas nicht gerade Ungescheidtes einfällt, so bin ich oft nicht im stand, es gehörig in Worte zu fassen und ihr zu sagen."

"Wir kennen das. Aber du musst diese Aengstlichkeit zu überwinden trachten. Ein solches Mädchen wie Eugenie, verlangt von Jemand, den sie lieben soll, volle Gewandteit des Geistes; da tut's alle Eleganz und alle Geschicklichkeit des Körpers nicht allein, und wenn du mit deinem Pferde noch halsbrechendere Sprünge auf dem glatten Pflaster machst als vorgestern, da du ihrem Wagen begegnetest."

"Sprach sie mit dir darüber?" fragte hastig der Graf.

"Gerade nicht zu mir," erwiderte der Andere, "auch sie nicht selbst; sondern die Oberhofmeisterin, die mit ihr fuhr, erzählte es dem Herzog Alfred, der gerade dabei stand und meinte, du seiest beinahe hingestürzt."

"Das ist nicht wahr!" rief der Adjutant entrüstet.

"Und der Herzog lachte auf seine sonderbare Weise, und meinte dann, nachdem er die dünnen Lippen zusammen gepresst, es sei eigentlich eine Art Tierquälerei, so mit diesen edlen Pferden umzugehen."

"Eine Tierquälerei, die er freilich nie versucht, weder auf dem Pflaster noch sonstwo."

"Nun ja, da hast du schon Recht," antwortete nachdenkend der Major, nachdem er sich mit der Hand über die Augen gefahren, den Bart gestrichen und dann ruhig in's Zimmer hinein gesehen. – "Mit seinem Reiten ist's