den, namentlich an Wintertagen, beständig kalte und frostige Schatten ausfüllten. Die vorderen und Hauptgebäude liessen dortin kein Licht, und das einzige, was man von diesem sah, waren die hoch oben auf einer vergoldeten Windfahne recht wie zum Hohne glänzenden und blitzenden Sonnenstrahlen.
Es wird den geneigten Leser einigermassen befremden, dass, so oft wir ihn in dieses Adjutantenzimmer führen, jedesmal Graf Fohrbach den Dienst hatte; doch erstens traf dieser ihn sehr häufig, alle vier bis fünf Tage einmal, und zweitens ist es angenehmer, sich diesen wichtigen Räumen nur dann zu nahen, wenn man einen Bekannten dort zu finden weiss.
Der Graf hatte also, wie bemerkt, den Dienst, und sass in einer der tiefen Fensternischen auf einem kleinen Lehnstuhle, von dem schweren dunklen Vorhange nach aussen zu fast verdeckt und ganz wie auf der Lauer. Er betrachtete nämlich angelegentlich aus seinem Verstecke hervor einige Fenster des zweiten Stocks, die in den vorhin erwähnten Hof hinaus gingen, und da diese Fenster sich fast in derselben Flucht mit denen des Adjutantenzimmers befanden, so hatte er trotz verschiedener Grade Kälte eine Fensterscheibe geöffnet und seinen Kopf hinausgestreckt, um besser nach dem bezeichneten Orte sehen zu können.
Da war aber vorderhand nichts zu bemerken: Alles war gleich öde und still, nirgends eine menschliche Seele zu sehen, und wenn man nicht an den Fenstern, die hier hinaus gingen, da irgend einen farbigen Vorhang, dort die grünen Blätter einiger Blumen bemerkt hätte, so wäre dieser Hof wahrhaft trostlos gewesen.
Auch dort, wohin der Graf Fohrbach blickte, liessen sich hinter einem Doppelfenster Blätter und Blüten sehen. Zuweilen schien es dem Grafen auch, als komme aus dem inneren des Zimmers eine weisse Hand und mache sich dort irgend etwas zu schaffen. Sowie er aber in diesem Falle in grösster Geschwindigkeit sein ungeheures Teaterglas ergriff und hinauf sah, so liess er es doch seufzend wieder herab sinken, denn entweder hatte er sich geirrt oder war die Hand droben zurückgezogen worden.
Wenn er alsdann eine Zeit lang vergebens hinauf geschaut, so schloss er wohl auf Augenblicke die Fensterscheibe, nahm ziemlich verdriesslich ein Buch, das vor ihm lag, und sah hinein, ohne jedoch auch nur eine einzige Zeile zu lesen.
Das war Alles heute Nachmittag entsetzlich langweilig, und die Uhr, die er zu Rate zog, sagte ihm, es sei erst Zwei. – Also noch volle vier Stunden bis zur Tafel!
Graf Fohrbach hatte abermals die Glasscheibe neben sich geöffnet, das Teaterglas ergriffen und vergebens nach den bewussten Fenstern hinauf geblickt und wollte sich eben wieder zurückziehen, als er von dem hof herauf, und zwar dicht unter seinem Fenster, von einem lauten und kräftigen lachen begrüsst wurde.
Aergerlich wandte er den Kopf abwärts; – wer konnte es wagen, ihn auf so auffallende Art hier in der Ausübung des königlichen Dienstes zu stören? – Doch hatte er nicht sogleich den, der vor dem Fenster stand, erkannt, als er, selbst lustig lachend, hinabrief: "He, Major, wo kommst du her? – Hast du am Ende die vortreffliche idee, mir an diesem wunderbaren Feiertag-Nachmittag etwas Gesellschaft zu leisten, so vergelte es dir Gott, und ich will zu allen Gegendiensten bereit stehen."
"eigentlich war das nicht meine Absicht," entgegnete der Andere; "ich wollte bei dem schönen kalten Wetter eine Promenade machen. Doch wenn es dich besonders freut, so halte ich gerne eine halbe Stunde bei dir an."
Damit ging er dem Eingange zu, verschwand dort, stieg die paar Stufen bis in's Erdgeschoss hinauf und trat gleich darauf in das Zimmer.
Graf Fohrbach hatte unterdessen einen Fauteuil an die andere Seite des Fensters gerückt, auf welchem sich der Major niederliess, die Beine über einander schlug und seinen Freund lächelnd anschaute.
"Es scheint mir, du bist heute guter Laune, Major," sagte der Graf; "und es ist gut; du kannst mich dann ein wenig aufheitern."
"Also bist du verdriesslich?"
"Gott verzeih' dir diese Frage! Man sieht, dass du schon lange am Sonntag keinen Dienst getan hast und nicht mehr weisst, wie unbeschreiblich leer und öde es hier ist; kein Rappport, keine Audienz für den Herrn, selten ein Besuch für uns, und da draussen Alles bis zum Erschrecken verlassen. Diese Seite des Schlosses ist wie verwünscht: es zeigt sich nicht einmal ein miserabler Fussgänger."
"dafür aber hast du Musse, die gründlichsten Fensterbeobachtungen zu machen," erwiderte pfiffig lächelnd der Major. "Und das tust du auch, wie ich sehe, vermittelst dieses unfehlbaren Glases und einer geöffneten Fensterscheibe, bei dieser Kälte den ungeheuersten Schnupfen riskirend."
"O, was die offene Scheibe anbelangt," versetzte der Adjutant, indem er sie jetzt erst wieder fest zuzog, "so bist du im Irrtum: ich blickte nur nach dir."
"Nach mir?" fragte der Major. "Und ich musste dich erst mit einem wahrhaft homerischen Gelächter aus deinen Träumereien aufwecken! – Nein, nein, lieber Freund! gib der Wahrheit die Ehre: du hast da oben hinauf geschmachtet? – Und ich halte das auch verzeihlich und begreiflich."
"Und wenn dem wirklich so wäre," entgegnete zerstreut der Graf und schraubte sein Glas langsam ein, "so hast du eigentlich Recht, mich darüber auszulachen, denn die Fenster da oben sind den ganzen Tag verschlossen, obendrein dicht