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mit einem sehr bitteren Tone. "Ich könnte das sogar machen, ohne dass Sie mir eine Sitzung bewilligten, denn von den beiden Malen, wo ich die Ehre hatte Sie zu sehen, hat sich Ihr Bild unauslöschlich in mein Inneres geprägt."

"Coeur de rose! – Nehmen Sie sich in Acht, Herr von Dankwart; er macht eine Karrikatur von Ihnen."

"Das wäre unmöglich," erwiderte ruhig der Maler.

Für welches Wort ihn der kleine Mann einigermassen misstrauisch anblickte, worauf er sich in die Wagenkissen zurückwarf und ziemlich vornehm sagte: "Also es bleibt dabei, mein lieber Herr! Zuerst eine kleine Skizze von mir und dann nach Befund das Porträt Seiner Durchlaucht. – Nach haus, Josef!"

Die Pferde zogen an; doch ehe der Wagen davon fuhr, beugte sich Herr von Brand noch einmal so weit er konnte vor, und lächelte dem Maler auf eine eigentümliche Art zu.

Der Abschied des Herrn von Dankwart bestand darin, dass er mit zwei Fingern zum Wagenschlag hinaus winkte.

Artur blieb trotz des strömenden Regens noch einen Augenblick an der tür stehen und sah dem Wagen nach, bis er um die Ecke verschwunden war. Dann schlug er eine laute Lache auf und sprach zu sich selbst: "Nun, heute habe ich gezeigt, dass ich bereitwillig den linken Backen hinhalte, wenn man mich auf den rechten geschlagen. – Sogar Onkel Tom müsste mit mir zufrieden sein."

Oben in seinem Atelier angekommen, zog er seinen leichten Morgenrock aus (es war dies ein kostbares Gewand, aus einem seinen Shawl gemacht), der jetzt von dem Regen draussen ganz durchnässt war. Er warf ihn verächtlich in eine Ecke und nahm sich alsdann eine frische Cigarre, die er ruhig anzündete.

"Sie sind ärgerlich?" sagte freundlich Herr Beil; "haben auch alle Ursache dazu. Es ist das von diesen vornehmen Herren eine eigene Art, mit renommirten Künstlern umzugehen."

Der Maler betrachtete, ohne augenblicklich eine Antwort zu geben, die holden Züge, die ihm von der Leinwand auf der Staffelei entgegen lachten. Nach einer längeren Pause sagte er erst: "Ah! da kann von vornehmen Herren eigentlich gar nicht die Rede sein! Der Herr von Brand hat allerdings eine anständige Tournure; mit wirklich vornehmen Herren ist es angenehm umzugehen. – Aber der Andere! – Wissen Sie, lieber Herr Beil, solches Volk, das sich aus dem Staube und dem Dreck herauf geschmeichelt, das, wenn es auch jetzt einen seinen Frack und gute Handschuhe trägt, doch die freche Bedientenseele nie verleugnen kann, das es wagt, im ekelhaftesten Hochmut auf uns herum zu tappen, weil es begnadigt ist, sich als moralischer Spucknapf seines Herrn gebrauchen zu lassen, – das sind ja oft leider die Geschöpfe, an die wir arme Künstler gewiesen sind, das sind die Zwischenträger zwischen der reinen heiligen Kunst und den Grossen der Erde, denen persönlich zu nahen so Wenige von uns gewürdigt werden. – Was ich vorhin von der Sklaverei sagte, ist ganz richtig: all' diese armen Maler und Bildhauer, die mit Herrn von Dankwart und ähnlichem Gelichter zu tun haben, sind arme unglückliche Sklaven, welche die Arbeit ihrer Tage, die Träume ihrer Nächte für ein elendes Honorar verkaufen. Und da das Bild bezahlt ist, soll der Künstler zufrieden sein; jene hohen Herrschaften aber fühlen nicht, dass ihm, so notwendig er auch die paar Taler gebrauchen kann, doch ein freundliches anerkennendes Wort ein schönerer Lohn wäre und ihn anspornen müsste zu noch besseren Werken. – Nein, sie fühlen das nicht, sonst würden sie nicht solche Dankwarte schicken und uns die Schmach antun, dass wir aus solchem mund vernehmen müssen: Seine Hoheit sind mit Ihnen zufrieden, Seine Hoheit haben Ihr Bild für etwas Vortreffliches erklärt." – Damit schwieg er und wischte auf der Leinwand herum.

"Doch, Gott sei Dank!" fuhr er nach einer Pause fort, "es hat mich ordentlich beruhigt, dass ich mich gegen Sie ein wenig aussprechen konnte. Ich versichere Sie, mich hatte da unten eine unbeschreibliche Wut erfasst: Herr von Dankwart schwang da eine artige Geissel gegen mich armen Künstlersklaven; er verlangte nämlich, ich solle zeigen, ob ich auch in der Tat etwas verstände, und als probe soll ich sein Gesicht abconterfeien."

"Brrr!" machte Herr Beil, der unterdessen den nassen Morgenrock Arturs aus der Ecke des Zimmers hervorgeholt. – "Und für alles das haben Sie Ihr allerliebstes Kleid hier total verdorben?"

"Das geht zum Uebrigen in den Kauf, wenn man eine vornehme Kundschaft hat," entgegnete lachend der Maler. "Aber wissen Sie, was mich im Umgange mit solchen Menschen, wie der Herr von Dankwart ist, am meisten ärgert? – Das sind die Anreden, mit denen sie uns begnadigen: 'Mein lieber Herr!' 'Mein Freund!' und dergleichen. Ich weiss nicht, ob Sie mich verstehen, aber das kann mich zur Wut bringen; es soll das herablassend sein, freundlich und gnädig. – Mein lieber Freund! – Es ist aber wie das Du, mit dem ich meinen Bedienten anrede. Und wehe diesem, wenn er sich unterstände, ebenso zu antworten! und wehe uns, wenn wir auf eine solche Anrede ebenfalls antworten würden: 'Mein lieber Freund!' – Diese Dankwarte müssen sich absolut etwas Apartes gegen uns heraus nehmen. Würden sie einfach unsern